Produktion

Appell von Pro Quote Film zur Krise und danach

Pro Quote Film weist auf die besonders prekäre Lage von weiblichen Kreativen in der Corona-Krise hin und fordert, dass das Thema Gleichstellung in den Vordergrund gerückt wird und Bund und Länder mit konkreten Maßnahmen reagieren. Maren Kroymann und Meike Kordes unterstützen die Forderungen bei der Pressekonferenz.

14.05.2020 18:21 • von Heike Angermaier
Maren Kroymann setzt sich für Gleichstellung ein (Bild: Constantin)

Pro Quote Film weist in einem flammenden Appell darauf hin, dass weibliche Kreative besonders stark von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen sind und dass das Thema Gleichstellung der Geschlechter und Diversität nicht in den Hintergrund treten darf und jetzt verstärkt Maßnahmen ergriffen werden müssen. Mit der Kabarettistin und Schauspielerin Maren Kroymann und Produzentin Meike Kordes hat Pro Quote Film prominente Mitstreiterinnen für ihre Forderungen in der Krise und danach, die Barbara Rohm, Vorsitzende von Pro Quote Film, in einer Pressekonferenz formulierte.

So sollen Soloselbstständige bei den Soforthilfen mit den Angestellten, die Kurzarbeitergeld beziehen, gleichgestellt werden und Anspruch auf ein bedingungsloses Grundeinkommen haben. Ein besonderes Anliegen ist Pro Quote Film die unbürokratische Hilfe für Alleinerziehende jenseits von Hartz 4. Der geplante Kulturinfrastrukturfonds ebenso wie die laufenden Hilfsprogrammevon Bund und Ländern sollen einem Gender Budgeting unterliegen. Zum Forderungskatalog gehört außerdem, dass bei der Novellierung des FFG ein Punktesystem nach dem Vorbild Österreichs eingebaut wird und Pro Quote Film einen Sitz im Verwaltungsrat erhält. Von den Sendern erwartet Barbara Rohm, dass sie in der Krise Soloselbständige und kurzfristig Beschäftige unterstützen und die Mehrkosten für Schutzmaßnahmen gegen Corona bei den Dreharbeiten nicht allein auf die Produktionsfirmen abschieben. Pro Quote Film weist auch auf die Gefahr hin, dass wegen der Corona-Pandemie ältere Filmschaffende diskriminiert werden könnten. Ganz allgemein betont Rohm, wie wichtig Sprachgebrauch, Inhalte und Besetzung in Formaten und Filmen sind, um Stereotype, überkommene Rollenbilder zu überwinden und eine diverse Gesellschaft zu spiegeln. Sie verweist auf Diversitätsstandards wie sie bereits in Großbritannien praktiziert werden.

Kroymann erzählt von ihren ersten Erfahrungen im Fernsehen, als sie Ende der Achtzigerjahre selbst Änderungen im Drehbuch veranlasste und eine höhere Gage verlangte und überträgt es auf die aktuelle Situation: "Wir müssen lauter sein, wir müssen fordern (...) auch in Krisenzeiten." Kordes, die auch Vorstand der Produzentenallianz ist, verweist auf das Grundgesetz: "Vor über 60 Jahren wurde die Gleichberechtigung festgeschrieben, das ist also kein Luxus-Problem." Über die für alle schwierige, aktuelle Situation in den verschiedenen Gewerken informierten Drehbuchautorin und Dramaturgin Silke Cecilia Schultz, Kamerafrau Dixie Schmiedle, Komponistin Octavia Gloggengießer und Filmtonmeisterin Claudia Mattai del Moro, die einen Bereich repräsentiert, in dem Frauen nur fünf Prozent Anteil stellen, so Mattai del Moro. Theaterregisseurin Angelika Zacek steuerte einen Blick auf die Situation auf die Bühne bei. Ein gemeinsamer Nenner auch mit Kroymann und Kordes war, dass die "Sichtbarkeit" weiblicher Kreativer und Inhalte essentiell sei, dass, um zu beweisen, dass die Filmschaffenden Qualität liefern können, sie erst einmal die Chance dazu bekommen müssen. Und dafür braucht es die Quote bei der Vergabe von Aufträgen.