Kino

UPDATE: Bayern setzt auf bundesweite Abstimmung zum Kino-Neustart

Der Freistaat will seinen "kulturellen Rettungsschirm" von ursprünglich geplanten 90 auf rund 200 Mio. Euro aufstocken. Profitieren sollen davon auch die Kinos, inklusive großer, "inhabergeführter" Häuser. Ein Datum für deren Wiedereröffnung wurde indes noch nicht gesetzt, diesbezüglich erklärte Digitalministerin Judith Gerlach, dass sie ein abgestimmtes Vorgehen der Bundesländer für "absolut sinnvoll" halte. Auch für die Filmproduktionen sollen Hilfsgelder fließen.

14.05.2020 14:23 • von Marc Mensch
Digitalministerin Judith Gerlach stellte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ministerpräsident Markus Söder und Wissenschafts- und Kunstminister Bernd Sibler Maßnahmen für die bayerischen Kinos vor (Bild: Jörg Koch / StMD)

"Bayern ist ein Kulturland. Wie lassen Kunst und Kultur nicht allein", hieß es heute erneut von Ministerpräsident Markus Söder. Und in diesem Sinne stellte er gemeinsam mit Wissenschafts- und Kunstminister Bernd Sibler und Digitalministerin Judith Gerlach neue Maßnahmen vor, deren Umsetzung das Volumen des "kulturellen Rettungsschirms" im Freistaat von ursprünglich geplanten 90 Mio. Euro auf rund 200 Mio. Euro anwachsen lassen soll.

Der Löwenanteil der Summe entfällt dabei auf die Ausweitung des am 21. April beschlossenen Hilfsprogramms, in dessen Rahmen soloselbstständige Künstler*innen mit Hauptwohnsitz in Bayern, die eine Versicherung nach Künstlersozialversicherungsgesetz nachweisen konnten, über drei Monate monatlich 1000 Euro erhielten, wenn ihre fortlaufenden Einnahmen aufgrund der Corona-Pandemie zur Sicherstellung des Lebensunterhalts nicht ausreichten. Künftig sollen auch solche Künstler*innen Zugang zu dieser Hilfe haben, die nicht Mitglied der Künstlersozialkasse sind, was die Zahl jener, die von diesem Programm profitieren könnten, laut Söder von rund 30.000 auf rund 60.000 verdoppeln würde. Das alleine auf diesen Bereich entfallende Volumen des Rettungsschirms bezifferte der Ministerpräsident auf 140 Mio. Euro.

Insgesamt 50 Mio. Euro sollen nach den neuen Plänen als Unterstützung für Spielstätten wie Theater und Kinos zur Verfügung stehen - und tatsächlich sollen auch Filmtheater jenseits kleiner und mittlerer bzw. mit Programmprämien bedachter Häuser zum Zuge kommen. Die Kinos seien bereits "seit Wochen dicht" und hätten keine Chance auf Angebote wie Lieferdienste, so Gerlach, die betonte, dass es Hilfen auch für die Phase der Wiedereröffnung bedürfe. Sie kündigte Unterstützung in einem Umfang von zwölf Mio. Euro für kleinere und mittlere Kinos mit bis zu sieben Sälen, aber auch für größere, inhabergeführte Häuser an, die im Zuge der Corona-Krise in finanzielle Engpässe geraten seien. Insgesamt wurde die Zahl der Kinos, die mit Unterstützung des Freistaates rechnen dürften, auf bis zu 260 beziffert - was nahezu alle Filmtheater im Freistaat (2019 waren es laut FFA-Zählung 284) erfassen würde. Durch das Raster fallen würden demnach vermutlich wenigstens die Häuser von Cinemaxx und CineStar (die zusammen aber nicht auf zwei Dutzende Standorte kommen), UCI betreibt in Bayern keine Kinos.

(UPDATE: "Details des Förderprogramms werden in einem nächsten Schritt inengem Kontakt mit den Branchenverbänden und Fachleuten erarbeitet. Das Geld soll die Kinos in den ersten Monaten nach der Wiedereröffnung bis Ende 2020 unterstützen, in denen sie wegen der geplanten Corona-Hygienemaßnahmen voraussichtlich nur einen Teil ihres früheren Umsatzes erzielen können", heißt es dazu in einer zwischenzeitlich vom Digitalministerium versandten Pressemitteilung.)

Was in Bayern bislang noch fehlt, ist indes eine zeitliche Perspektive für die Wiedereröffnung - und ein genauer Termin wurde auch heute nicht genannt. Stattdessen dürfte Gerlach als erste Landesministerin überhaupt öffentlich erklärt haben, dass sie ein "abgestimmtes Vorgehen" der Bundesländer für "absolut sinnvoll" halte. "Wir brauchen einheitliche Starts. Kinos brauchen attraktive Filme. Die Filme starten aber nur, wenn sie bundesweit gezeigt werden können", so Gerlach, die auch darauf verwies, dass viele Kinobetreiber nicht "auf eine sofortige Öffnung" drängen würden. Tatsächlich hatte sich der HDF jüngst für den 4. Juni stark gemacht, die AG Kino-Gilde empfahl ihren Mitgliedern heute sogar einen Neustart erst am 2. Juli.

Unklar ist indes, wie ein bundesweit einheitliches Vorgehen in einer Situation realisiert werden soll, in der diverse Länder bereits Termine (vorwiegend Mitte/Ende Mai) gesetzt haben und allererste Kinos in Hessen sogar schon wieder spielen bzw. in anderen Bundesländern die Absicht zur Wiedereröffnung bekundet haben.

Auszugehen ist jedenfalls davon, dass Bayern nicht noch kurzfristig (ganz unabhängig von der Abstimmung mit den anderen Ländern) einen Kino-Eröffnungstermin vor dem 29. Mai beschließen wird. Denn bis zu diesem Tag wurden bei der Kabinettssitzung am 12. Mai jene Maßnahmen verlängert, die zwar unter anderem die Wiedereröffnung von Innengastronomie ab 25. Mai, aber eben keine Genehmigung eines Kino-Spielbetriebs vorsehen.

UPDATE:

Für die ebenfalls schwer betroffene Filmproduktion stellt die Staatsregierung laut der PM des Digitalministeriums weitere zwei Mio. Euro in Aussicht für die derzeit diskutierte Aufstockung des Bund-Länder-Coronahilfsfonds zur Filmförderung. Mit diesem Fonds sollen bei bereits angelaufenen Filmproduktionen Corona-bedingte Drehausfälle und Mehrkosten finanziert werden. Voraussetzung für eine Aufstockung der bayerischen Beteiligung sei allerdings, dass auch die anderen Partner in Bund und Ländern mitzögen.

Außerdem will Bayern mit einer Beteiligung von bis zu fünf Mio. Euro an einem "derzeit intensiv diskutierten" deutschlandweiten Corona-Ausfallfonds "ein deutliches Zeichen setzen". Damit sollen mögliche Corona-bedingte Ausfallrisiken bei künftigen Filmproduktionen abgesichert werden. Diese seien wegen der Pandemie derzeit nicht vernünftig versicherbar.