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Alexander Adolph: "Gewissheit, dass keine Gewissheit existiert"

Die Corona-Pandemie wird ein Überdenken der Inhalte mit sich bringen. Davon ist Drehbuchautor und Regisseur Alexander Adolph überzeugt. Am 23. Mai ist Adolph mit einer neuen Folge der "Schwartz & Schwartz"-Krimis im ZDF vertreten.

14.05.2020 10:44 • von Barbara Schuster
Alexander Adolph hat mit Eva Wehrum die Krimireihe "Schwartz & Schwartz" geschaffen (Bild: Privat)

Die Corona-Pandemie wird ein Überdenken der Inhalte mit sich bringen. Davon ist Drehbuchautor und Regisseur Alexander Adolph überzeugt. Am 23. Mai ist Adolph mit einer neuen Folge der "Schwartz & Schwartz"-Krimis im ZDF vertreten.

Die Kino- und Filmbranche ist durch die Corona-Krise in eine Art luftleeren Raum geraten. Wurden Sie unmittelbar betroffen im Hinblick auf in Arbeit befindliche Stoffe?

Alexander Adolph: Wie fast alle meiner Kolleg*innen stehe ich immer wieder vor der Frage, wie es weitergeht: Ob und wie man in der kommenden Zeit planen, vorbereiten, Motivbesichtigen durchführen, inszenieren kann. Mit der einzigen Gewissheit, dass darüber, wann eine Normalität eintreten wird, keine Gewissheit existiert.

Sind Kreative wie Regisseur*innen oder Drehbuchautor*innen genug abgesichert in dieser Zeit? Wo sehen Sie Mängel?

Alexander Adolph: Künstlerischen Berufen ist eine gewisse Unberechenbarkeit zu eigen. Als Teil einer Branche, die jetzt besonders wichtig ist, weil die Menschen sich nach Geschichten, Unterhaltung, Kultur sehnen, wäre es gut, sich ähnlich geschützt zu fühlen wie ein Möbelhaus oder Autohersteller.

Was ist besonders fatal?

Alexander Adolph: Dass Corona versicherungstechnisch eine Force Majeur ist und die Filmbranche existenziell bedroht.

Wie ist der Austausch allgemein unter Kolleg*innen?

Alexander Adolph: Wir sitzen im selben Boot, doch wir sehen uns aus zu großem Abstand.

Sie arbeiten vornehmlich für erfolgreiche Fernseh-Formate wie "Tatort". Haben demnächst den dritten Film ihrer mit Eva Wehrum erschaffenen Krimi-Reihe Schwartz & Schwarz auf Sendung beim ZDF. Meinen Sie, die Corona-Krise zieht auch ein Überdenken der Inhalte nach sich?

Alexander Adolph: Die Inhalte werden sich in Zukunft von selbst ändern, weil sich unsere Gesellschaft innerhalb weniger Wochen verändert hat. Der Horrorschriftsteller Lovecraft hat ja gesagt: »Die älteste und stärkste Emotion des Menschen ist Angst, und die älteste und stärkste Angst ist die Angst vor dem Unbekannten.« Unsere Filme werden - da bin ich mir ganz sicher - ab jetzt andere Geschichten erzählen, die sich - auch unbewusst - mit dieser Angst auseinandersetzen. Und dann kann man natürlich noch überlegen, welche Inhalte den geänderten Drehbedingungen entgegenkommen.

Gibt es diesbezüglich eventuell bereits Gespräche mit den Sendern? Den Produzenten?

Alexander Adolph: Ja, wir gehen derzeit auf Produzenten und Redakteure zu. Um Filme entstehen zu lassen, die unter den jetzigen Drehbedingungen möglich sind, aber nicht wie Kompromisse aussehen.

Im Kinofilmbereich haben Sie zuletzt das Drehbuch von "Timm Thaler oder das verkaufte Lachen" geschrieben. Darf man neue Kinoarbeiten von Ihnen erwarten?

Alexander Adolph: Ja. Und ich hoffe, dass es schon bald etwas zu sehen gibt. Vorher würde ich mich allerdings freuen, selbst wieder als Zuschauer im Kino zu sitzen, weil ich das Kino so vermisse.

Das Gespräch führte Barbara Schuster