Kino

Hessen unterstützt kulturellen Neustart

Rund 50 Mio. Euro stellt Hessen für ein neues Maßnahmenpaket unter der Überschrift "Hessen kulturell neu eröffnen" zur Verfügung, das Künstler*innen, Festivals und Kultureinrichtungen - darunter Kinos - helfen soll, die Corona-bedingten Einschränkungen zu überstehen und den Neubeginn zu meistern.

11.05.2020 12:32 • von Marc Mensch
Hessens Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn (Bild: HMWK)

"Spielstätten und Veranstalter mussten früh den Betrieb einstellen und werden erst spät wieder voll durchstarten können." Mit diesen Worten bringt die Kunst- und Kulturministerin jenes Landes ein zentrales Problem auf den Punkt, das seinen kulturellen Betrieben als erstes (wenn auch unter zunächst unklaren Bedingungen) den Spielbetrieb bereits wieder ermöglicht hat. Angela Dorn weiter: "Deshalb haben wir ein umfassendes Unterstützungspaket geschnürt, ein deutliches Bekenntnis zum Wert von Kunst und Kultur gerade in schwierigen Zeiten: Wir helfen Kunstschaffenden, die Zeit der Einschränkungen zu überstehen, und nehmen die Phase in den Blick, wenn Hessens Kultur schrittweise neu eröffnet."

Laut Dorn habe man sich bereits mit den wirtschaftlichen Soforthilfen für Solo-Selbstständige und kleine Unternehmen sowie mit dem Vereinsprogramm "sehr bemüht", Härten für die Kultur abzufedern. "Leider", so Dorn, "hat die Große Koalition in Berlin einen Ausgleich für Lebenshaltungskosten von Soloselbstständigen in den Soforthilfen nicht zugelassen. Mir ist bewusst, dass es hier eine Lücke gibt. Wir haben unsere Arbeitsstipendien nun bewusst so gestaltet, dass sie unabhängig von Betriebsausgaben sind und auch nicht auf die Grundsicherung angerechnet werden."

Das unter die Überschrift "Hessen kulturell neu eröffnen" gestellte Maßnahmenpaket gliedert sich in mehrere Phasen, von denen die erste Phase "sofort helfen" überschrieben ist. In diesem Rahmen will Hessen zusätzlich zu bekannten Soforthilfen die Probleme der Kulturfestivals adressieren. Soweit Großveranstaltungen durch die zwangsweise Absage (oder Verlagerung in den digitalen Raum) in Liquiditätsschwierigkeiten geraten, erhalten sie finanzielle Unterstützung, auch zusätzlich zu einer gegebenenfalls bereits vorhandenen Landesförderung. Die maximale Höhe richtet sich nach der Zahl der verkauften Eintrittskarten im Schnitt der vergangenen drei Jahre: 2,50 Euro pro Ticket bei öffentlich getragenen Festivals, fünf Euro pro Ticket bei von gemeinnützigen Vereinen oder privaten Institutionen getragenen Veranstaltungen, insgesamt maximal 500.000 Euro je Veranstaltung. Anträge können ab dem 1. Juni und bis zum 30. November beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gestellt werden.

Die zweite Phase nenne sich "Übergang meistern". In diesem Rahmen unterstützt man Künstler*innen mit Arbeitsstipendien von je 2000 Euro. Die Hilfe steht allen in Hessen lebenden und in der Künstlersozialkasse versicherten Kulturschaffenden offen; vergeben werden die Stipendien durch die Hessische Kulturstiftung. Die Künstlerinnen und Künstler erhalten die Möglichkeit, besondere Ergebnisse in einem digitalen Schaufenster zu präsentieren - eine zusätzliche Möglichkeit, ihre Werke trotz Pandemie einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Das Stipendium kann mittels eines einfachen Antrags mit einer kurzen Projektskizze ab 1. Juni bei der Kulturstiftung beantragt werden; es wird nicht als Einkommen auf etwaige Grundsicherungsleistungen angerechnet.

"Innovativ neu eröffnen" ist das Motto der dritten Phase. Hierzu heißt es aus dem Büro von Ministerin Angela Dorn: "Die Neueröffnung stellt Kultureinrichtungen und Spielstätten sowie Künstlerinnen und Künstler vor große Herausforderungen. Besonders anfangs wird es noch Einschränkungen bei den Besucherzahlen sowie Abstandsregeln und andere Auflagen geben müssen. Ungewohnte Veranstaltungsformen, kreative bauliche Veränderungen oder neue Formen der Publikumsansprache sind die nötige Antwort."

In diesem Sinne soll ein Fonds für Kultureinrichtungen und Spielstätten mit regelmäßigem Veranstaltungsbetrieb den Übergang in die vollständige Neueröffnung erleichtern. Kinos, Konzertsäle und Musik-Locations, soziokulturelle Zentren, freie Bühnen, Literaturhäuser und andere kulturelle Spielstätten können etwa für die Entwicklung neuer Formate, bauliche Anpassungen oder auch die Öffentlichkeitsarbeit Unterstützung mit einem Pauschalbetrag von je 18.000 Euro erhalten. Insgesamt werden 500 Fonds-Pakete werden vergeben. Eine Kombination mit anderen Hilfen, etwa den angekündigten Programmen des Bundes, soll möglich sein. Hessen wird sich auf Bundesebene für eine entsprechend flexible Ausgestaltung der dortigen Maßnahmen einsetzen. Voraussichtlich ab 1. August werden Anträge beim Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst möglich sein.

Ebenfalls als Teil der sogenannten "dritten Phase" wird es in Hessen Projektstipendien für freie Gruppen und Einzelkünstler*innen geben. So seien in der Zeit der Pandemie viele neuartige Ansätze für Kulturveranstaltungen und künstlerische Formate für Vermittlung und Pädagogik und die technische Präsentation entstanden. Das Stipendium ermögliche die Realisierung, Dokumentation und Publikation dieser Ansätze. Es stehen Mittel für 250 Gruppen in Höhe von je 18.000 Euro sowie für 1.000 Künstlerinnen und Künstler in Höhe von je 5.000 Euro bereit. Er wird über die Hessische Kulturstiftung abgewickelt. Künstler*innen, die in der zweiten Phase ein Arbeitsstipendium erhalten haben, können laut Dorn mit ihren dort erarbeiteten Konzepten im Rahmen der dritten Phase Mittel für die Realisierung beantragen.