Kino

"Gute Vorbereitung wichtiger als überstürzte Öffnung"

Seit gestern ist klar: Die Wiedereröffnung der Kinos in Deutschland gerät zum bundesweiten Flickenteppich. Während Länder wie Berlin oder Baden-Württemberg Kinos noch keine zeitliche Perspektive bieten, ist vor allem Hessen vorangeprescht. Doch die Möglichkeit, schon morgen wieder Vorstellungen anzubieten, wird eine weitgehend theoretische bleiben, wie unter anderem der Kinopolis-Chef ausführt. Entscheidende Fragen stellen sich unterdessen in allen Ländern.

08.05.2020 11:40 • von Marc Mensch
Kinopolis-Geschäftsführer Gregory Theile (Bild: Kinopolis)

Eigentlich sind es grundsätzlich sehr positive Botschaften: Erste Bundesländer haben konkrete Termine für die Wiedereröffnung der Kinos genannt - und zwar teils überraschend frühzeitige. Aktuell steht der 30. Mai für Nordrhein-Westfalen, der 18. Mai ist es für Sachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Den Vogel schoss indes Hessen ab, wo Kinos theoretisch ab morgen (!) wieder Vorstellungen anbieten können.

Allerdings machte die Pressekonferenz von Ministerpräsident Volker Bouffier und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir deutlich, dass das Land zwar einen enorm frühen Termin in den Raum stellt - aber längst noch keine vernünftigen Voraussetzungen geschaffen wurden. Da durfte es schon verwundern, wenn Al-Wazir davon sprach, Konzepte "nächste Woche" besprechen zu wollen, geradezu sauer stießen dann aber die flapsigen Bemerkungen auf, mit denen Rahmenbedingungen adressiert wurden. Denn was soll eine Kinoeröffnung bringen, wenn - so wurden Al-Wazirs Ausführungen zum Betreten und Verlassen der Sitzreihen in den Medien mitunter (wenn auch vermutlich etwas zu streng) interpretiert - pro Reihe nur ein bis zwei Gäste zulässig sind?

Ohnehin ist seit gestern klar, dass ein bundesweit halbwegs einheitliches Vorgehen bei Kinoeröffnungen Wunschdenken bleiben wird, auch wenn der HDF eine diesbezügliche Forderung noch am Donnerstag gegenüber den Länderspitzen erneuert hatte. Denn wo Hessen auf das kommende Wochenende setzt, bieten Bundesländer wie Baden-Württemberg (trotz vorheriger Abstimmung mit NRW auf Basis eines Drei-Stufen-Plans) oder Berlin noch keine Perspektive. Hamburg und Rheinland-Pfalz wiederum haben für kommende Woche neue Informationen in Aussicht gestellt. Und in Thüringen sollen Landkreise und kreisfreie Städte entscheiden, auch hier zeichnen sich Genehmigungen ab Mitte Mai ab.

Doch auch dort, wo die Perspektive zeitlich bereits abgesteckt ist, stellen sich (abseits des zentralen Themas des Contents) erhebliche Fragen. Wie steht es zum Beispiel um notwendige Genehmigungsverfahren, wie wird eine Registrierungspflicht umgesetzt? Und vor allem: Wie sind die teils durchaus unterschiedlichen Grenzen für Veranstaltungen zu verstehen? Gelten sie z.B. pro Spielstätte oder Saal?

Um an dieser Stelle noch einmal kurz auf Hessen zu blicken: Dass dort der Schalter morgen selbstverständlich nicht einfach umgelegt wird, macht beispielhaft ein Statement von Kinopolis-Geschäftsführer Gregory Theile klar. Er erklärt, dass die Informationen der Landesregierung zum jetzigen Zeitpunkt "offen gestanden mehr Fragen aufwerfen, als sie Antworten geben". Gegenüber Blickpunkt: Film erklärte Theile:

"Wir haben zwar schon konzeptionell vorgearbeitet, dennoch müssen wir jetzt zunächst mit den Behörden klären, wie die vorgegebenen Regelungen in den verschiedenen Bereich umgesetzt werden können bzw. müssen. Leider sind all unsere Bitten um einen bundesweit gleichzeitigen Start der Kinos mit ausreichendem zeitlichen Vorlauf nicht berücksichtigt worden. Für uns steht aber bereits jetzt fest, dass wir unter keinen Umständen bereits am kommenden Wochenende eröffnen können. Eine gut vorbereitete Eröffnung, bei der wir sicher sein können, dass wir die Vorgaben einhalten, ist für uns wichtiger, als so schnell wie möglich und damit überstürzt die Türen wieder zu öffnen. Ob der Betrieb dann noch wirtschaftlich sein wird, lässt sich aktuell noch nicht abschließend beurteilen, ich gehe momentan aber nicht davon aus, da wir vermutlich nicht mehr als 20 Prozent unserer Kapazität werden nutzen dürfen und wir trotz der geringeren Auslastung einen deutlich höheren Personalaufwand haben werden."

Bedenken, wie sie sich seit Mittwoch in den sozialen Medien häufen. Denn eine Wiedereröffnung macht selbstverständlich keinen Sinn, wenn sie unter Rahmenbedingungen geschehen muss, die gegenüber einer kompletten Schließung keinen wirtschaftlichen Vorteil böten. Insofern dürfte die Branche momentan mit der größten Spannung vielleicht nicht auf das nächste Datum warten, sondern auf die ersten Vorstellungen, die tatsächlich unter wirtschaftlichen und adaptierbaren Bedingungen umgesetzt werden.

Klar ist jedenfalls, dass sich mit Eröffnungsdaten - und seien sie noch so früh - die Notwendigkeit der Unterstützung der Branche längst nicht erledigt hat, ganz im Gegenteil. Auch diese Botschaft gilt es noch einmal klar zu verbreiten, wenn es beispielsweise um die Aufstellung eines Kulturinfrastrukturfonds geht.