Kino

Corona und die Branche: Christine Hartmann, Regisseurin

Wie schlagen Sie sich während der Corona-Krise? Blickpunkt:Film hört sich um und befragt Mitglieder der Kino- und Filmbranche, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert werden. Hier berichtet Regisseurin Christine Hartmann.

08.05.2020 07:36 • von Barbara Schuster
Christine Hartmann sitzt gerade im Schnitt von "Charité III" (Bild: imago images / Future Image)

Wie schlagen Sie sich während der Corona-Krise? Blickpunkt:Film hört sich um und befragt Mitglieder der Kino- und Filmbranche, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert werden. Hier berichtet Regisseurin Christine Hartmann, die gerade für UFA die dritte Staffel der Erfolgsserie "Charité" inszeniert hat und derzeit im Schnitt ist.

Wie behaupten Sie sich in der Corona-Krise?

Die Corona-Krise ist sicher die schwerste Herausforderung, mit der unsere Branche je konfrontiert wurde. Ich denke da vor allem an all die Gewerke, die kleineren Produzenten, Kinobetreiber und Schauspieler, die momentan in vollkommener Unsicherheit leben und nicht wissen, wie es weitergeht. Selbst wenn die Beschränkungen wieder aufgehoben werden, sind der Branche nachhaltige Schäden entstanden, die nicht so leicht wieder aufgeholt werden können. Ganz abgesehen von der Frage, wann die Leute wieder ohne Bedenken ins Kino gehen werden. Ich selbst hatte großes Glück, da mein aktuelles Projekt fast zeitgleich mit dem Einsetzen der Krise abgedreht war. Momentan befinde ich mich im Schnitt, eigentlich ein Prozess, den ich gerne mag, der sich aber durch Corona bedingte Dezentralisierung wesentlich zeitaufwendiger gestaltet, als ich das gewohnt bin. Abgesehen davon widme ich mich den Freuden des Homeschoolings und versuche selbst dieser Zeit etwas positives abzugewinnen. Ich habe schon das Gefühl, dass durch die Limitation der gewohnten Möglichkeiten alles etwas ruhiger und konzentrierter geworden ist. Ich versuche das bewusst zu erleben und auch zu geniessen, soweit möglich.

Mit welchen Schwierigkeiten haben Sie zu kämpfen?

Da ich momentan nicht mit meinen Cuttern im selben Raum sitzen kann, ist die Arbeit sicherlich anstrengender als sonst, aber ich bin dankbar dafür, in diesen Zeiten überhaupt arbeiten zu können. Wie bei allen anderen auch, ist die Unsicherheit sicherlich das größte Problem. Man kann schwer planen. Dabei ist es wenig tröstlich, dass es fast allen in unserer Branche und vielen anderen Branchen genauso geht. Trotzdem versuche ich die Zeit zu nutzen, über neue Stoffe nachzudenken, aber auch darüber, inwiefern sich unsere Branche post Corona verändern wird, denn das wird sie. Ich möchte vorbereitet sein und es ist wichtig für mich, auch in dieser Phase der Unsicherheit produktiv zu sein.

Wann, hoffen Sie, wird das Geschäft normal weiterlaufen können?

Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Jahr wieder gedreht wird, auch wenn ich das sehr hoffe. Das hat mehr mit Versicherungstechnischen Aspekten zu tun als mit tatsächlich medizinischen Gründen, könnte ich mir vorstellen, aber heute kann das niemand wirklich vorhersagen. Wir wissen einfach zu wenig über das Virus, als dass irgendjemand verlässlich einschätzen könnte, wann ein Impfstoff verfügbar sein wird, wie es sich mit der Immunität verhält oder wie groß die Gefahr einer zweiten Welle nach dem Sommer sein könnte. Aber auch danach wird es erstmal kein back-to-normal geben. Das Problem wird nicht nur auf der Angebotsseite liegen, sondern auch auf der Nachfrageseite. Die Bedürfnisse und Gewohnheiten der Zuschauer werden sich geändert haben. Für welchen Film "muss" ich ins Kino? Welchen Film sehe ich mir lieber über eine Streamingpblattform an? Wir werden Drehabläufe hinterfragen oder etwa die Größe eines Teams am Set. Das kann aber auch eine Chance sein, routinierte, ausgetretene Pfade zu verlassen und nach neuen Wegen zu suchen. Jede Krise birgt auch neue Chancen.