Kino

Corona und die Branche: Susanna Bonaséwicz, Sychronsprecherin

Wie schlagen Sie sich während der Corona-Krise? Blickpunkt:Film hört sich um und befragt Mitglieder der Kino- und Filmbranche, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert werden. Hier berichtet Synchronsprecherin Susanna Bonaséwicz, die u.a. die deutsche Stimme von Isabelle Huppert ist.

06.05.2020 07:41 • von Barbara Schuster
Hex, hex: Susanna Bonasewicz (Bild: Russ-Art)

Wie schlagen Sie sich während der Corona-Krise? Blickpunkt:Film hört sich um und befragt Mitglieder der Kino- und Filmbranche, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert werden. Hier berichtet Synchronsprecherin Susanna Bonaséwicz, die u.a. die deutsche Stimme von Isabelle Huppert,Isabella Rossellini und Sissy Spacek ist und in den "Star Wars"-Filmen Leia Organa alias Carry Fisher synchronisierte. Bekannt ist sie zudem für ihre Rolle der Hörspielfigur Bibi Blocksberg.

Wie behaupten Sie sich in der Corona- Krise?

Um freie und festangestellte Mitarbeiter optimal zu schützen, hatten sich einige Synchronfirmen entschlossen, für circa vier Wochen den Studiobetrieb einzustellen und Hygienemaßnahmen durchzuführen. Ich war auch davon betroffen und habe die plötzlich erlangte Freizeit mit Tätigkeiten gefüllt, die ich gefühlt seit Jahren vor mir hergeschoben hatte. Außerdem habe ich im Zuge meiner Tätigkeit als Beirat im Synchronverband-Die Gilde mitgeholfen, unsere Mitglieder über gesundheitliche und finanzielle Dinge aufzuklären und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Seit dem 20. April laufen die Aufnahmen wieder und wenn wir alle die Hygienebestimmungen beachten, können wir hoffentlich dazu beitragen, dass es in unserer Branche keinen zweiten Shutdown geben muss.

Mit welchen Schwierigkeiten haben Sie zu kämpfen?

Am schwersten fällt mir, dass ich meine 96-jährige Mutter nicht so oft besuchen kann wie ich gern möchte. Und wenn ich sie besuchen gehe, muss ich mich vermummen und darf sie nicht in den Arm nehmen. Außerdem fehlt mir der Sport, das Singen im Chor und das Zusammensein mit Freunden. Was das Berufliche betrifft, so bin ich ziemlich enttäuscht darüber, dass die Solidarität unter den Synchronfirmen leider nicht sehr groß ist. Einige sind wirklich bemüht, ihre Ateliers und Räume so einzurichten, dass es möglichst keine Ansteckungsgefahr gibt und anderen scheint dies völlig egal zu sein, solange sie nur Geld verdienen und sich eventuell aus der Krise sogar einen Wettbewerbsvorteil verschaffen können.

Wann, hoffen Sie, wird das Geschäft normal weitergehen können?

Ich fürchte, bis wir wieder mit mehreren Schauspielern in einem Atelier vor einem Mikro agieren können, wird es noch recht lange dauern. Aber das X-en - eine Rolle wird allein ohne Partner aufgenommen - hat sich bei uns ja schon so etabliert, dass wir auch mit den Ensembletagen - hier sind mehrere Schauspieler gleichzeitig im Studio - irgendwie klarkommen werden. Wichtig ist für uns alle, dass der Betrieb weiter geht und keine Mitarbeiter aus welchem Gewerk auch immer, auf der Strecke bleiben.