Kino

Corona und die Branche: Simone Bachofner & Marietta Beielstein, PR-Agentinnen

Wie schlagen Sie sich während der Corona-Krise? Blickpunkt:Film hört sich um und befragt Mitglieder der Kino- und Filmbranche, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert werden. Hier berichten PR-Agentinnen Simone Bachofner und Marietta Beielstein von AIM.

01.05.2020 13:10 • von Barbara Schuster
Simone Bachofner und Marietta Beielstein (Bild: Jens Koch)

Wie schlagen Sie sich während der Corona-Krise? Blickpunkt:Film hört sich um und befragt Mitglieder der Kino- und Filmbranche, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert werden. Hier berichten PR-Agentinnen Simone Bachofner und Marietta Beielstein von AIM - CREATIVE STRATEGIES & VISIONS.

Wie behaupten Sie sich in der Corona-Krise?

Wir arbeiten seit Mitte März teilweise im Homeoffice sowie in unserem Kern-Team rund um die Geschäftsführung auch weiterhin in der Agentur und können so unsere aktuellen Projekte wie gewohnt sehr gut betreuen. Wichtig für uns in der momentanen Situation ist es, in enger Absprache mit unseren Auftraggebern zu bleiben. Für kommende Kinostarts leisten wir bereits vorbereitende PR-Arbeiten, wie u.a. Konzeptionierung, und planen Pre-Awareness-Kampagnen. Parallel dazu arbeiten wir an unseren Projekten im TV- sowie Streaming- und HE-Bereich. Durch Drehverschiebungen oder eingeschränkte Möglichkeiten für Talkshow-Auftritte, stehen wir hier zwar auch vor Herausforderungen, dennoch sind diese Projekte nicht ganz so unmittelbar von der aktuellen Krise betroffen wie das Kinogeschäft. Gerade im Online- und Social-Media-Bereich bieten sich hier viele neue Möglichkeiten, wie z.B. Talks per Video-Hangout.

Wir beobachten die Branchen-Entwicklung gerade sehr aufmerksam und sehen mit Begeisterung, welche kreativen Ansätze es gibt, das Thema Kino auch in der jetzigen Phase lebendig zu halten - die Renaissance der Autokinos, VoD-Angebote, welche gleichzeitig die Programmkinos unterstützen etc. Denn eines ist sicher: Das Kino kommt zurück! Zusammen mit Verleihern und Kinobetreibern wollen wir dafür sorgen, dies allen Leuten zu vermitteln, die sich darauf freuen, endlich wieder das zu erleben, was Kino so einzigartig macht: Gemeinschaftlich Filme auf großer Leinwand zu sehen.

Mit welchen Schwierigkeiten haben Sie zu kämpfen?

Natürlich ist durch die Verschiebung sämtlicher unserer Kinostarts, die mit "Keine Zeit zu Sterben" im März ihren Anfang nahm, das Auftragsvolumen stark eingebrochen. Daher war die finanzielle Unterstützung durch den Bund und das Land Berlin, die schnell und unbürokratisch vielen Selbstständigen und kleinen Unternehmen wie dem unserem unter die Arme gegriffen hat, sehr hilfreich. Dadurch, dass sich der Informationsstand im Hinblick auf eine Wiederaufnahme des Kinobetriebs quasi täglich ändert, und Filme nicht nur innerhalb dieses Jahres, sondern teilweise sogar ins nächste Jahr geschoben wurden, gibt es für die kommenden Monate sehr wenig Planungssicherheit. Und sicherlich merken wir als spezialisierte PR-Agentur im Entertainment-Bereich auch die Auswirkungen der Krise auf die Medienlandschaft, die unter den finanziellen Einbußen leidet, weshalb z.B. Seiten für eine potentielle Berichterstattung eingekürzt werden. Umso wichtiger ist es nun für uns alle, die Energien nach dem ersten Schock zu bündeln, und mit Kreativität und Leidenschaft die Chancen auszuloten, die in jeder Krise stecken: Wie erreichen wir Filmfans über die unterschiedlichsten Medien und sozialen Netzwerke und können die Begeisterung für Kino durch spannenden Content über die nächsten Wochen hinweg stimulieren. Welche Geschichten wollen wir erzählen, um die Vorfreude auf Filme zu schüren, die in hoffentlich naher Zukunft wieder im Kino zu sehen sein werden.

Wann, hoffen Sie, wird das Geschäft normal weitergehen können?

In unserer Wunschvorstellung öffnen die Kinos ab Juni/Juli wieder. Vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entscheidungen hoffen wir, dass dieses Timing auch realistisch ist. Dass sich das Publikum auf "die Zeit danach" freut, zeigt auch die große Solidarität, die Kinos momentan erleben, u.a. durch den Erwerb von Gutscheinen oder durch Spenden. Der Deutsche Filmpreis, der Ende April verliehen wird, befeuert die Aufmerksamkeit für außergewöhnliche deutsche Filme wie "Berlin Alexanderplatz", den wir aktuell betreuen und dessen Start möglichst zeitnah geplant ist. Internationale Blockbuster-Produktionen, die vom weltweiten Markt abhängig sind, werden überwiegend erst wieder ab Herbst terminiert. Wir sind guter Dinge, dass das Publikum bereit sein wird, nach Aufhebung der Beschränkungen wieder ins Kino zu gehen. Persönlich freuen wir uns besonders auf die Open-Air-Saison als eines der Highlights des Sommerkino-Erlebnisses 2020.