Kino

Corona und die Branche: Anja Dihrberg, Casting Director

Wie schlagen Sie sich während der Corona-Krise? Blickpunkt:Film hört sich um und befragt Mitglieder der Kino- und Filmbranche, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert werden. Hier berichtet Casting Director Anja Dihrberg-Siebler.

30.04.2020 12:30 • von Barbara Schuster
Anja Dihrberg (Bild: Armin Rohde)

Wie schlagen Sie sich während der Corona-Krise? Blickpunkt:Film hört sich um und befragt Mitglieder der Kino- und Filmbranche, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert werden. Hier berichtet Casting Director Anja Dihrberg-Siebler.

Wie behaupten Sie sich in der Corona-Krise?

Nach dem ersten Schock habe ich zunächst alle Kosten soweit wie möglich heruntergefahren, das geht bedingt, wie wir alle wissen, und auch nur für eine begrenzte Zeit.

Mit welchen Schwierigkeiten haben Sie zu kämpfen?

Meine Arbeit kann ich bis zu einem gewissen Punkt von überall aus machen, Drehbücher lesen, recherchieren, Konzepte erarbeiten; Telefon-Konferenzen gehören schon lange zu meinem Alltag, so gesehen hat sich mein Leben nicht so massiv verändert. Homeoffice ist für mich keine so große Umstellung. Zum Glück habe ich auch Produktionen, die ohnehin für diesen Herbst oder auch 2021 projektiert sind, an denen ich weiterarbeite, so dass ich nicht in ein Loch gefallen bin. Bei meinen europäischen Kolleg*innen sieht das ganz anders und wesentlich dramatischer aus.

Dann habe ich mich mit denjenigen beschäftigt, die meiner Ansicht nach schwerer betroffen sind als ich selber - Schauspieler*innen. Sie haben kein wirkliches Homeoffice, ihnen fehlt das Miteinander, das Publikum - alles, was ihren Beruf ausmacht. So ist die Idee entstanden, für sie einen Raum zu schaffen, in dem sie auch in dieser Zeit sichtbar sind. Zusammen mit meinen Kolleginnen Simone Bär und Suse Marquardt haben wir mit David Zitzlsperger und seinem Team von castupload die Aktion #wirspielenzusammen ins Leben gerufen. Innerhalb dieser Datenbank (www.castupload.com) für Casting Director, Regisseur*innen und Schauspieler*innen etc., haben wir eine Plattform geschaffen, auf der alle Schauspieler*innen ein 30 Sekunden langes Video zu den Themen #machtmit, #machtmut oder #machtspass hochladen können - inzwischen sind mehr als 2000 Beiträge eingegangen.

Ein Feuerwerk an Kreativität ist entstanden, ein Miteinander, wie wir es uns gewünscht, aber in dieser Form und Fülle nicht erwartet hätten. Für uns ist es ein Fundus an Inspiration und auch einfach eine große Freude, neben viel zusätzlicher Arbeit. Viele der Beiträge kann man auf Instagram sehen (#wirspielenzusammen). Wir sind jetzt dabei, es auf Europa auszuweiten und Kolleg*innen aus dem International Casting Directors Network - kurz ICDN - einzuladen, diese Aktion auch in ihrem Land publik zu machen und auch das kommt sehr gut an.

Wann, hoffen Sie, wird das Geschäft normal weitergehen können?

Meine Sorge im Moment ist, dass wir viel von dem, was unser Leben und unser Land ausmacht, verlieren werden, wenn die Kultur - und damit meine ich den erweiterten Begriff, der sämtliche Künste und eben auch z. B. Esskultur beinhaltet - massiven Schaden erleidet, weil den Menschen, die all das aufgebaut haben und am Leben erhalten, die Kraft und das Geld ausgeht. Ich wünsche mir eine stärkere Stimme in der Politik und auch in der Gesellschaft für das, was meiner Meinung nach neben der lebenserhaltenden Bedürfnisbefriedigung lebensnotwendig ist. Ich hoffe und wünsche mir, dass wir viel von dem, was jetzt entstanden ist und entsteht an Solidarität, Offenheit, Miteinander, Behutsamkeit im Umgang, Aufmerksamkeit - in einem Wort Menschlichkeit - in die Zeit "danach" retten und unser Leben sich in dieser Hinsicht nachhaltig positiv verändert.