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Kino

"Universals Handeln ist völlig unangemessen"

Cineworld hat sich in die eskalierte Debatte um die künftige Auswertungsstrategie von Universal eingeschaltet - und wirft dem Studio Vertrauensbruch und Unsolidarität vor. Einen Boykott droht man anders als AMC zwar nicht an, macht aber doch klar, welche Filme man spielen wird. Und welche nicht.

29.04.2020 19:31 • von Marc Mensch
Cineworld zeigt sich massiv von den Geschäftspraktiken von Universal enttäuscht - geht aber nicht so weit wie AMC (Bild: Cineworld)

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Dass die Aussagen von Jeff Shell, dem CEO von NBC Universal, auch bei anderen Kinoketten als AMC zu erheblichen Irritationen führen würden, lag natürlich auf der Hand. Zumal die in einem Bericht des Wall Street Journal gezogenen Schlüsse zum Erfolg der PVoD-Auswertung von Trolls World Tour" ohne Berücksichtigung der Umstände und weiterer wirtschaftlicher Faktoren durchaus den Eindruck einer Milchmädchenrechnung machen. Dennoch muss man sich fragen, ob eine Eskalation in der Form, wie AMC sie betrieben hat, am Ende zielführend ist. Der US-Kinoverband NATO war AMC bei seinem Handeln jedenfalls zunächst nicht beigesprungen, im Gegenteil. Vielmehr ging man seinerseits auf Universal los: Wegen einer entsprechenden Behauptung in einem Statement, mit dem sich das Studio nicht unbedingt mit Ruhm bekleckerte. Cinemark soll sich zunächst bedeckt gehalten haben und bei Cineworld soll man laut einem Bericht des US-Branchenmagazins Deadline sogar irritiert über das Vorgehen von AMC gewesen sein.

Nicht dass Cineworld als Eigentümer von Regal (und damit unter anderem zweitgrößter Player im US-Kinomarkt) die von Shell angekündigte - und vom Studio in seinem Schreiben bekräftigte - Ankündigung hinsichtlich einer Änderung der Auswertungsstrategie einfach hinnehmen würde. Aber anstatt den kompletten Boykott aller Universal-Titel anzukündigen, wählte man einen anderen Weg. Und verwies hauptsächlich auf ein bereits vom 19. März datierendes Schreiben von CEO Mooky Greidinger, in dem dieser sich an den Comcast-Vorstand Brian Roberts im Zuge der Ankündigung, "Trolls World Tour" Day&Date digital zu veröffentlichen, gewandt hatte. Greidinger beklagte darin nicht zuletzt, dass Universal - anders als die anderen Studios - kein Bekenntnis zum Bestand des Kinofensters nach dem Ende der Krise abgegeben habe. In diesem Zusammenhang unterstrich Greidinger die bestehende Geschäftspraxis, wonach man Filme dann zeige, wenn für sie das Kinofenster eingehalten würde - und andere eben nicht.

Was zunächst ähnlich wie die Ankündigung von AMC klingen mag, aber einen massiven Unterschied macht. Denn obwohl sich Universal bislang keinerlei Mühe gab, den Worten von Shell Klarheit zu verleihen, ist momentan noch nicht davon auszugehen, dass das Studio echte Tentpoles wie Keine Zeit zu sterben" innerhalb des Kinofensters auf digitale Plattformen zieht.

Allerdings nahm Cineworld durchaus die Gelegenheit wahr, einmal mehr der tiefen Enttäuschung über das Geschäftsgebahren des Studios respektive des Eigentümers Comcast Ausdruck zu verleihen: "Universal hat sich völlig einseitig dazu entschieden, unser Abkommen zu brechen - und tut dies auf dem Höhepunkt der Covid-19-Krise, während unsere Betriebe geschlossen sind, mehr als 35.000 Angestellte zu Hause ausharren und wir noch keinen klaren Termin für eine Wiedereröffnung haben. Das Handeln von Universal ist völlig unangemessen und hat sicherlich nichts mit vertrauensvollen Geschäftsbeziehungen, Partnerschaft oder Transparenz gemein", heißt es nun.