Anzeige

Kino

Cineplex drängt auf Abwendung einer Kino-Insolvenzwelle

Um den Verlust "einer der wichtigsten Säulen kommunaler Kultur" abzuwenden, bedarf es laut Cineplex rascher Kinoeröffnungen und Förderungen. Geschäftsführer Kim Ludolf Koch verweist in diesem Zusammenhang nicht zuletzt darauf, dass eine Rettung des Kulturangebots Kino "vergleichsweise preiswert" sei.

29.04.2020 13:16 • von Michael Müller
Der Geschäftsführer von Cineplex Deutschland: Kim Ludolf Koch (Bild: Cineplex)

Anzeige

"Nur eine rasche Kinoeröffnung und Förderungen können eine weitreichende Insolvenzwelle mittelständischer Kinounternehmen vermeiden." Davon zeigt sich der Geschäftsführer von Cineplex Deutschland, Kim Ludolf Koch, in einem aktuellen Appell überzeugt. Koch verweist in diesem Zusammenhang nicht nur auf die lang andauernde Schließung und die Folgewirkungen, die einen Besucherrückgang zwischen 35 und 50 Prozent zum Vorjahr erwarten ließen, sondern insbesondere die im Auftrag des HDF ermittelten finanziellen Folgen.

Unter dem Strich kämen 180 bis 260 Mio. Euro Verluste auf die rund 1700 Filmtheater in Deutschland zu. Alleine Cineplex Deutschland blicke demnach auf Verluste zwischen rund 30 und 40 Mio. Euro . und dies unter der Voraussetzung, dass "deutliche Mietsenkungen, Kurzarbeit und Sparmaßnahmen im Fixkostenbereich in Höhe von mehr als 30 Prozent realisiert werden können."

Unter dem Dach der Cineplex-Gruppe arbeiten 26 Familienunternehmen zusammen, die über 90 Kinos (Multiplexe, traditionelle Kinos und Programmkinos) in 70 Städten mit rund 540 Leinwänden und etwa 18 Millionen Besuchern im Jahr betreiben. Diese Kinos liegen laut Cineplex mit wenigen Ausnahmen in Klein- und Mittelstädten und stellen häufig das einzige kulturelle Angebot der Gemeinden dar.

Kim Ludolf Koch führt aus: "Während zu Beginn der Corona-Ausbreitung noch eine Wiedereröffnung nach Ostern erwartet wurde, dürften noch einige Wochen vergehen. Der Wiedereinstieg wird nicht ganz einfach, dennoch muss er zügig angegangen werden, idealerweise in allen Bundesländern und allen Kinotypen gleichzeitig. Die Kinobetreiber der Cineplex-Gruppe stehen zu ihrem Produkt Kino und zu ihren Besuchern und Kunden. Und daher auch zu ihrer Verantwortung dieses nur vertretbar und sicher anzubieten. Mit einem durchgängigen Schutz- und Hygienekonzept ist das möglich. Die Kinos sind durch Online-Buchung, Entzerrung von Spielzeiten, genügend Abstand zwischen den Kunden im Saal und Foyer in der Lage, Abstand zu gewährleisten und Warteschlangen zu vermeiden. Das Publikum schaut während der Vorstellung in eine Richtung und es gibt kaum Interaktion, so dass in entsprechend vorbereiteten Kinos mindestens ein vergleichbares Schutzniveau realisiert werden kann wie in der Gastronomie, ÖPNV, Gottesdiensten oder im Einzelhandel. Oder um es anders zu sagen: Innerhalb der Öffentlichkeit gibt es kaum einen sichereren Ort als das Kino."

Der Geschäftsführer von Cineplex Deutschland drückt seine Angst darüber aus, dass die Öffnung zu spät kommen könnte. "Die Phase der Wiedereröffnung müssen die Unternehmen auch erleben können. Seit Jahren weist der HDF auf die dünne Kapitaldecke der Kinos hin und fordert den mittlerweile auch von der Politik anerkannten Bedarf an Investitionshilfen. Die bislang angebotenen Hilfspakete auf Kreditbasis sind für Branchen, die verlorenen Umsatz nicht einmal im Ansatz aufholen können, unbrauchbar. Und die ohnehin nur wenigen Programmkinos zugänglichen Zuschüsse der meist föderalen Länderförderung sind ungeeignet, eine mehrmonatige Schließung mit hohen Fixkosten für Gebäude, Kapitaldienst und überwiegend dem Kurzarbeitergeld nicht zugänglichen Personal zu überstehen. Die Programmkinoförderung verkennt im Übrigen auch, dass auch Kinos ohne Programmprämien wertvolle Kulturarbeit leisten."

"Dabei ist die Rettung der Kinos vergleichweise preiswert", konstatiert Koch. "Mit weniger als 10 Prozent der jährlichen Gesamtförderung für Theater, Orchester und Opernhäuser (2,6 Milliarden Euro bei rund 35 Millionen Besuchern laut Nachricht des Deutschen Bühnenvereins) kann der Bestand an einer der wichtigsten Säulen kommunaler Kultur erhalten werden, den pro Jahr rund dreimal mehr Besucher als die Bühnen aufsuchen. Ohne diese Förderung, die auch schon von der SPIO als Zuschuss gefordert wurde, droht der für die Filmwirtschaft systemrelevanten Auswertungslokomotive Kino der Dampf auszugehen. Welche Folgen das für die Spielfilmproduktion und deren Verwertung, die ästhetische Qualität von Filmwerken bei alleiniger Auswertung im Home-Entertainment, aber vor allem für die urbane Lebensqualität hat, lässt sich kaum vorstellen. Am Ende siegen nicht nur der Online-Handel, sondern auch bei der Filmverbreitung die im Ausland sitzenden (und dort Steuern zahlenden) Corona-Gewinner Amazon, Netflix und Konsorten. Aus diesem Grund muss die Unterstützung der gesamten deutschen Kinolandschaft in Form eines Stabilitätsfonds von der Politik umgesetzt werden, will man eine Pleitewelle größeren Ausmaßes verhindern."