Kino

Warner stellt Verhältnis zur Kinoauswertung (erneut) klar

Man werde bei WarnerMedia das "derzeitige Modell der Kinoauswertung überdenken" hieß es jüngst seitens des neuen Eigentümers AT&T. Indes verlor die Warner-Spitze keine Zeit, diese Aussage zu relativieren.

24.04.2020 16:11 • von Marc Mensch
Für "Tenet" hält Warner weiterhin am Kinostart Mitte Juli fest - er könnte damit zum ersten großen Blockbuster in der Phase der Kino-Wiedereröffnungen werden (Bild: Warner)

Während sich in den USA bereits erste Perspektiven für die Wiedereröffnung von Kinos abzeichnen (an die man aber noch keine zu hohen Erwartungen haben sollte, wie die NATO klarstellte), brauten sich jüngst an anderer Stelle die sprichwörtlichen Gewitterwollen zusammen. Denn wie John Stankey, COO des neuen Warner-Eigentümers AT&T, unlängst bei einer Investorenkonferenz erklärte, werde man bei WarnerMedia das derzeitige Modell der Kinoauswertung überdenken.

Laut Stankey werde die Erfahrung in der Krise viele Dinge verändern, darunter nicht zuletzt das Konsumverhalten. Demzufolge werde man nach Wegen suchen, um jene Bemühungen zu beschleunigen, die im Einklang mit den sich rasch verändernden Gewohnheiten stünden. "Unser Fokus liegt nun darauf, die 'neue Normalität' zu definieren und in Schwung zu bringen - und das bei all unseren Unternehmungen."

Stankeys Worte dürften dabei nicht zuletzt im Kontext der Entscheidung zu sehen sein, den animierten Familienfilm "Scooby!" nicht mehr auf die Leinwand zu bringen, sondern ab 15. Mai direkt digital auszuwerten. Allerdings ist dies einmal mehr ein Film, den man nun nicht gerade als Tentpole bezeichnen würde. Bislang zeigen sich die Studios extrem restriktiv dabei, geplante Kinostarts nicht zu verschieben, sondern gänzlich abzusagen. Im Fall von "Trolls World Tour" wählte man den (bislang einmalig gebliebenen) Weg der parallelen Veröffentlichung im Kino (sprich: auch in Deutschland seit gestern im Autokino) und im Home Entertainment. Ansonsten waren die nennenswertesten Leinwand-Absagen jene von "Artemis Fowl" und "Die Turteltauben", der an Netflix ging.

Tatsächlich relativierte Stankey seine Worte schon kurze Zeit später gemeinsam mit Warner-Bros.-CEO Ann Sarnoff dahingehend, dass man sich dem Leinwanderlebnis natürlich auch weiterhin verpflichtet fühle. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass unsere Tentpole-Titel, darunter 'Tenet' und 'Wonder Woman 1984', genau für jene Art von Filmen stehen, die die Leute in besonderer Weise zur Rückkehr vor die Leinwände motivieren werden", so Sarnoff.

Tatsächlich hält man derzeit noch am Starttermin 17. Juli für "Tenet" fest, während "Wonder Woman 1984" bereits vor einiger Zeit in den August verschoben wurde - nicht ohne klares Bekenntnis zu dessen Leinwandauswertung seitens des Studios. In diesem Zuge hatte Warner auch die Verschiebung von "Scooby!", "Malignant" und "In the Heights" ohne Ankündigung neuer Starttermine bekannt gegeben - wobei letzterer mittlerweile für Sommer 2021 vorgesehen ist.

Grundsätzlich rechnen Experten damit, dass die Studios in den nächsten Wochen noch weitere Filme direkt auf die digitale Reise schicken könnten, insbesondere solche, die noch kein neues Startdatum verpasst bekamen.