Kino

Petition pro Autokino

Seit Beginn der Eindämmungsmaßnahmen gegen die Pandemie sind sie die einzige Bastion des Leinwanderlebnisses: Autokinos. Doch die Bundesländer gehen sehr unterschiedlich mit diesem Angebot um - und Bayern zählt in diesem Fall zu den unrühmlichen Beispielen. Eine Petition soll das nun ändern.

24.04.2020 13:49 • von Marc Mensch
Noch kein Befürworter von Autokinos in der Krisenzeit: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (Bild: Bayerische Staatskanzlei)

Dass man in diesen Tagen nicht immer von einem gänzlich einheitlichen Vorgehen in der Coronavirus-Krise sprechen kann, liegt auf der Hand - und ist bei aller Absprache zwischen Ländern und Bund natürlich im föderalistischen System begründet. Auch dass man sich in einer völlig neuen (Krisen-)Situation an so manche Maßnahme und deren sinnvolle Austarierung erst herantasten muss, darf nicht überraschen. Und doch gibt es den einen oder anderen Bereich, bei dem man sich mit einiger Berechtigung über unterschiedliche Vorgehensweisen mokieren darf - und die Behandlung der Autokinos zählt sicherlich dazu.

Seit Beginn der Eindämmungsmaßnahmen gegen die Pandemie stellen sie die einzige Form des des Leinwandvergnügens dar - mehr noch: im Prinzip sind sie die einzige kommerzielle Form gemeinschaftlicher Freizeitunterhaltung außerhalb der eigenen vier Wände. Vor allem aber sind sie eine sichere Aktivität - und nicht zuletzt erheblich sicherer als das, was sich an diesen frühsommerlichen Tagen (offenbar teils bar jeglicher Kontrolle) bereits wieder unter anderem in Parks und an Badeseen abspielte.

Leichtes Spiel mit den Behörden haben die Veranstaltungen indes nicht. In Nordrhein-Westfalen etwa entschieden Kommunen zu Beginn völlig unterschiedlich: Wo Ende März Autokinoveranstaltungen beispielsweise in Essen genehmigt waren, blickte man unter anderem in Köln in die Röhre. Mittlerweile sind solche Ungerechtigkeiten in diesem Bundesland Schnee von gestern. In Mecklenburg-Vorpommern wiederum spielte sich dieser Tage eine besondere Posse ab: Autokinoveranstaltungen (darunter teils bereits unmittelbar bevorstehenden und ausverkauften Terminen) wurde seitens des Gesundheitsministeriums ein Strich durch die Rechnung gemacht, als man sie völlig unvermittelt von einem Tag auf den anderen untersagte - unter pauschalem Verweis darauf, es handle sich um "Freizeitangebote", die eben nicht erlaubt seien. Immerhin: Das Ministerium ruderte zurück, nachdem Betreiber den Rechtsweg beschritten und sich auch Abgeordnete höchst verwundert über das Verbot gezeigt hatten.

Als flächenmäßig größtes Bundesland zeigt sich leider ausgerechnet Bayern derzeit noch nicht offen für eine Freizeitaktivität, die - bei Einhaltung der aktuell in sämtlichen Autokinos selbstverständlichen Maßnahmen - völlig kontaktlos abläuft und damit nach vernünftiger Einschätzung kein nennenswertes Risiko darstellen kann. Doch der Druck wächst. Diverse Veranstalter wenden sich bereits an Presse und Kommunen, um für potenzielle Autokino-Veranstaltungen zu werben, die dann beispielsweise neben Filmen auch Gottesdienste erfassen könnten. So plant die Agentur G.R.A.L. beispielsweise ein Event auf der Münchner Theresienwiese.

Das Liliom Kino Augsburg wiederum setzt auf öffentlichen Rückenwind, um Kommune und Freistaat die Genehmigung einer Autokinoveranstaltung näher zu bringen - und hat dazu eine Petition auf change.org gestartet.

Zur Petition

Wörtlich heißt es dort: "Bayern untersagt während der Coronakrise den Betrieb von Autokinos mit der Begründung, diese seien zu "Freizeiteinrichtungen" zu zählen und damit pauschal untersagt. Dieser Argumentation widersprechen wir aus mehrern Gründen. Erstens ist die Ansteckungsgefahr in einem Autokino um Einiges geringer, als bei allen anderen derzeit erlaubten Aktivitäten, da der Personenkontakt beinahe vollständig ausgeschlossen werden kann (Ticketkauf nur Online, Ticketkontrolle durch geschlossene Fensterscheibe, kein Concessionsverkauf usw.). Zweitens ist dies derzeit die einzige sichere Möglichkeit der Kultur und dem Kulturverlangen der Bevölkerung ein wenig Raum in dieser Krise zu bieten. Drittens können auf diese Weise wieder einige Arbeitsplätze und Unternehmen wirtschaftlich gesichert werden, die derzeit ums Überleben kämpfen. Wir bitten die bayerischen Behörden eindringlich ihr Vorgehen zu überdenken und rufen dazu auf nicht zu pauschalisieren, sondern die Hygienekonzepte im Einzelnen genauer zu überprüfen!"

In welchem Umfang derzeit auf Autokinos gesetzt wird, macht eine Zahl der Bundesnetzagentur deutlich: Dort habe man seit Anfang März bislang bereits mehr als 40 neue Anträge auf die Erteilung von Funkfrequenzen für die Tonübertragung in Autokinos positiv beschieden. Zum Vergleich: 2017 gab es laut der FFA bundesweit 20 Autokino-Leinwände.

Eine Information noch am Rande: Auch in Deutschland wird Trolls World Tour" wie angekündigt nach dem weltweiten Modell vertrieben, wonach der Film parallel in den Kinos und digital startete - in Deutschland seit gestern also auch in Autokinos zu sehen ist. Tatsächlich wird der Film nach Angaben von Betreibern für Autokinos ausschließlich als DCP zur Verfügung gestellt, eine Aufführung erfordert demnach eine DCI-konforme Projektion.