Kino

Corona und die Branche: Holger Pfaff, Kinobetreiber

Wie schlagen Sie sich während der Corona-Krise? Blickpunkt:Film hört sich um und befragt Mitglieder der Kino- und Filmbranche, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert werden. Hier berichtet Holger Pfaff, Geschäftsführer der Cinedom Kinobetriebe.

24.04.2020 13:34 • von Barbara Schuster
Holger Pfaff (Bild: Cinedom Kinobetriebe)

Wie schlagen Sie sich während der Corona-Krise? Blickpunkt:Film hört sich um und befragt Mitglieder der Kino- und Filmbranche, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert werden. Hier berichtet Holger Pfaff, Geschäftsführer der Cinedom Kinobetriebe.

Wie behaupten Sie sich in der Corona-Krise?

Wir nutzen die Zeit effektiv und putzen im wahrsten Sinne einmal durch. Wir erledigen proaktiv Wartungsarbeiten und setzen die Renovierung auch hinter den Kulissen fort. Schon vor der Krise waren wir dabei, die bestehenden Strukturen und Prozesse des Cinedom zu hinterfragen und für die Zukunft auszurichten. Das ist aktuell noch wichtiger als vorher. Wir überprüfen dazu unsere Organisation sowie die Verträge mit unseren bestehenden Partnern und Dienstleistern und arbeiten an einer Optimierung der Prozesse. Weiterhin entwickeln wir aktuell eine Produkt- und Marketingstrategie, die uns noch stärker differenziert, das Kunden- und Kinoerlebnis verbessert sowie den Bedürfnissen unserer unterschiedlichen Kundengruppen gerecht wird. Um den Kontakt zu unseren Besuchern weiter aufrecht zu erhalten, setzen wir noch gezielter auf die Kommunikation über unsere Social-Media-Kanäle. Das sind alles Maßnahmen, um den Kinobetrieb optimiert und geordnet wieder hochfahren zu können.

Inwiefern helfen Ihnen die Rettungsmaßnahmen von Bund, Ländern und Förderern?

Wir haben, wie viele andere Unternehmen derzeit, Kurzarbeitergeld beantragt. Das war lobenswert schnell und unbürokratisch möglich. Leider gilt dieser Zuschuss nicht für Minijobber und Werkstudenten, die einen großen Teil unserer Belegschaft ausmachen. Wesentliche Personal-, Kapital- und Betriebskosten laufen trotz ausbleibender Umsätze weiter. Das bedeutet auch für den Cinedom eine weiterhin hohe wirtschaftliche Belastung. Denn im Gegensatz zu anderen Branchen sind unsere Verluste an der Kinokasse nicht nachholbar. Weitere Förderungen haben wir leider nicht erhalten, denn wir wurden aufgrund unserer Betriebsgröße von den Landeszuschüssen ausgeschlossen. Die Film- und Medienstiftung NRW hat ihren Zuschuss ausschließlich an Kinos gezahlt, die im Jahr 2019 einen Filmprogrammpreis erhalten haben. Ich bin der Meinung, dass alle Kinos ihre Berechtigung im Markt haben und trotz unterschiedlicher Größe und Programm gleichermaßen unterstützt werden sollten.

Wann, hoffen Sie, kann der Betrieb wieder aufgenommen werden?

Wann wir wieder öffnen dürfen, ist leider zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. Abgesehen von den zu erwartenden Auflagen zur Kapazitätsbegrenzung fehlt es auch an einem attraktiven Filmprogramm, da alle Blockbuster in den Herbst und später verschoben worden sind oder zum Teil direkt über VoD beziehungsweise Streamingdienste verwertet werden. Wir werden auch mit Verunsicherungen und Vorbehalten bei unseren Kunden rechnen müssen, das bedeutet langfristig erhebliche Einbußen, auch nach einer Wiederöffnung. Trotzdem wollen wir auch mit Zuversicht in die Zukunft schauen und bereiten uns auf eine Wiedereröffnung vor. Hierbei ist besondere Sensibilität gefordert. Zum Schutz vor COVID-19 haben wir eine Vielzahl an Desinfektionsspendern installiert und auch Plexiglas-Scheiben für alle Theken- und Kassenbereiche sind in Arbeit. Zusätzlich überprüfen wir Optionen und Konzepte, wie wir Mindestabstände realisieren, Wartezeiten eliminieren und engen Kontakt von Menschengruppen durch intelligente Wegeführungen vermeiden können. Wichtig ist, dass wir uns alle an die jeweils geltenden Beschränkungen halten. Nur so können wir langsam wieder zu einer "neuen" Normalität zurückkehren.