Kino

"Völlig absurd": Österreichischer Kinoverband rückt Aussagen von Staatssekretärin zurecht

Die heute im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Österreichs Vizekanzler von Staatssekretärin Ulrike Lunacek getätigten Aussagen zu Kinoschließungen bis Ende August werden vom Österreichischen Kinoverband als "absolut falsch" zurückgewiesen.

17.04.2020 16:09 • von Marc Mensch
Österreichs Kinos bis Ende August geschlossen? Der Österreichische Kinoverband bezeichnet diese Darstellung einer Staatssekretärin als "absolut falsch" und "völlig absurd" (Bild: Cineplex)

Es kam einem Donnerschlag gleich, was heute in einer Pressekonferenz von Österreichs Vizekanzler Werner Kogler und Staatssekretärin Ulrike Lunacek zu den weiteren Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus verkündet wurde (wir berichteten). Die Kinos in Österreich blieben bis Ende August geschlossen, so die unmissverständliche Ansage von Lunacek. Das Problem: Lunacek traf diese Aussage anscheinend nicht aufgrund tatsächlicher Sicherheitsbedenken der Regierung, sondern in der völlig irrigen Annahme, dass diese Schließung auf dem Wunsch der Kinobetreiber selbst basiere.

Der Österreichische Kinoverband jedenfalls verlor nur wenig Zeit, um Lunaceks Aussagen nach der Pressekonferenz richtig zu stellen. In einem Schreiben, das Blickpunkt: Film vorliegt, heißt es wörtlich:

"Die heute in der Pressekonferenz von Staatssekretärin Lunacek getätigte Aussage, wonach Kinos an Sie herangetreten sind und nicht öffnen wollen, weil diese im Sommer ohnehin wenig frequentiert werden, wird vom Präsidenten des Österreichischen Kinoverbandes, Christian Dörfler, als absolut falsch zurückgewiesen: 'Die Aussagen der Frau Staatssekretärin sind völlig absurd. Selbstverständlich wollen wir am liebsten morgen unsere Kinosäle wieder öffnen, wir sind ja nicht der Feind unseres eigenen Geschäftes! Im Sommer werden in den Kinos gewaltige Umsätze generiert, da traditionell gerade in den Monaten Juli und August aus der Filmschmiede Hollywood einige Blockbuster ihre Europa Premieren haben und unser Publikum auch im Sommer gerne ins Kino kommt.'

'Leider ist es heuer so, dass die Corona - Krise sowohl den Film- als auch den Kinomarkt weltweit vollständig zum Erliegen gebracht hat und bereits angekündigte Premieren wie z.B. der neue James Bond aber auch viele europäische Arthousefilme teilweise auf unbestimmte Zeit verschoben werden mussten. Diese Filme werden erst dann in unsere Kinos kommen, wenn in Europa die großen Nationen ihre Kinos wieder öffnen, aber das ist derzeit noch nicht absehbar. Die Kino - Film und Verleihbranche ist international wirtschaftlich eng verbunden', so der Verband weiter. "Dies bedeutet lange Vorlauffristen und ein gesichertes Maß an Planbarkeit um publikumswirksame Filme in die österreichischen Kinos zu bringen", erläutert auch der Obmann des österreichischen Verleiherverbandes und Chef des Filmladens Michael Stejskal.

'Wir stehen diesbezüglich ständig mit unserem europäischen Verband UNIC und der weltweit agierenden Global Cinema Federation (GCF) in Kontakt. Das wirkliche Problem, warum unsere 142 Kinos nicht morgen wieder ihre 577 Säle öffnen, ist ganz einfach das derzeit fehlende Produkt, nämlich der Film und die nicht planbaren Rahmenbedingungen', ergänzt Dörfler.

'Dazu kommt, dass das subjektive Sicherheitsgefühl beim Kinobesuch eine größere Rolle spielt als wie beispielsweise im Handel. Die Kinos sind eine Eventbranche, wo Gäste nur hingehen, wenn sie sich wohl und geborgen fühlen. Kino wird vom Publikum als gemeinsames Erlebnis wahrgenommen und ist ein Ort der sozialen Begegnung. Dies ist erst dann wieder gewährleistet, wenn die Rahmenbedingung für den Kinobesuch nicht abschreckend sind und das Social Distancing im Alltagsverhalten der Menschen angekommen ist', so Dörfler abschließend."

Ergänzend hat Cineplexx eine Stellungnahme zu einer Eröffnung im Sommer unter realistischen Bedingungen abgegeben, die Sie hier finden.