Kino

HDF drängt auf Maßnahmen gegen Existenzgefährdung vieler Kinos

Nach drei Wochen der Zwangsschließung ist die Situation für viele Filmtheater laut HDF bereits kritisch - und ein Ende der Krise ist nicht abzusehen. Ohne direkte Hilfen, die alle Kinos unabhängig von der Betriebsgröße erreichten, drohe eine Pleitewelle.

07.04.2020 11:24 • von Marc Mensch
Christine Berg (Bild: HDF Kino)

Rund drei Wochen ist es nun her, dass bundesweit alle 1734 Kinos geschlossen werden mussten - und welchen Zeitraum diese ohne Einnahmen werden überbrücken müssen, ist noch völlig unklar. Deutlich werde laut dem HDF Kino aber bereits jetzt, dass viele Filmtheater eine lange Schließungsphase nicht überstehen werden - und das unabhängig von der Betriebsgröße.

Um zu illustrieren, was die Zwangsschließung wirtschaftlich für die Kinobetriebe bedeutet, hatte der HDF eine konkrete Berechnung seitens rmc anstellen lassen, deren Zahlen sich schon in dem SPIO-Aufruf zur Gründung eines Stabilitätsfonds (wir berichteten) fanden. Zum Zwecke der Berechnung ging man an dieser Stelle von einer (wohl leider nicht ganz unrealistischen) Schließungsphase von drei Monaten, beginnend Mitte März, aus. Demnach wäre, basierend auf den Besucher-Mittelwerten der Jahre 2017-2019 für 2020 mit einem Minus von knapp 40 Mio. Besuchern zu rechnen. Den kompletten Umsatzausfällen während dieser Zeit stünden jedoch weiterhin anfallende Kosten in Höhe von 186 Mio. Euro gegenüber.

Der HDF hat diese Studie übrigens auch öffentlich einsehbar auf seine Website gestellt, den Link finden Sie in diesem Forderungskatalog.

Macht schon alleine dies die prekäre wirtschaftliche Situation deutlich, wirft der HDF auch noch einen Blick auf die Beschäftigten - oder genauer gesagt die 15.100 geringfügig Beschäftigten, die mehr als 62 Prozent des Personals der deutschen Kinos ausmachen. Diese könnten in der aktuellen Lage kein Kurzarbeitergeld erhalten, dies gilt zudem auch für Werkstudenten.

Ein wesentlicher Punkt, den der HDF unterstreicht: Viele Hilfsmaßnahmen erreichen nur einen Bruchteil der Kinolandschaft, als Beispiel führt der Verband an, dass nur ca. 50 Prozent der deutschen Kinobetriebe aktuell unter die Soforthilferichtlinien des Bundes fielen. Eine ähnliche Beschränkung gelte bei vielen Länderförderern, die entweder nur Kinoprogrammpreisträger unterstützten oder Häuser mit mehr als 7 Sälen durchs Raster fallen lassen.

Um eine "massive Gefährdung" der Existenz vieler Kinos zu verhindern, benötige die Kinowirtschaft dringend folgende Maßnahmen:

- Eine schnelle Einsetzung eines Stabilisierungsfonds seitens des Bundes.

- Die Ausweitung staatlicher Zuschüsse auf größere Betriebe, die aktuell durch das Sicherheitsnetz von Bund und Ländern fallen

- Eine Vereinheitlichung des föderalen Flickenteppichs an Soforthilfen

- Kurzarbeitergeld müsse dringend um Minijobber und Werkstudenten erweitert werden

Dazu die Vorstandsvorsitzende des HDF, Christine Berg: "Die Situation vieler Kinobetreiber und ihrer Mitarbeiter ist bereits jetzt nach knapp drei Wochen Stillstand kritisch. Wenn es nicht schnell direkte Hilfen für alle Kinos gibt, droht eine Pleitewelle. Daher muss jeder Betreiber kurzfristig weitere umfassende Hilfszusagen für Betriebe und ihr Personal zu erhalten. Dabei ist die Betriebsgröße irrelevant, denn diese dramatische Situation trifft alle Filmtheater. Die Kinolandschaft lebt in Deutschland vor allem von einer vielfältigen Struktur. Wenn diese wegbricht, wäre das fatal und viele Städte würden in Zukunft ohne ihr Kino leben müssen. Um so stärker appellieren wir an ein gemeinschaftliches Handeln aller Beteiligten im Markt und in der Politik und hoffen, dass wir hier in kürzester Zeit im gemeinsamen Schulterschluss zu weiteren Ergebnissen kommen."