Kino

SPIO fordert Stabilitätsfonds für Filmwirtschaft

Zwei Milliarden prognostizierte Umsatzeinbußen, eine Gefährdung von mehr als einem Drittel der rund 80.000 Arbeitsplätze und eine drohende Insolvenzwelle: Mit besorgniserregenden Zahlen appelliert die SPIO an die Politik, einen Stabilitätsfonds für die Filmwirtschaft ins Leben zu rufen.

02.04.2020 13:42 • von Marc Mensch
Die SPIO und ihre Mitgliedsverbände sehen einen akuten Förderbedarf in Höhe von mehr als einer halben Milliarde Euro (Bild: SPIO)

Welchen wirtschaftlichen Schaden wird die Coronavirus-Krise in einer Branche hinterlassen, die mit Kinoschließungen, Produktionsabbrüchen und massiven rechtlichen Unsicherheiten buchstäblich zum Stillstand gebracht wurde? Ausgehend von einem dreimonatigen Ausfall haben die SPIO und ihre Mitgliedsverbände in Modellrechnungen die potenziellen langfristigen Umsatzeinbußen kalkuliert - und kommen dabei auf zwei Milliarden Euro. Die grob überschlagenen Folgen: Auf die rund 6700 betroffenen Unternehmen rollt eine Insolvenzwelle zu, über ein Drittel der knapp 80.000 Arbeitsplätze sind akut gefährdet.

Zum ausführlichen SPIO-Papier zum Stabilitätsfonds

Die Mitgliedsverbände der SPIO haben den kurzfristigen Förderbedarf berechnet, der notwendig wäre, um die Krise überstehen zu können - und kommen auf rund 563 Mio. Euro. Ein Bedarf, der von den bestehenden Instrumenten nicht annähernd adressiert wird. Die SPIO führt dazu aus: "Der Schutzschild von Bundesfinanz- und Bundeswirtschaftsministerium aus Zuschüssen, Kurzarbeitergeld und Liquiditätshilfen ist der richtige Ansatz, um die gesamtwirtschaftlichen Folgen zu dämpfen. Aber viele Betriebe und Beschäftigte der Filmbranche drohen in eine Lücke zwischen diesen Bausteinen zu fallen." Insbesondere Unternehmen zwischen elf und 249 MItarbeitern würden derzeit von den Maßnahmen quasi nicht erreicht.

Der Pandemie-bedingte Stillstand der Filmwirtschaft von Produktion bis zur Kinoauswertung sorge insbesondere dafür, dass Darlehen alleine nicht ausreichten, um Unternehmen nach der Krise wieder auf solide Füße zu stellen. "Es bedarf echter Zuschüsse, sonst wird den Betrieben eine Schuldenlast aufgebürdet, die ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig belastet, die Bonität zerstört und ihre Existenz gefährdet. Die Liquiditätshilfen müssen den Unternehmen daher in Form von direkter Unterstützung oder als bedingt rückzahlbare Darlehen gewährt werden", so die SPIO.

Die Maßnahmen der Kulturstaatsministerin und die Programm der FFA und der Länderförderungen seien in dieser Krisenzeit zwar eine "wichtige Unterstützung". Aber sie reichten in ihrer derzeitigen Form nicht aus. Diie gewaltige Lücke von 563,5 Mio. Euro zeige: Eine gemeinsame Anstrengung von Kultur- und Wirtschaftspolitik sei gefragt.

SPIO-Präsident Thomas Negele umreißt die kritische Situation: "Die Corona-Krise trifft die Filmbranche von zwei Seiten: Durch die Kinoschließungen ist die wichtigste Auswertungsstufe der Branche weggebrochen. Dazu kommen die Ladenschließungen - dadurch ist der in Deutschland wichtige Home-Entertainment-Markt mit Blu-rays und DVDs eingebrochen. Auf der Produktionsseite sorgen rechtliche Unsicherheiten und Drehverbote für Stillstand an den Filmsets. Trotzdem fallen von den Kinos bis zu den Studios weiter hohe Fixkosten an."