Kino

Stefan Hoff: "Gemeinsam Wege durch die Krise suchen"

Stefan Hoff, Vorstandsvorsitzender des VTFF, schildert die Situation seiner Mitgliedsunternehmen: Durch die Corona-Krise wüssten viele nicht, wie sie die kommenden Monate überleben sollen. Ohne staatliche Unterstützung gehe gar nichts.

20.03.2020 13:19 • von Barbara Schuster
Stefan Hoff (Bild: VTFF)

Stefan Hoff, Vorstandsvorsitzender des VTFF Verband Technischer Betriebe für Film & Fernsehen schildert die Situation seiner Mitgliedsunternehmen: Durch die Corona-Krise wüssten viele nicht, wie sie die kommenden Monate überleben sollen. Ohne staatliche Unterstützung gehe gar nichts.

Inwiefern sind Ihre Mitglieder von den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie betroffen?

Stefan Hoff: Film- und TV-Produktionen sind größtenteils abgesagt. Es herrscht eine große Unsicherheit, was wie lange unter welchen Bedingungen noch stattfinden kann. Das betrifft die fast leeren Studios, während bei den Verleihern das Geschäft quasi zum Erliegen gekommen ist.

In der Bild- und Ton-Postproduktion werden aktuelle Projekte mit großen Einschränkungen fortgeführt. Bis neue Produktionsaufträge nachkommen kann es Monate dauern. Durch die geschlossenen Kinos liegt das DCP-Geschäft völlig brach. Die VFX-Studios müssen sich mit unterschiedlich betroffenen und agierenden Ländern abstimmen, ihre Infrastrukturen teils komplett umstellen.

Fast alle Außenübertragungen stehen still. Nur das Nachrichtengeschäft läuft auf kleiner Flamme weiter.

Die Mitgliedsunternehmen rechnen mit bis zu 40%igen Umsatzeinbußen in diesem Jahr und wissen nicht, wie sie die kommenden Monate überstehen sollen. Sie haben kompetente Mitarbeiter, die sie nicht verlieren wollen. Alle Ausgaben - Mieten für Hallen und Studios, Finanzierung von Technik und Fahrzeugen etc. - laufen weiter, während die Einkünfte wegbrechen.

Welche Empfehlungen können Sie in dieser Situation geben?

Stefan Hoff: Weiterführen was geht. Wir raten unseren Mitgliedern, die staatlichen Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen, mit Partnern über Zahlungsziele zu sprechen und gemeinsam Wege durch die Krise zu suchen. Sich auf die Zeit danach vorbereiten, Ideen entwickeln und nicht zuletzt sich im Verband zu engagieren, um zusammen Lösungen zu finden.

Wie wird sich die Krise kurz- und mittelfristig auf das Geschäft auswirken?

Stefan Hoff: Die kurzfristigen Auswirkungen sehen wir schon und bereits diese sind für alle eine außergewöhnliche Herausforderung. Da die technisch-kreativen Dienstleister keine Kapitaldecken und laufend hohe Investitionskosten haben, ist deren Existenz gefährdet, und damit auch das Know-how und die Produktionskapazitäten, die nach der Corona-Krise sicherlich wieder benötigt werden. Denn die Krise zeigt ja auch den Wert der Medien, des klassischen linearen Fernsehens, des Kinos und der Außenübertragung.

Inwiefern ist die Politik aufgerufen, etwaige Schäden abzufedern?

Stefan Hoff: Selbst wenn unsere Mitglieder jeder auf seine Weise ums Überleben kämpfen, so sind sie in dieser Situation auf staatliche Unterstützung angewiesen. Maßnahmen wie das erweiterte Kurzarbeitergeld und Liquiditätshilfen sind erste Schritte, die aber nicht ausreichen werden, wenn diese starken Einschränkungen länger andauern. Dann müssen weitere Programme eingeleitet werden mit Stundung von Abgaben, Zuschüssen, Notfallfonds, zinslosen, abgesicherten Krediten bis zur Übernahme von Gehältern. Diese Mittel sollten auf die Besonderheiten der film- und fernsehtechnischen Betriebe zugeschnitten werden, die ansonsten oft zwischen alle Stühle fallen.

Barbara Schuster