Produktion

Franziska Meyer Price: "Es macht Spaß, etwas Neues mitzukreieren"

Regisseurin Franziska Meyer Price inszenierte zuletzt zwei Serien-Updates. "Berlin Berlin" startet am 19. März in den Kinos, "Pan Tau" ist für eine Ausstrahlung zu Weihnachten im Ersten vorgesehen. Über die sehr unterschiedlicher Herangehensweise sprach sie mit Blickpunkt:Film.

10.03.2020 15:03 • von Heike Angermaier
Franziska Meyer Price (Bild: Constantin)

Regisseurin Franziska Meyer Price inszenierte zuletzt zwei Serien-Updates. "Berlin Berlin" startet am 19. März in den Kinos, "Pan Tau" ist für eine Ausstrahlung zu Weihnachten im Ersten vorgesehen. Über die sehr unterschiedlicher Herangehensweise sprach sie mit Blickpunkt:Film.

Wie kam es dazu, 15 Jahre nach der Serie "Berlin, Berlin", eine Fortsetzung fürs Kino zu machen?

Franziska Meyer Price: Produzent Holger Ellermann und ich wollten eigentlich schon früher einen Kinofilm zur Serie realisieren, aber irgendetwas hat immer nicht gepasst. 2016 war es dann soweit, dass alles passte und wir loslegen wollten. Wegen der Schwangerschaft unserer Hauptdarstellerin Felicitas Woll verschoben wir den Dreh dann nochmal um ein Jahr. Im Sommer 2018 hatte sie dann ihr reizendes Kind mit am Set dabei. Sie und unser Team haben alles toll hingekriegt, wie ich finde.

War von Anfang an klar, Rückblenden mit Material aus der Serie einzubauen?

FMP: Ja. Wann hat man schon die Möglichkeit nach so vielen Jahren, die selben Schauspieler für die Rollen zusammen zu haben - und sie dann gemeinsam mit ihren jüngeren Figuren zu zeigen? Außerdem wollten wir auch ein Publikum mit einbeziehen, das die Serie nicht kennt. Unsere Schauspieler jung zu schminken wie es teils in Hollywood gemacht wird, kam für uns nicht in Frage. Aber tatsächlich war es gar nicht so einfach, das alte Material kinotauglich aufzubereiten. Wir haben die Serie damals auf 16mm gedreht.

Wie in der Serie bauten Sie auch im Film Animationen mit ein. Wie lief das ab?

FMP: Während des Drehs war noch nichts von den Animationen fertig. Dank der Entwürfe des Character Designers hatten wir eine Ahnung, wie der Stier oder Superbunny aussehen würden. Die Schauspieler mussten sich die Tiere einfach vorstellen. Wegen der Animationen und VFXen dauerte auch die Postproduktion recht lange, allein die Rechenzeit ist nicht zu unterschätzen. Deswegen war ich auch froh, dass wir nicht noch mehr Animationen hatten, wir wären sonst nicht fertig geworden.

Wie haben Sie die Slapstick-Szenen umgesetzt, etwa wenn Lolle und Dana vom Polizisten festgenommen werden? Wie viel davon stand im Drehbuch? Wie viel entstand vor Ort?

FMP: Diese Szenen standen mehr oder weniger so im Drehbuch. Natürlich musste ich mir lange im Voraus überlegen, wie ich sie möglichst lustig auflöse. Für mich ist Vorbereitung alles! Je klarer man das, was man will im Vorfeld umreißt, desto einfacher und schneller geht es beim Dreh, wo man nie viel Zeit hat. Ich habe die Szenen vorab auch ganz genau mit den Schauspielern durchgeprobt, jede Bewegung und deren Timing. Wir konnten auch auf unsere lange Erfahrung vertrauen.

Inwieweit waren Sie im Drehbuchprozess involviert?

FMP: Den Löwenanteil haben David Safier, Headautor der Serie, und sein Sohn Ben geleistet, aber Holger Ellermann und ich haben auch mitgewirkt. Nachdem uns eine Förderung weggebrochen ist und wir Drehtage einsparen mussten, mussten wir vereinzelte Dinge, die im Drehbuch standen, weglassen. Für den Dreh hatten wir nur 30 Tage Zeit, was für einen Reisefilm wie unseren sehr wenig ist. Wir waren u.a. im Harz, In Berlin und in Potsdam unterwegs.

Der Film ist mit 80 Minuten auch ungewöhnlich kurz und knackig.

FMP: Wie bei der Serie erzählen wir sehr überhöht. So sparten wir uns, die Wege der Figuren, wie sie von A nach B kommen, zu zeigen, und wir setzten uns bisweilen auch über die Logik hinweg. Ich hatte kein Material übrig, das ich hätte einfügen können. Bei anderen Drehs filmt man manchmal auch kleine Nebenhandlungen, die man später einbauen oder auch weglassen kann. Diesen Luxus hatten wir hier nicht.

Während der Postproduktion von "Berlin, Berlin" begannen Sie bereits an Ihrem nächsten Projekt, einem weiteren Serien-Update zu arbeiten?

FMP: Ja. Nach zwei bis drei Monaten Schnitt an "Berlin, Berlin" wechselte ich zur nächsten Riesenproduktion. Ich musste mich da wirklich ein bisschen zerreißen.

Wie war hier die Herangehensweise? Die Serie ist schon 50 Jahre alt.

FMP: Bei "Pan Tau" haben wir von Anfang an gesagt, wir machen kein Remake, sondern wir legen die Geschichte vollkommen neu auf. Außer der Hauptfigur Pan Tau hat die neue Serie nichts mit der alten gemein. Das muss auch so sein, weil man das, was in den Siebzigern funktionierte, nicht auf heute übertragen kann. Unsere Kinderfiguren sind auch älter als die in der alten Serie, sie sind zwischen 13 und 17 Jahre alt und nicht fünf bis acht. Und sie leben in einer anderen, digitalen Welt, haben andere Probleme. Mit älteren Kids als Protagonisten bekommt man auch die jüngeren vor den Schirm. "Pan Tau" ist klar Family Entertainment. Es macht Spaß als Regisseurin, etwas Neues mitzukreieren. 2002 habe ich die Serie "Berlin, Berlin" ja auch mit neu aufgelegt. Es war damals ein ganz neues Konzept, von dem man nicht wusste, ob es funktionieren würde. Wir rechneten nicht damit, dass es so einschlagen würde. Eine Herausforderung war damals auch, dass ARD gerade die Programmstruktur änderte und im Vorabendprogramm von 50- bzw. 45-Minütern auf 25-Minüter wechselte. So gaben wir zwei Fassungen ab. Bei "Pan Tau" haben wir es ähnlich gehandhabt, und auch zwei Fassungen hergestellt, weil die Serie für den internationalen Markt gedacht ist. Wir haben Doppelfolgen à 25 Minuten produziert, die jeweils im selben Umfeld spielen, so dass man sie auch als 50-Minüter zeigen kann. Die 50-Minüter bespielen teils auch unterschiedliche Genres.

Die Serie wurde auf englisch gedreht, aber komplett in Deutschland realisiert?

FMP: Ja, 95 Prozent der Besetzung, 76 Schauspieler, haben wir aus Großbritannien eingeflogen, was nicht einfach war, weil uns der Brexit dazwischen funkte. Die Produktionsleitung hat Blut und Wasser geschwitzt. Zum Glück wurde er ja verschoben. Es war eine großartige Erfahrung mit den Engländern zu arbeiten, die sich ihrerseits in München sehr wohl fühlten.

Wie ist der neue Pan Tau? Spricht er auch nicht wie der alte?

FMP: Er braucht nicht zu sprechen und ist wie der vorherige unglaublich charmant. Mit Matt Edwards haben wir einen tollen Hauptdarsteller. Er ist in England als Magier bekannt, war bei "Britain's Got Talent" und füllt große Hallen. Mit seinen Zauberkünsten bringt er eine ganz andere Ebene in die Serie. Wir arbeiten natürlich auch mit VFX, viele Tricks funktionieren aber auch durch Edwards Handwerk, Fingerfertigkeit. Das ist schon etwas Besonderes, mit jemandem wie ihm zu arbeiten.

Wann wird "Pan Tau" ausgestrahlt?

FMP: Das Erste wird "Pan Tau" höchstwahrscheinlich zu Weihnachten erstausstrahlen. Danach wird er weiter in die Welt hinausgehen. Wir arbeiten gerade an der deutschen Synchronfassung und mischen die englische.

In welche Territorien ist er schon verkauft? Auch nach Tschechien, wo der alte "Pan Tau" hergestellt wurde?

FMP: Die Verhandlungen laufen. Sicher wird er auch in Tschechien gezeigt werden. Produzentin Gabriele Walther von Caligari Film ist in Kontakt mit den tschechischen Erben der Rechte an "Pan Tau", von denen sie 2017 die Neuverfilmungsrechte erwarb und erzählte, dass das gezeigte Material dort sehr gut angekommen wäre.

Ist eine zweite Staffel bereits in Arbeit?

FMP: Heutzutage wartet man ja nicht mehr darauf, wie die erste Staffel ankommt, sondern fängt schon vorher mit dem Entwickeln der Bücher für die zweite an. Es ist gut vorstellbar, dass in der zweiten Jahreshälfte mit den Vorbereitungen für einen Dreh im nächsten Jahr losgelegt werden kann. Wir würden bis auf Pan Tau auch komplett neu casten.

Wie sah bzw. sieht die Arbeit mit dem englischsprachigen Autorenteam aus?

FMP: Wir hatten englische, kanadische und US-Autoren, die den alten "Pan Tau" nicht kannten. Das heißt, sie mussten erst gebrieft werden. Gabriele Walther und Dramaturg Marcus Hamann koordinierten. Bei der zweiten Staffel wird es einfacher laufen, da kann die fertige erste Staffel als Vorlage dienen.

Die Ansätze für die beiden Serienupdates sind sehr gegensätzlich.

FMP: Ja, das macht es auch so spannend!

Haben Sie vorher eigentlich alle Folgen der beiden Serien noch einmal angeschaut?

FMP: Bei "Berlin, Berlin" habe ich mir tatsächlich alle Folgen noch einmal angeschaut, auch um die Rückblenden für den Film zusammen zu stellen. "Pan Tau" sah ich als Kind und ich wollte mich bewusst nicht genauer mit der Serie beschäftigen, um mich nicht beeinflussen zu lassen. Wir wollten ja etwas Neues machen.

Mit welchem Projekt beschäftigen Sie sich als Nächstes?

FMP: Mit einer Sitcom für ZDF Neo, die wir gerade casten. Mehr darf ich noch nicht verraten.

Was muss ein Projekt haben, dass Sie es inszenieren wollen?

FMP: Ich erzähle gerne Geschichten, die fantasievoll sind und Humor haben. Ich finde, es gibt einfach zu wenig Fantasie auf der Welt und ich freue mich, wenn ich ein Publikum zum Lachen bringen kann. Die Geschichten dürfen auch gerne ein bisschen absurd sein. Sie können Mainstream sein, müssen aber einen speziellen Twist haben. Ich bin sehr froh, dass ich mit "Pan Tau" und "Berlin, Berlin" zum Beispiel sehr besondere Stoffe umsetzen durfte.

... und Sie erzählen gerne Geschichten für jedes Format?

FMP: Ja, ich habe kein Problem zwischen Kino, Fernsehen oder Streaming zu springen. Heutzutage sind Serien ja auch das neue Kino. Ich bin sehr glücklich über die aktuelle Entwicklung mit den Streamingdiensten, dank der man so viele tolle, unterschiedliche Stoffe aufgreifen kann. Das einzige worüber ich nicht glücklich bin, ist, dass es deswegen keine Aufnahmeleiter oder Beleuchter mehr auf dem Markt gibt, weil die alle schon einen guten, anderen Job haben. Die Ausbildung für Crewmitglieder im mittleren Bereich wurde völlig vernachlässigt. Das ist wirklich tragisch.

Das Interview führte Heike Angermaier