Kino

Diskussion zum Fachkräftemangel: handeln!

Eine lebhafte Diskussion zum Fachkräftemangel in der Film- und Fernsehbranche veranstalte ZAV Künstlervermittlung unter dem Motto "Nicht reden, handeln!", dessen Podium prominent besetzt war. Gräben wurden offenbar, aber es fand auch ein konstruktiven Austausch statt - und es wurden Lösungsansätze zumindest im Kleinen präsentiert.

10.03.2020 07:44 • von Heike Angermaier
Sybille Steinfartz, Martin Moszkowicz, Claas Danielsen, Lisa Basten, Max Wiedemann und Juliane Müller auf dem Podium der Diskussion "Nicht reden, handeln!" in der Ufa Fabrik (Bild: ZAV/Ansgar Bovet)

Eine lebhafte Diskussion zum Fachkräftemangel in der Film- und Fernsehbranche veranstalte die ZAV Künstlervermittlung in der UFA Fabrik am Rande der Berlinale unter dem Motto "Nicht reden, handeln!", dessen Podium mit u.a. dem Constantin-Vorstandsvorsitzenden Martin Moszkowicz, dem Geschäftsführer von Wiedemann & Berg, Max Wiedemann, prominent besetzt war. Was auch die Dringlichkeit des Themas deutlich machte, das die kleinen wie auch die großen Produktionen und Firmen betrifft, auch wenn belegbare Zahlen noch fehlen würden und der Begriff Fachkraft nicht ganz stimme, wie von u.a. Medienwissenschaftlerin Lisa Basten auf dem Podium angemerkt wurde. Alle anderen auf dem Podium, außerdem Claas Danielsen, Geschäftsführer der MDM, Sybille Steinfartz von der ZAV Künstlervermittlung Köln und Juliane Müller, Geschäftsführerin der Produzentenallianz Initiative für Qualifikation, waren sich einig, dass Personalmangel herrsche, vor allem bei Positionen wie Aufnahmeleitung oder im Bereich Buchhaltung oder Continuity aber auch anderen und dabei nicht nur die Stellen "Below the Line". Steinfartz konkretisierte, dass sie bei 40 Anfragen für Setaufnahmeleiter bzw. Assistenten niemanden vermitteln konnte. Der Mangel sei übrigens nicht nur in Deutschland zu spüren sondern auch in anderen Ländern, wie Moszkowicz ergänzte. Einig war man sich, dass etwas getan werden müsse und zwar schnell, um qualifiziertes Personal für den durch die zusätzlichen Aufträge der Streamer laufenden Produktionsboom zu bekommen. Dafür müsse man die Ausbildung besser machen bzw. überhaupt erst Möglichkeiten dafür schaffen (für Nachwuchs und Quereinsteiger) und vor allem bei den Arbeitsbedingungen, die laut Oliver Zenglein von Crew United in seiner Keynote schlicht "familienfeindlich" seien, den Arbeitszeiten, der Vergütung usw. schrauben, um für mehr Nachhaltigkeit, Fairness und Sicherheit zu sorgen. Die Arbeitsbedingungen, Kurzzeitverträge u.a. lagen vor allem auch dem Publikum am Herzen, das mit Zwischenfragen und Rufen reagierte. Wiedemann wehrte ab, dass es dabei Abmachungen "jenseits der Legalität" gebe.

Nach dem Motto der Veranstaltung "Nicht reden, handeln" wurden auch Lösungsideen und Initiativen präsentiert. Etwa, dass Förderungen Gagen bezuschussen könnten, wenn etwa ein bzw. eine KostümbildassistentIn erstmals als KostümbildnerIn angestellt werde, um so dem Nachwuchs eine Perspektive zu geben. In anderen Ländern gäbe es bereits solche Modelle. Um normale Arbeitszeiten zu gewährleisten etwa beim Maskenbild, sollten doppelte Stellen einkalkuliert werden. Heiß diskutiert wurde in diesem Zusammenhang (und anderswo), dass hierfür die Finanzierung der springende Punkt sei, Sender ihre Auftragsproduktionen mit zu wenig Geld ausstatteten und sich stark aus der Kinokoproduktionen zurückgezogen haben. Bedauert wurde im Plenum, dass auf dem Podium ein Vertreter von Senderseite fehle. Ein schon seit Jahren geplantes, duales, akademisches Ausbildungsprogramm, das Moszkowicz als Abteilungsleiter Produktion/Medienwirtschaft der Hochschule für Fernsehen und Film München zusammen mit der Universität Ansbach angestoßen hat, soll im nächsten Jahr immerhin ersten Studenten offen stehen. Zertifizierungsprozesse dauerten zu lange, um spezielle Fortbildungen schnell anbieten zu können. So bieten Münchner Filmwerkstatt oder Erich Pommer Institut Intensivkurse an. Aus dem Plenum eingeworfen wurde von Michael Neubauer vom Berufsverband Kinematografie (BVK), dass man sich verstärkt für nichtakademische Ausbildungsmöglichkeiten engagieren solle, um qualifiziertes Personal für Beleuchtung o.ä. zu bekommen. Juliane Müller nannte ein Volontärsprogramm für Entertainment in Köln als kleinen Erfolg, bei dem der mittlerweile 300. Volontär ausgebildet wurde, allerdings sei diese Einzelinitiative "ein Tropfen auf dem heißen Stein". Danielsen engagiert sich dafür, dass man die durch den Kohleausstieg für die Region versprochene Umstrukturierungsfinanzierungsmittel für den Filmbereich nutzte. Ein Gründerzentrum ähnlich wie in NRW soll im nächsten Jahr entstehen. Um den Nachwuchs oder Quereinsteiger für Jobs in der Entertainment- und Filmbranche zu gewinnen, müsse man außer an den Arbeitsbedingungen zu arbeiten auch deren "Sichtbarkeit erhöhen", etwa durch einen Branchenguide Berufsbilder. Von allen Seiten wurde immer wieder betont, wie wichtig es sei, an einer branchenübergreifenden Lösung zu arbeiten und nicht nur Einzelinteressen im Blick zu haben und sich gegenseitig die Schuld zu zu weisen. Produzenten, Sender und Förderer solllten mit eingebunden sein ebenso wie die verschiedenen Berufsverbände beteiligt werden wollen. Eine übergreifende Stelle solle die vorhandenen Initiativen bündeln bzw. belastbare Daten sammeln. Der Verband der Setrequisiteure & Setdecorator VDRSD gab den ganz allgemeinen Tipp aus dem und ins Plenum "Bildet Banden".