Produktion

Berben: Auf dem europäischen Markt gibt es viel Potenzial

Constantin Film hat auf dem Berlinale Series Market neue Serien wie "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" und "Der Palast" vorgestellt. Vorstand Oliver Berben plant mit Blick auf Europa noch Größeres.

24.02.2020 17:04 • von Michael Müller
Oliver Berben in seinem Element (Bild: Constantin Film)

Der Vorstand für Television, Entertainment und digitale Medien bei der Constantin Film, Oliver Berben, hat sich am Montag auf der Berlinale Series Market & Conference im Berliner Zoo-Palast zu Plänen des Unternehmens geäußert. Als er über das Projekt "Hagen von Tronje" sprach, das einer der teuersten deutschen Spielfilme aller Zeiten und dazu eine sechsteilige Serie in der Tradition von Wolfgang Petersens Amphibienfilm "Das Boot" werden soll, sagte er, dass das Budget für den Zuschauer nicht wichtig sei. Wichtiger sei der Moment, wenn der Zuschauer es mit internationalen Konkurrenzprojekten vergleiche und die Produktion den Vergleich standhalte.

In Deutschland werde die Zukunft sein, dass man strategische Partner finde, um noch größere Projekte zu machen, die dann um die Welt gingen. Was im aktuellen Content-Boom in Deutschland noch fehle und wo er viel Potenzial sehe, sei der europäische Markt. Damit schloss er bewusst Vergleiche mit dem im Verruf geratenen Begriff Euro-Pudding aus, mit dem amerikanische Kritiker in den 1980er-Jahren europäische Koproduktionen für das Kino abwerteten. Es gehe ihm um Geschichten, die offen für verschiedene Nationen und Sprachen seien. Eine Zusammenarbeit von großen europäischen Sendern könne zu großen europäischen Produktionen führen, die mit Hollywood mithalten könnten.

Auf dem Panel im Zoo-Palast stellte er gemeinsam mit der Head Writerin Annette Hess ("Weißensee"), der Produzentin Sophie von Uslar und dem CEO International, Femantle Media, Jens Richter, die Serie "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" vor. Die Zuschauer erhielten einen ersten Eindruck in einem von Berben als Sizzle Reel bezeichneten Zusammenschnitt aus den ersten drei Monaten Drehzeit. Zu dem durch den Nicolas-Winding-Refn-Film "Drive" berühmt gewordenen Elektro-Song "Nightcall" gab es die jungen Hauptdarsteller in ausgelassenen Szenen und auch von Drogen gezeichnet zu sehen.

Berben begrüßte passenderweise auch den Regisseur Uli Edel, der in der zweiten Reihe des Kinos saß und später noch sein Projekt "Der Palast" vorstellte. Schließlich war Edel der Regisseur des Kino-Blockbusters "Christiane F". Der jetzige Stoff ist das Wunschprojekt der Head Writerin Hess. "Das ist dein Fehler, das wir heute hier sitzen", scherzte Hess mit Blick auf Edel. Als sie 14 Jahre alt gewesen sei, habe sie die Romanvorlage wie ein Bombeneinschlag getroffen; auch, weil sie im Freundeskreis Drogenopfer hatte. Sie habe Edels Kinoversion gesehen und sei so enttäuscht gewesen, was er alles aus dem Roman weglassen hätte. Heute bewundere sie den Film. Aber sie habe nie das Interesse an dieser Geschichte verloren. Zum ersten Mal arbeitete Hess bei diesem Projekt mit einem Writers' Room zusammen. Die Serie, die acht Episoden mit jeweils einer Stunde Lauflänge hat, wird ein Amazon Original.

Ebenso vorgestellt wurde die bereits angesprochene sechsteilige Serie "Der Palast" über den berühmten Friedrichstadt-Palast in Berlin. Die Geschichte spielt zwei Jahre vor dem Mauerfall. Im Zentrum stehen Zwillinge, eine im Westen, eine im Osten aufgewachsen. Der seit langer Zeit in den USA lebende Edel sagte, es gebe viele deutsche Serien über Ostdeutschland, die häufig einen westlichen Blick auf das Geschehen hätten. Das sei bei ihnen anders. Die Produzentin Kathrin Bullemer bezeichnete die Show-Parts der Revuen als größte Herausforderung. Frank Zervos, der Hauptstadtredaktionsleiter für Filme und Serien beim ZDF, sprach beim Friedrichstadt-Palast von einer Insel, die in der DDR Licht und Farbe spendete.

Edel habe eng mit der Drehbuchautorin Rodica Doehnert zusammengearbeitet. Die erzählte auf der Bühne des Zoo-Palastes, dass sie die Zeit des Filmstoffs und die Gefühle dazu gut kenne, weil sie da Ostdeutschland in ihren Zwanzigern erlebte. "Diese Serie hat die Idee, dass Einheit nur entstehen kann, wenn man die Biografien vom jeweils anderen respektiert", sagte Doehnert.

Neben "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" und "Der Palast" gehören der ARD-Film "Der Feind", eine "Wickie"-Serie, der Event-Film "KaDeWe" von Julia von Heinz, die TVNow-Produktionen "Glauben" und "Wolfsburg" sowie eine Serie zum Bestseller "Fräulein Smillas Gespür für Schnee" zu den kommenden Fernseh- und Streaming-Highlights der Constantin.