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Berlinale gibt historisches Gutachten zu Alfred Bauer in Auftrag

Aufgrund eines Ende Januar veröffentlichten Zeitungsartikels über die Rolle des ersten Berlinale-Leiters Alfred Bauer im Nationalsozialismus hatte sich die Berlinale dazu entschieden, den nach ihm benannten Preis vorerst auszusetzen. Die Berlinale hat ihrerseits jetzt ein externes Gutachten in Auftrag gegeben.

18.02.2020 13:38 • von Jochen Müller
Berlinale-Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek (Bild: Alexander Janetzko / Berlinale 2019)

Im Auftrag der Berlinale wird das 1949 zur wissenschaftlichen Erschließung der nationalsozialistischen Diktatur gegründete Institut für Zeitgeschichte (IfZ) ein Gutachten zur Geschichte des Festivals im Kontext von Alfred Bauers Funktion in der NS-Zeit erstellen. Das teilt die Berlinale heute mit.

"Wir sind überzeugt, dass zur Erforschung von Alfred Bauers Position im NS-Machtapparat eine externe und unabhängige Historiker*innengruppe herangezogen werden sollte. Darüber sind wir uns auch mit der Deutschen Kinemathek einig, die diese Vorgehensweise unterstützt. Wir freuen uns, dass nun das IfZ die Forschungsarbeit aufnehmen kann", erklärt Berlinale-Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek. Mit den Ergebnissen des Gutachtens sei im Sommer zu rechnen, so die Berlinale.

Ende Januar hatte ein in der "Zeit" erschienener Artikel der Journalistin Katja Nicodemus die Rolle des ersten Berlinale-Leiters im Nationalsozialismus beleuchtet. Dieser lege nahe, dass Bauer in der NS-Filmbürokratie eine Rolle gespielt habe, die bislang nicht bekannt gewesen sei. Als erste Reaktion hatte die Berlinale die Verleihung des nach Alfred Bauer benannten Preises ausgesetzt.

Wie das Festival heute mitteilt, wird anlässlich der 70. Berlinale ein Sonderpreis, der Silberne Bär - 70. Berlinale, verliehen. Er wird von der Internationalen Jury vergeben.