Produktion

Mayr und Hoerl mit einem "Perfect" Start

Produzent Markus Mayr mit seiner Mäksmy Films und Regisseurin Teresa Hoerl feiern mit ihrem Langfilmdebüt "Nothing More Perfect" Premiere im Wettbewerb des Max Ophüls Preis. Sie wollen damit die Jugend ins Kino locken und entwickeln weitere gemeinsame Projekte.

16.01.2020 08:22 • von Heike Angermaier

Produzent Markus Mayr mit seiner Mäksmy Films und Regisseurin und Drehbuchautorin Teresa Hoerl feiern mit ihrem Langfilmdebüt Nothing More Perfect" Premiere im Wettbewerb des Filmfestival Max Ophüls Preis. Ihre Hauptdarstellerin Lilia Herrmann ist als bester Schauspielnachwuchs nominiert. Mit dem Drama will das Duo die Jugend ins Kino locken. Hoerl und Mayr bereiten weiere gemeinsame Projekte vor.

In ihrem zeitgemäßen Jugenddrama erzählen die beiden HFF München-Absolventen Teresa Hoerl und Markus Mayr von der 16-jährigen Maya, die in einem Suizidforum Gedanken austauscht. Sie fühlt sich von ihren Eltern, die sich mehr wie Teenager aufführen als sie selbst, allein gelassen und ob der Posts ihrer Freundinnen, wie viel sie laufen und wie wenige Kilos sie wiegen, ungenügend und hässlich. Bei einem Kurzurlaub in Prag mit den Eltern lernt sie einen jungen Studenten und Dealer kennen, der ihr den passenden Medikamentencocktail besorgen will... Handyvideos und Chats machen einen großen Teil des Films aus, der für Hoerl und Mayr auch ihr Abschlussfilm an der HFF München ist. Sie setzten ihn über Mayrs 2017 gegründete Mäksmy Films mit minimalen Mitteln und einem Miniteam von sieben Leuten "auf abenteuerliche Weise" um, so Hoerl. "Wir haben uns die Situation eines Abschlussfilmes zu Nutzen gemacht, um in inhaltlichen Aspekten diesen Proof of Concept auf die Beine zu stellen", so Mayr. Das Konzept ist, die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen so authentisch wie möglich zu zeigen, eben auch und insbesondere ihre Art zu kommunizieren. Bereits 2015 hatte Hoerl die Idee zu "Nothing More Perfect". Die beiden realisierten erst einen Kurzfilm, "Familienzuwachs", um ein älteres Paar aus der Provinz, das eine Flüchtlingsfamilie bei sich aufnimmt. Der Halbstünder wurde 2017 bei den Filmtagen in Hof präsentiert, mit dem Hessischen Filmpreis ausgezeichnet und 2018 in Lünen mit dem Publikumspreis gewürdigt.

Im Anschluss daran wollten sie ihren Langfilm bewusst ohne Sender oder eine größere Produktionsfirma als Partner realisieren. Nur die HFF München ist Produktionspartner, FFF Bayern stieg im Rahmen seiner Abschlussfilmförderung mit 40.000 Euro ein und die Freunde und Förderer der HFF München halfen bei der Schlussfinanzierung des Budgets, das "für einen Abschlussfilm einiges ermöglichte, aber gleichzeitig fast weniger als das äußerste Minimum war", so Mayr. Sie wollten die künstlerische Kontrolle behalten, unabhängig arbeiten: "Wir wollten die Möglichkeit haben, frei zu experimentieren", so Hoerl. Das bedeutete auch, mehr Funktionen zu übernehmen. Hoerl kümmerte sich etwa auch ums Casting. Ihr war wichtig, für die Hauptrolle ein junges Mädchen zu finden und keine fertige Schauspielerin. Sie ging zu Schultheateraufführungen, besuchte Ballettschulen und Jugendtheater. Es war ein langer Prozess, an dessen Ende sie Lilia Herrmann fand, "eine Perle" ist Hoerl begeistert. Konstantin Gries, der den Studenten spielt, schließt gerade erst seine Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule ab. Die erfahrenen Profis Mira Partecke und Thorsten Merten sind als Mayas Eltern zu sehen.

Um größtmögliche Authentizität war man auch beim hauptsächlich in Prag stattfindenden Dreh bemüht. 25 Tage Zeit nahm man sich, um nahezu chronologisch zu drehen und "die Dinge, die passieren, mit ein zu binden", so Hoerl, teils auch mit den Schauspielern zu improvisieren. Der Großteil der Szenen, Dialoge und Texte sei aber geskriptet, wie Hoerl betont. Johannes Brugger führte die Kamera, immer auf der Schulter. "Er hat einen Pokal verdient", so Hoerl. Er arbeitete bereits bei "Familienzuwachs" mit ihr zusammen ebenso wie Szenenbildnerin Susanna Haneder. Um für die Art des Drehens die passenden Locations zu finden und Kontakte zu knüpfen, erforderte es eine intensive und lange Vorbereitung. Unterstützung erhielten Mayr und Hoerl dabei von einer befreundeten Studentin der Prager Filmhochschule. So gewann man u.a. die Kneipe für den Karaoke-Abend von Maya und ihren Eltern und den Porträtmaler auf der Karlsbrücke, der auch sonst vor Ort ist. Bei der Musik arbeitete man mit den Komponisten und Musikern Matthias Hauck und Nepomuk Heller zusammen, die auch die Straßen- und Discomusik schrieben. Einen Song bekamen sie von einem tschechischen Künstler. Nur ganz wenige Titel sind lizensiert. "Wir haben in der starken Beschränkung der Mittel unseren Vorteil gesucht", resümiert Mayr. "Alle waren mit umso mehr Leidenschaft dabei, suchten das Außergewöhnliche vor Ort", ergänzt Hoerl.

Den Max Ophüls Preis sieht Mayr als ideale und bewusst gewählte "Startplattform", als "einen guten Zeitpunkt, um an die Öffentlichkeit zu gehen, den Film der Branche und dem Publikum vorzustellen". Er und Hoerl erhoffen sich einen spannenden Austausch mit anderen Filmemachern und auch für zukünftige Projekte fruchtbare Kontakte, insbesondere zu Verleihern. Denn: "Unser Traum ist es, den Film auf der großen Leinwand zu zeigen, mit ihm die Jugend ins Kino zu holen". Entsprechend sind sie besonders gespannt auf die Schulvorstellungen beim Festival und die Reaktionen ihres Zielpublikums. Während des Schnitts, den Hoerl teils gemeinsam mit Editorin Laura Heine und teils alleine umsetzte, machten sie bereits Testscreenings mit Bekannten, aber noch nie vor einer Schulklasse.

Auch bei ihrem nächsten, gemeinsamen Kinofilm haben Mayr und Hoerl das jugendliche Publikum im Blick. Hoerl schreibt an einem Film, der Motive und Figuren aus "Nothing More Perfect" aufgreift, aber keine Fortsetzung ist, sondern wie Hoerl es ausdrückt "eine Erweiterung". Der Film mit dem Arbeitstitel "Am Leben" beleuchtet das Leben der Jugendlichen aus Mayas Forum, die in "Nothing More Perfect" nur mit ihren Texten in den Chats zu lesen waren. Maya wird als Nebenfigur wieder auftauchen. Auch diese Überlegung zum Nachfolgefilm sei ein Grund gewesen, den Film eigenständig auf die Beine zu stellen, so Mayr, um alle Rechte zu behalten. Die beiden haben außerdem Drehbuchförderung von FFF Bayern für "Wunder" bekommen, ein Drama um Geschwister aus prekären Verhältnissen, von denen eines ein Wunderkind ist. Im Gegensatz zu "Nothing More Perfect" soll es "klassisches Arthousekino werden", sind sich die beiden einig. Eine Zusammenarbeit mit Sendern, Streamern und Verleih ist angedacht.

Hoerl hat nach "Nothing More Perfect" im vergangenen Herbst bereits ein Projekt für Degeto und Neue Bioskop Television in Szene gesetzt, Reiterhof Wildenstein", das sich in der Postproduktion befindet, und ist offen für alle möglichen Formate, fiktionale oder auch dokumentarische. "Für mich ist die Hauptsache, in Bildern zu erzählen", sagt sie. Mayr will seine Firma breiter aufstellen, sich aber auf Fiction konzentrieren. Er entwickelt mit Autoren mehrere Stoffe, treibt schon länger ein historisches Drama voran, Danach die Freiheit" über die Strafverfolgung Homosexueller in Deutschland 1950. Das Projekt von Regisseur Markus Erhart soll "ein großes Gesellschaftdrama in heutiger Verpackung" werden, für das er Pantaleon Films als Partner gewann, die bereits bei "Familienzuwachs" an Bord waren. Nach dem Langfilmdebüt "Nothing More Perfect", das den ersten Schritt in der Entwicklung seiner Firma darstelle, folge nun der nächste, bei dem er nun komplett außerhalb der Filmhochschule agiere, so Mayr.