Kino

Die Disney-Dominanz 2019 in Zahlen

Im vergangenen Jahr hat Walt Disney im Kino weltweite Bestmarken gesetzt, die Experten in näherer Zukunft für kaum wiederholbar halten. Die wichtigsten Rekorde des eigenen Hauses hatte das Studio bereits im Sommer übertrumpft.

03.01.2020 17:47 • von Marc Mensch
Wahrhaft königlich: Walt Disney setzte 2019 geradezu singuläre Rekordmarken (Bild: Walt Disney)

Man musste nun wahrlich kein Hellseher sein, um schon zu Beginn des vergangenen Jahres zu ahnen, dass das Kinojahr 2019 in besonderem Maße im Zeichen von Walt Disney stehen würde - zumal es das Maus-Haus mitunter selbst nicht an hochtrabenden (und rückblickend dann sogar doch noch zu konservativen) Versprechen mangeln ließ. Der spektakuläre Höhepunkt eines Superheldenfranchise, auf den seit dem Start von Iron Man" im Jahr 2008 über ein Jahrzehnt konsequent hingearbeitet wurde. Das Finale der Skywalker-Saga. Ein Sequel zum bis dato weltweit erfolgreichsten Animationsfilm der Geschichte. Und so weiter.

Um das Pferd zunächst von hinten aufzuzäumen: Selbst mit seinem größten Misserfolg in Form des (überraschend düsteren) Dumbo" setzte das Studio in den USA knapp 115 Mio. Dollar und weltweit über 353 Mio. Dollar um. Nicht genug, um Disney laut Analysten in diesem Fall vor roten Zahlen zu bewahren - und doch wird sich der Film von den Organisatoren der CineEurope 2020 als einer der internationalen Großerfolge feiern lassen (müssen).

Mit seinen Erfolgen hingegen durchbrach das Maus-Haus alleine im vergangenen Jahr ganze sechs Mal die Milliardenmarke am internationalen Boxoffice (schon das ein Allzeit-Rekord) und löste mit Avengers: Endgame" sogar Avatar" als umsatzstärksten Film der Geschichte ab. Ohne Berücksichtigung der Inflation, versteht sich.

"Sechs" lautete auch die Ansage für den Heimatmarkt. Denn dort wurden die ersten sechs Plätze der Charts von Disney-Filmen belegt - wobei sich vor "Aladdin" auf Platz 8 ein Film schob, an dem Disney (insbesondere über Marvel-Mastermind Kevin Feige) nun nicht ganz unbeteiligt war: Spider-Man: Far from Home". An der Spitze steht "Avengers: Endgame", der mit gut 858 Mio. Dollar im All-Time-Ranking nun lediglich hinter einem weiteren Film (Star Wars: Das Erwachen der Macht" mit 936,7 Mio. Dollar) von Disney steht.

Alleine in den USA stand Disney für ein Boxoffice von 3,76 Mrd. Dollar (oder gut 33 Prozent Marktanteil); der vorherige Rekord aus 2018 (knapp 3,1 Mrd.) wurde um über 670 Mio. Dollar verbessert. Mit Ausnahme von 2017 konnte Disney seit 2016 allein in den USA durchgehend mehr als drei Mrd. Dollar Ticketumsatz verbuchen.

Rund 66 Prozent seiner Kinoumsätze machte Walt Disney hingegen in den internationalen Märkten - und zusammen mit den dort erzielten knapp 7,4 Mrd. Dollar kommt man auf ein weltweites Einspiel von 11,12 Mrd. Dollar für das vergangene Jahr. Selbstverständlich ein historischer Rekord, der umso beeindruckender ausfällt, wenn man ihn in Relation zur bisherigen Bestmarke setzt. Eine Bestmarke, die Disney 2016 aufgestellt hatte - mit 7,61 Mrd. Dollar. Diesen Rekord hatte man 2019 bereits Ende Juli eingestellt und war zu diesem Zeitpunkt gleichzeitig zum ersten Studio avanciert, das international die Marke von fünf Mrd. Dollar überschritt. Zählt man übrigens die Filme von Fox hinzu, beläuft sich der globale Disney-Umsatz sogar auf knapp 13,2 Mrd. Dollar.

In Deutschland stellte Disney die Hälfte aller Top-Ten-Titel und darunter die Plätze 1-3, wobei "Avengers: Endgame" mit 57,5 Mio. Euro die Umsatzkrone und Die Eiskönigin 2" mit knapp 5,7 Mio. verkauften Tickets den Besucherbestwert für sich reklamierten.

Angesichts derartiger Fabelzahlen - die in Expertenkreisen auch darauf zurückgeführt werden, dass mit Blick auf Content für den neuen Streamingdienst Disney+ gezielt besonders viele Hochkaräter auf die (Leinwand-)Reise geschickt wurden - überrascht es nicht, dass Analysten davon ausgehen, dass neue Rekorde nicht in absehbarer Zeit zu erwarten sind. Insbesondere nicht 2020, wenn kein "Star Wars" auf dem Releaseplan steht und das Marvel Cinematic Universe eine neue Phase einläutet, die zwar gerade mit Blick auf "Avengers"-Charakter Black Widow" alles andere als bei Null anfängt, aber nicht vom Start weg die Höhenflüge der letzten Jahre erwarten lässt.

Realfilm-Originalstoffe abseits der großen Marken (und der Adaption von Animationsklassikern) waren in den vergangenen Jahren nicht gerade das Aushängeschild des Studios, tatsächlich zählten Filme wie etwa Das Zeiträtsel", Der Nussknacker und die vier Reiche" oder Lone Ranger" und John Carter" (um etwas weiter in die Vergangenheit zu gehen) zu den vergleichsweise raren Enttäuschungen.

Um es abschließend mit den Worten der Disney Chefs Alan Horn und Alan Bergman zu sagen: "2019 war ein Jahr wie kein anderes!" Was natürlich erst einmal nur im Rückblick gelten soll.