Kino

Ein Buch ist ein Film ist ein Game - Networking-Day der Buchmesse

Film stand einen Tag lang im Fokus der Frankfurter Buchmesse, und The Arts+ warf einen Blick in die Zukunft, auf Technologien, die unsere Interaktion mit Kultur verändern.

29.10.2019 07:49 • von Jochen Müller
Das Projekt "China Through Time" verbindet 3D-Animation mit 2D-Hintergrund (Bild: Frankfurter Buchmesse)

Welchen Effekt neue Technologien auf den kreativen Prozess und unsere Rezeption haben, konnten Professionals aus den Bereichen Buch, Film, Games und New Media bei einem informativen Rundgang durch Halle 4.1 erkunden, wo Medien- und Kunstschaffende fünf Tage lang über 100 Projekte in den Bereichen Videokunst, Film, Immersion, Games sowie XR und KI präsentierten. Beim Blick über den Tellerrand auf Augmented und Virtual Reality oder das Lernen von und mit Maschinen fielen besonders die Weltpremieren "Expose her" (Lena Chen & Molly Barber), "Five Meditations on death" (Nico Weber ) sowie "Vonderland" von Regisseur Cyril Tuschi auf. Die immersive Kunstinstallation der New Yorker Künstlervereinigung "3-Legged Dog" präsentierte eine begehbare interaktive Performance-Plattform, in der 80 Besucher gleichzeitig digitale Kunstwerke erleben können. Der Spreadshop-Stand mit digitaler Live-Produktion von revolutionärer Merch-Ware war auf der Art-Plattform mit ihren zahlreichen Synergien ebenso vertreten wie die Avantgarde der europäischen Museumslandschaft mit dem Osloer Munch Museum etwa, das die Emotionen des Besuchers beim Betrachten der Gemälde in verschiedenen Farb-Spektren anzeigt, dem van Gogh Museum, den Historischen Museen Hamburg und dem ZKM Karlsruhe.

Ins Auge stach auch das ehrgeizige Projekt "China Through Time", eine Widescreen Digital Animation, die 3D Animation mit 2D-Hintergrund verbindet und auf der Basis von Archivmaterial mit über 1700 Figuren und 200 Booten das Epos vom "Großen Kanal" erzählt, der seit über 2500 Jahren durch 14 chinesischen Städte fließt - eine subventionierte Erzählung, die dabei natürlich dem offiziellen Fluss der Geschichtsbetrachtung folgt.

Im vierten Jahr ihres Bestehens hatte Arts+ erstmals in Cooperation mit Biennial of the Moving Image das vielfältige Programm gestaltet, das sich hoffentlich im nächsten Jahr fortsetzen wird.

Auch der Filmtag zeigte sich wieder als Konzept mit Zukunft: Am 18. Oktober standen einen Tag lang Panels und Workshops im Mittelpunkt, teils prominent besetzt, immer gut besucht. Zu den bereits bewährten Programmpunkten, die u. a. auch bei Berlinale und Filmfest München stattfinden, zählt der literarische Pitch: Welche Bücher die Blockbuster von morgen sind oder Arthouse-Potenzial haben, präsentierte unterhaltsam Moderatorin Syd Atlas.

Über den neuesten Stand zum Gender-Gap informierte das Panel "Women - The Revolution has begun?!" - bewusst als Frage und Aussage mit Ausrufezeichen zugleich formuliert, Denn einerseits ja, Marvels erste weibliche Superheldin könnte einen Aufbruch eingeläutet haben in punkto Big Budget-Produktionen für Regisseurinnen - der Weg zur angestrebten 50/50 Situation aber, der in Skandinavien begann, ist noch weit, darüber waren sich die Panel-Teilnehmerinnen einig, darunter u. a. US-Regisseurin und Schauspielerin Grace Glowicki ("Her Friend Adam"), die norwegische Produzentin von "Pferde stehlen" (4 1/2 Fiksion), Turid Øversveen, Sanam Gharagozlou, Internationale Marketing Manager bei MUBI, und Nicole Ackermann, Managing Director von Mouna Film & Media Studios.

Sind "Serien und Streaming Gamechangers der Industrie"? Schaffen die geänderten Sehgewohnheiten eher neue Chancen oder Nachteile, und wie reagiert die Industrie darauf und auf den Kampf um immer neuen Content? Darüber diskutierten u. a. Quirin Berg, Produzent der ersten deutschen Netflix Original-Serie Dark", der Preisträger des Filmpreises der Frankfurter Buchmesse, Regisseur Hans Petter Moland, Pouya Shahbazian, Produzent von American Honey" und Head of Film and Television bei New Leaf, sowie Marty Brochstein von Licensing International (LIMA), USA. Einblick in seine Arbeit als Regisseur an seinem jüngsten Film, der schon bei der Berlinale ausgezeichneten Literatur-Adaption "Pferde stehlen", gaben Hans Petter Moland und seine Produzentin Turid Øversveen im Rahmen einer Case Study.

Der Tag voller neuer Eindrücke mit zahlreichen Gelegenheiten zum Networken endete mit einem Abend-Empfang vom Norwegischen Filminstitut und FFA. Und auch über die Messe hinaus wirkte der Filmtag: Frankfurter Arthouse-Kinos zeigten ein "B3 Filmprogramm" mit 25 Spiel- und Kurzfilmen sowie ausgesuchten TV-Serien, darunter fünf Deutschlandpremieren.

Marga Boehle