Produktion

Kordes & Kordes mit "magischen Tieren" und anderen Bestsellern

Die Schwestern Alexandra und Meike Kordes realisieren mit "Die Schule der magischen Tiere" die Verfilmung der derzeit erfolgreichsten Kinderbuch-Marke im deutschsprachigen Raum. Der Franchise-Auftakt ist auch Auftakt zu einer breiteren Auf- bzw. Umstellung ihrer Firma Kordes & Kordes Film.

18.10.2019 09:07 • von Heike Angermaier
Meike und Alexandra Kordes (Bild: Kordes & Kordes Film)

Die Schwestern Alexandra und Meike Kordes realisieren mit "Die Schule der magischen Tiere" die Verfilmung der derzeit erfolgreichsten Kinderbuch-Marke im deutschsprachigen Raum. Der Franchise-Auftakt ist auch Auftakt zu einer breiteren Auf- bzw. Umstellung ihrer Firma Kordes & Kordes Film. Sie arbeiten an weiteren Bestseller-Verfilmungen fürs Kino und Fernsehen.

Mit dem Drama Vier Minuten" von Chris Kraus sammelten die Produzentinnen Alexandra und Meike Kordes 2006 und 2007 zahlreiche Auszeichnungen und jede Menge Anerkennung national und auch international. So wurden sie mit dem VGF-Nachwuchsproduzentenpreis gewürdigt, der Film mit der Lola in Gold und Monica Bleibtreu mit der Lola als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Bereits 2003 hatten die Absolventinnen der Filmuniversität Babelsberg ihre Firma Kordes & Kordes Film in Berlin gegründet, die mit Kordes & Kordes Film Süd u.a. auch eine Niederlassung in München hat. Die Firma hat seitdem 170 Preise mit ihren Filmen gewonnen, jüngst den Grimme-Preis für die ARD-Komödie Familie Lotzmann auf den Barrikaden" unter der Regie von Axel Ranisch. Mit ihrer Firma entwickeln und produzieren sie überwiegend fiktionale Stoffe, bisher vorwiegend im Arthousebereich, für Kino und Fernsehen. Nun laufen die Dreharbeiten zum ersten Franchise der Produktionsschmiede. Das Family-Entertainment-Projekt basiert auf der gleichnamigen Bestsellerreihe von Margit Auer.

Im Abenteuer um eine Schule, in der die Kinder ein magisches Tier als Begleiter bekommen, steht Mädchen Ida im Zentrum, die Neue an der Schule, die einen Fuchs bekommt und sich mit Außenseiter Benni anfreundet, dessen Begleiterin eine Schildkröte ist. Gemeinsam gehen sie einer Diebstahlserie auf den Grund. Als Kordes & Kordes Film die Filmrechte 2013 optionierte, sei das Buch erst 30.000 Mal verkauft worden, erzählt Alexandra Kordes. Meike Kordes hatte bei einer Zugfahrt im Kinderabteil, einen Mitreisenden das Buch seinem Kind vorlesen hören und war so begeistert, dass sie die Filmrechte anfragte. Inzwischen sind zehn Bände bei Carlsen erschienen, die Marke ist ein Millionenfach verkaufter Bestseller geworden. "Wir hatten Glück", freuen sich Meike und Alexandra Kordes, die die Option mehrfach verlängerten. Viola M J Schmidt schrieb das Drehbuch und schreibt bereits an der Fortsetzung. Die Drehbucharbeit lief und läuft in enger Abstimmung mit Auer, was Alexandra und Meike Kordes sehr wichtig ist. Auer bringt auch ihre in zahlreichen Lesungen erworbene genaue Kenntnis der Zielgruppe mit ein. Sie weiß, was bei den Fünf- bis Zwölfjährigen ankommt.

Nach dem Dreh der Schulszenen auf Schloss Grafenegg in Niederösterreich inszeniert Gregor Schnitzler nun in den Bavaria Studios und an Originalschauplätzen in München und später in den MMC Studios bei Köln die junge Emilia Maier, Leonard Conrads und Loris Sichrovsky in den Hauptrollen als Ida, Benni und Schulschwarm Jo - sowie die erfahrenen SchauspielkollegInnen Nadja Uhl, Milan Peschel, Justus von Dohnányi, Heiko Pinkowski, Stephan Luca und Marleen Lohse in weiteren Rollen. Für das Casting zeichnet Nina Haun verantwortlich, während die über 20 Kinderdarsteller von Jacqueline Rietz nach einem offenen Castingaufruf und Castings in fünf Großstädten besetzt wurden. Aus über 3500 BewerberInnen wurden sie ausgewählt. Sichrovsky fand Konstantin Bürger, der im Team mit Britt Beyer für Kordes & Kordes Film damals bereits Paula Beer auf dem Schulhof für Poll" und Frithjof Gawenda für Axel Ranischs Ich fühl mich Disco" entdeckt hatte.

Bis Mitte November sollen die 44 Drehtage absolviert sein, Maier ist an 42 Tagen davon dabei, immer dabei ist auch VFX-Supervisor Frank Petzold. Die VFX-Arbeit für diesen Film sind sehr aufwändig, denn Idas Fuchs, Bennis Schildkröte und Mortimer Morrisons Elster werden während der Postproduktion an mehreren Standorten in Deutschland u.a. bei Trixter komplett digital kreiert. Die Tiere, die von den Erwachsenen als Plüschtiere und nur von den Kindern in ihrer echten Form gesehen werden, werden im Film halbwegs realistisch aussehen, ihre Gesichter menschliche Züge haben. Die prominenten Schauspieler Frederick Lau,Katharina Thalbach und Sophie Rois, die die drei Figuren sprechen, geben Inspiration dafür. "Für einen aufwändigen Film wie diesen, mit viel VFX und Drehtagen mit einem umfassenden Kinderensemble und einem hohen Budget wollten wir einem erfahrenen Regisseur zusammenarbeiten und freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit Gregor Schnitzler", so Alexandra Kordes. Schnitzler, der mit Die Wolke" auch schon eine Bestselleradaption für ein jüngeres Publikum realisierte, überzeugte die Schwestern auch inhaltlich. "Er wusste genau, was er haben wollte, kannte die Bücher, weil auch seine Kinder sie lieben. Es hat gleich "inhaltlich gefunkt" zwischen uns", so Meike Kordes über die Entscheidung, mit Schnitzler zu arbeiten.

"Das Budget von 9,5 Mio. Euro für 'Die Schule der magischen Tiere' ist für deutsche Verhältnisse kein geringes", so Meike Kordes, "aber wenn man sieht, dass Family-Entertainment-Titel mit CGI-Hauptfiguren wie "Paddington" ein Budget von 40 Mio. Dollar hatten, ist es dann doch überschaubar. Unser junges Publikum ist natürlich an Standards wie "Peter Hase" oder "Paddington" gewöhnt. Aber wir hatten eine lange Vorbereitungszeit und haben die Charaktere sorgfältig entwickelt und mit unseren Partnern in der VFX ein starkes Team, dass uns helfen wird, die magischen Tiere hochwertig auf internationalem Standard zu produzieren." Kordes & Kordes Film brauchten starke Partner. Als sich "Die Schule der magischen Tiere" zum Bestseller entwickelte, bekundeten mehrere Verleiher ihr Interesse. Mit Concorde und der Tele München Gruppe, der jetztigen Leonine, als Verleih- und Koproduktionspartner starteten die beiden Produzentinnen in die Produktion. "Die inhaltlichen Gespräche mit unseren Partnern im Haus Leonine waren überzeugend und das Vertrauen, das uns entgegengebracht wird, setzt sich auch in entsprechende Zahlen um. Es ist eine große Freude mit starken und kompetenten Partnern wie Fred Kogel und Cosima von Spreti an den magischen Tieren zu arbeiten."

Zum Kinostart Ende November 2020 wird ein Hörspiel und das Buch zum Film sowie ein Soundtrack mit den Songs zum Film erscheinen. Neben einer bzw. mehreren Fortsetzungen plant man gemeinsam auch eine Animationsserie. Der zweite Film soll möglichst mit der bewährten Besetzung und in bewährter Konstellation im Sommer nächsten Jahres umgesetzt werden. Zu den Ko-Produzenten gehört auch die Wiener Firma Wega Film. Mit Veit Heiduschka und Michael Katz, "erfahrene und versierte Partner, die eng mit uns zusammen arbeiten", so Alexandra Kordes, treibt Kordes & Kordes Film auch ein Kinofilmprojekt über Ingeborg Bachmann voran, das im nächsten Jahr in Angriff genommen werden soll. Die diesjährigen Fernsehpreis - und Goldene Kamera-Gewinnerin Andrea Stoll, die die Bachmann-Biografie "Der dunkle Glanz der Freiheit" verfasste, liefert das Drehbuch. Die in den USA lebende Anja Marquardt, die derzeit die dritte Staffel von Steven Soderberghs Serie "The Girlfriend Experience" schreibt und inszeniert, wird Regie führen. Den Kordes-Schwestern ist es wichtig, an diesem Stoff mit einer jungen und international arbeitenden Regisseurin zusammen zu arbeiten "in Gesprächen mit Anja zeigt sich immer wieder, wie heutig die Figur Ingeborg Bachmann doch ist. Diese Geschichte erzählt zudem nicht nur eine unglaublich vielschichtige Frauenfigur, sondern ein großes Stück europäischer Kulturgeschichte".

Mit der bei Leonine kürzlich zum Head of Co-Finance and Co-Production beförderten von Spreti arbeiten die Schwestern auch bei einem internationalen Serien-Projekt zusammen, einer Agenten-Geschichte, die in den 60er Jahren spielt. Im Family-Entertainment-Bereich entwickeln Kordes & Kordes Film die Kinoadaption von Christiane Nöstlingers Bestseller "Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse" über einen überperfekten kleinen Jungen, der bei einer besonders chaotischen Mutter aufwächst. Yasemin Samdereli, die mit Almanya - Willkommen in Deutschland" einen Hit landete, schreibt und wird auch die Regie übernehmen. Fürs Bestager-Publikum gedacht ist die Adaption von Elke Heidenreichs und Bernd Schroeders "Alte Liebe" um ein seit 40 Jahren verheiratetes Paar. Kordes & Kordes Film sicherte sich außerdem die Rechte an einer historischen Bestseller-Reihe, die auch in den USA erfolgreich ist für ein Serienprojekt. Die genannten Projekte seien aber "nur die Spitze des Eisbergs", so Meike Kordes. Kordes & Kordes Film hat so viele Projekte in der Pipeline, dass die Schwestern inzwischen auch mit freien Produzenten (wie etwa beim kürzlich beim Filmfest Hamburg gezeigten ZDF-Krimi "Das Gesetz sind wir") und Investoren zusammenarbeiten. "Wir kommen vom Arthouse. Die Qualitäten, die wir dort gelernt haben, nutzen wir jetzt im kommerzielleren Rahmen. Wir wollen ein großes Publikum ansprechen, im Kino, Fernsehen und auf anderen Plattformen, nicht mit platten Umsetzungen, sondern so wie man es von Kordes & Kordes Film gewöhnt ist, mit substanziellem Erzählen und sorgfältiger Stoffentwicklung", so Alexandra Kordes und Meike Kordes ergänzt: "Unsere Firma hat sich inhaltlich und wirtschaftlich weiterentwickelt. Dafür suchen wir Partnerschaften." Kordes & Kordes Film führen Gespräche mit verschiedenen Playern. Die Zusammenarbeit mit Förderern und Sendern bleibt wichtig, auch wenn die Schwestern das abnehmende Engagement der Sender für Kinoprojekte bedauern: "Außergewöhnliche Filme, die sich etwas trauen, die sich nicht in übliche Formate zwängen lassen, sind eigentlich nur noch beim Nachwuchsfilm möglich, wie etwa bei 'Systemsprenger'. Filme wie 'Vier Minuten', 'Das Leben der Anderen' oder 'Toni Erdmann' wären ohne das Engagement der öffentlich-rechtlichen Sender und der Filmförderungen nicht möglich gewesen. Sie haben viele Zuschauer erreicht - und noch viel mehr: Sie prägen die Wahrnehmung des deutschen Films in der Welt! Das müssen wir anerkennen und vor allen Dingen schützen und erhalten!"

Heike Angermaier