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Queer in den Medien

Die Queer Media Society (QMS), ein ehrenamtlich organisiertes Netzwerk nicht-heteronormierter Medienschaffender, hatte zu einer Panel-Diskussion während des Filmfests geladen - und alle alle kamen und füllten den Carl-Amery-Saal bis auf den letzten Platz.

03.07.2019 06:42 • von Barbara Schuster

Warum z.B. ein queeres Experiment wie die Serie "Dr Klein" vom ZDF abgesetzt wurde, wollte Moderator Kriss Rudolph, Chefredakteur des Magazins Mannschaft, von Bavaria-Fiction-Produzent Torsten Lenkeit wissen, der sie viele Jahre verantwortet hatte. Der Verdacht liegt nahe, dass die Angst um die Quote am prominenten 20h15-Sendeplatz die Verantwortlichen umtrieb. Regisseurin Connie Walther, deren neuer Kinofilm "Die Rüden" fertig gestellt ist, wies darauf hin, dass auch viele Kino-Stoffe einfach nicht weiterentwickelt würden, wenn sie nicht als passend empfunden werden - es gäbe ein Nadelöhr, dass es zu überwinden gelte. Und das sei, da war man sich einig, wie bei Pro Quote Film auch beim Thema Diversität nur mit einer Quote möglich. QMS fordert daher, dass sieben Prozent des Outputs aller Medien-Produktionen mit "LSBTTIQ-Themen & Inhalten" belegt werden. Schauspielerin Luise Helm wies darauf hin, dass es nicht so wahnsinnig viele queere Rollen gäbe, dass man mal eben eine ablehnen könne, andererseits aber auch nicht nur "darüber" definiert werden wolle. Sie sprach sich klar für das Outing aus. Als Schauspieler biete man nun mal eine Projektionsfläche: "Wieso soll mein Privatleben privater sein als deins", fragte sie. Und: "Was stört eigentlich daran? Ich finde mich super." Von seinen Erfahrungen als erster schwuler und schwarzer Kommissar in "Der Alte" berichtete Pierre Sanoussi-Bliss. Er stellt eine Rückwärtsentwicklung fest. Damals sei seine Besetzung kein Thema gewesen, heute beklagt er die mangelnde Diversität: Alles sei politisch korrekt und "weiß- und weichgespült". Die Casterin Daniela Tolkien nannte als einen der Gründe für ihren Erfolg, dass sie kompromisslos immer die beste Besetzung für ihre Rollen suche: "Mein Auftraggeber ist das Drehbuch", die sexuellen Präferenzen ihrer Schauspieler interessieren sie nicht, "auch Schwule können ideal für Hetero-Rollen sein". An Casting-Agenten wird die Frage, ob sich ein Schauspieler outen solle oder nicht, aber natürlich immer wieder herangetragen, erzählt Schauspielagentin Pamela Hammes-Fischer von der Agentur Fischer & Partner. Sie befürworte das grundsätzlich, vor allem bei jungen Schauspielern, auch wenn man von Fall zu Fall abwägen müsse. Aus dem Publikum erzählte, unter viel Applaus, der Moderator und Schauspieler Jochen Schropp von seinen Erfahrungen. Er hatte sich 2018 geoutet, gegen den damaligen Rat seiner Agentin. Die Folge war alles andere als ein Karriereknick.

Einig war man sich, dass das sexuelle Outing eines Schauspielers keine Relevanz für die Besetzung haben dürfe. Die Bedenkenträger säßen meist in den Redaktionen. Dabei hätten die öffentlich-rechtlichen Sender mit der Abbildung der Gesellschaft, wie sie ist, auch einen Bildungsauftrag zu erfüllen. Ein Vorreiter in Sachen Diversität sei Netflix, berichtete Tolkien. Aus dem Publikum kam noch der Hinweis auf eine generelle Offenheit, gender-fluid. Schließlich wolle man sich, ob als Schauspieler oder nicht, nicht festlegen, ob man jetzt oder in 20 Jahren lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell, transgender, intersexuell oder queer (LSBTTIQ) sein wolle.

Marga Boehle