TV

Martin Böttcher verstorben

Mit Martin Böttcher ist am 20. April einer der bedeutendsten und erfolgreichsten deutschen Filmmusikkomponisten verstorben. Der Schöpfer der Musik zu zehn Karl-May-Filmen wurde 91 Jahre alt.

23.04.2019 10:58 • von Dietmar Schwenger
Verstorben: Martin Böttcher, hier beim Deutschen Musikautorenpreis 2017 (Bild: MusikWoche)

Mit Martin Böttcher ist am 20. April 2019 einer der bedeutendsten und erfolgreichsten deutschen Filmmusikkomponisten verstorben. Der Schöpfer der Musik zu zehn Karl-May-Filmen wurde 91 Jahre alt.

Böttcher, der am 17. Juni 1927 in Berlin als Urenkel eines Weimarer Hofkapellmeisters geboren wurde, begann seine Karriere nach dem Krieg beim damaligen Nordwestdeutschen Rundfunk, wo er unter anderem als Gitarrist mit James Last zusammenarbeitete. 1955 schrieb er zum Film "Der Hauptmann und sein Held" erstmals eine Filmmusik, mit den Soundtracks zu Filmen wie "Die Halbstarken" oder "Endstation Liebe" wurde er nicht nur schnell bundesweit bekannt, auch seine unverkennbare Handschrift - ein ganz spezielle Art, Streicher und Bläser zu arrangieren - zeigte sich sehr früh.

In den 50er- und 60er- Jahren stieg er zu einem der wichtigsten deutschen Filmmusikkomponisten auf. Er schrieb unter anderem die Musik zu Verfilmungen von Edgar-Wallace-Krimis und den "Pater Brown"-Filmen mit Heinz Rühmann. Sein größter Erfolg gelang ihm ab 1962, als er die prägende Musik zu zehn Karl-May-Filmen schrieb. In den Kritiken hieß es, dass die melancholisch emotionale Musik Böttchers zum großen Erfolg der "Winnetou"-Filme entscheidend beigetragen habe.

In den Siebzigern verlagerte sich seine Arbeit mehr und mehr ins Fernsehen. Böttcher schrieb die Musik zur TV-Verfilmung des Orientzyklus von Karl May "Kara Ben Nemsi Effendi", zeichnete aber auch für die Musik zu Kriminalserien wie "Derrick", "Der Alte", "Kriminaldezernat K1" verantwortlich. In den 80er- und 90er-Jahren waren es Serien wie "Der Trotzkopf". "Forsthaus Falkenau", "Schöne Ferien" oder "Cluedo", die Böttcher musikalisch veredelte.

Mit der Musik zu "Winnetous Rückkehr" kehrte Böttcher 1998 noch einmal zur Karl-May-Themenwelt zurück. Bis ins hohe Alter blieb der Komponist aktiv. So verfasste er bis 2013 die Musik zu den "Pfarrer Braun"-TV-Filmen mit Ottfried Fischer. Auch bei der Neuverfilmung des "Winnetou"-Stoffs im Jahr 2016 bedienten sich die Autoren bei den Motiven von Böttcher.

Martin Böttcher gehörte wegen seines großen Erfolges auch zu den Pionieren der Soundtrackveröffentlichungen in Deutschland. Seine bei Polydor erschienene Single mit dem "Old Shatterhand"-Thema stand hoch in Charts, auch die Soundtrack-Alben waren nicht minder erfolgreich und öffneten das Tor für das Soundtrack-Genre.

Nach seiner Zeit beim heutigen Universal-Music-Label Polydor wechselte er später zu Warner Music. Beide Firmen haben seitdem den Künstler mit vielen Zusammenstellungen und Wiederveröffentlichungen gewürdigt. Auch Labels wie Bear Family oder Colosseum haben Musik von Böttcher in ihrem Programm. Zudem kümmert sich sein langjähriger Verlag, Schacht Musik, aufopferungsvoll darum, dass seine Werke im Gespräch und verfügbar bleiben.

So veranstaltet münchemusik seit 2019 Liveaufführungen der Filmmusik zu "Der Schatz im Silbersee", bei der ein Orchester die Musik von Böttcher für den Karl-May-Film originalgetreu aufführt.

Der immer aufgeschlossene und von Kollegen wie Journalisten überaus geschätzte Martin Böttcher war ein gern gesehener Gast bei Branchenveranstaltungen und engagierte sich auch bei der GEMA für Kreative und Autoren. 2016 zeichnete ihn die Verwertungsgesellschaft beim Deutschen Musikautorenpreis für sein Lebenswerk aus. Darüber hinaus erhielt er zahlreiche andere Auszeichnungen - darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande.