Kino

Warner-Chef Tsujihara unter Verdacht

Gerade erst wurde Warner-Entertainment-Chef Kevin Tsujihara im Zuge der umfassenden Reorganisation von WarnerMedia befördert. Nun wird bekannt, dass interne Untersuchungen gegen den Studiochef eingeleitet wurden, er könne seinen Einfluss benutzt haben, der Schauspielerin Charlotte Kirk Rollen in Filmen seines Studios zu beschaffen. Auslöser ist ein investigativer Artikel im Branchenmagazin Hollywood Reporter.

07.03.2019 07:34 • von Thomas Schultze
WarnerMedia strengt eine Untersuchung gegen Kevin Tsujihara an (Bild: Warner Bros)

Gerade erst wurde Warner-Entertainment-Chef Kevin Tsujihara im Zuge der umfassenden Reorganisation von WarnerMedia befördert. Nun wird bekannt, dass interne Untersuchungen gegen den Studiochef eingeleitet wurden, er könne seinen Einfluss benutzt haben, der Schauspielerin Charlotte Kirk, mit der er eine Affäre gehabt haben soll, Rollen in Filmen seines Studios zu beschaffen. Auslöser ist ein investigativer Artikel im Hollywood Reporter, der nicht nur auf zahlreichen Quellen fußt, die mit dem Vorgang zu tun hatten, sondern vor allem auf einer Vielzahl von Textnachrichten zwischen dem verheirateten Tsujihara und der Schauspielerin, sowie zwischen ihr und den beiden Managern James Packer und Brett Ratner von RatPac Entertainment, die die Schauspielerin mit dem Warner-Chef 2013 bekannt gemacht hatten, ungefähr zu der Zeit, als sich deren Firma mit einem lukrativen Finanzierungsdeal über 450 Mio. Dollar an Warner Bros. band.

Bereits 2017 waren die Anschuldigungen schon einmal untersucht worden. Damals war man bei Warner aber zu dem Schluss gekommen, Tsujihara habe seine Macht nicht missbraucht. Damals hatte der Manager angegeben, keine sexuelle Beziehung zu Charlotte Kirk gehabt zu haben. Die vom Hollywood Reporter in seinem Artikel veröffentlichten Textnachrichten widersprechen dem indes.

Kirk hatte zunächst eine Beziehung zu James Packer, einem australischen Medienmogul und Milliardär, der mit Hilfe des Regisseurs und Produzenten Brett Ratner in Hollywood einsteigen wollte. Ratner eilt ein nicht gerade vorteilhafter Ruf voraus, was den Umgang mit Frauen anbetrifft: Als die #metoo-Bewegung im Herbst 2017 Fahrt aufnahm, war er einer der Ersten, die nach Anschuldigungen mehrerer Frauen, er habe sich ihnen sexuell aufgedrängt, ins Kreuzfeuer öffentlicher Kritik gerieten: Warner Bros. löste in der Folge die Partnerschaft mit ihm auf, er hat seither nicht mehr in Hollywood gearbeitet. Packer hatte bereits zuvor nach empfindlichen finanziellen Einbußen seine Anteile an RatPac Entertainment verkauft. 2013 waren die beiden allerdings noch auf dem aufsteigenden Ast: Ein Abschluss mit Warner Bros. stand kurz bevor. Zu dieser Zeit machte Packer den gerade erst zum Warner-Chef beförderten Tsujihara, damals 48 Jahre alt, mit der 20-jährigen Britin Charlotte Kirk bekannt. Packer hatte ihr, so legen es die Textnachrichten nahe, wohl in Aussicht gestellt, Rollen in Filmen des Studios bekommen zu können, wenn sie Tsujihara gefällig wäre.

In der Folge stellten sich die Filmangebote allerdings nicht in der Reichhaltigkeit ein, wie Kirk sich das vorgestellt hatte - in den Textnachrichten betont Tsujihara wiederholt, seine Hände seien gebunden, er könne bestenfalls Kontakte herstellen, aber nicht über die Besetzung von Rollen in Filmen des Studios verfügen. Schließlich hatte sie nur winzige Rollen in der New-Line-Produktion How to Be Single" (New Line ist eine Tochter von Warner Bros.) und dem Warner-Film Ocean's 8". Als die Schauspielerin nicht lockerließ, schaltete sich wieder Brett Ratner ein und versuchte zu vermitteln. Unter anderem soll er 2016 eine schriftliche Vereinbarung vorbereitet haben, in der er Kirk eine Rolle in seiner nächsten Regiearbeit zusicherte, die dann aber wieder zurückgezogen wurde. Offenbar hatte Charlotte Kirk zu dieser Zeit einen Draht zu Millennium Pictures von Avi Lerner bekommen, für dessen Filme Vice" und First Kill" sie kleine Rollen spielte; gerade erst drehte sie in Bulgarien, wo Millennium mehrere Studiohallen betreibt, eine Hauptrolle in "Nicole & I", ein Film, an dem Millennium selbst allerdings nicht beteiligt ist.

Nun wird man abwarten müssen, wie das Ergebnis der internen Untersuchung bei WarnerMedia ausfallen wird. In einem von ihr beglaubigten Statement betont Charlotte Kirk gegenüber dem Hollywood Reporter, zu keinem Zeitpunkt hätten sich Kevin Tsujihara, James Packer und Brett Ratner ihr gegenüber unangemessen verhalten. Auch Tsujiharas Anwalt betont, sein Mandant habe sich korrekt verhalten und keine direkte Rolle gespielt, der Schauspielerin Rollen zu verschaffen. Bis auf Weiteres bekleidet Tsujihara alle seine Ämter wie gehabt. Mehrere Quellen versicherten Variety, das Studio stünde hinter seinem CEO, der gerade erst im Zuge der Reorganisation von WarnerMedia nach der Übernahme durch AT&T zusätzlich zu seinem bisherigen Aufgabengebiet die Kontrolle über das Cartoon Network und die Animationsabteilung übernommen hat. Tsujihara, der seit 1994 bei Warner Bros. ist und 2013 nach einem Machtkampf mit dem damaligen Filmchef Jeff Robinov und den damaligen TV-Chef Bruce Rosenblum die Leitung des Filmstudios übernommen hat, gilt als enger Vertrauter von WarnerMedia-CEO John Stankey. Unter seiner Führung wurden das DC-Comics-Universum, die "Lego"-Filme und die "Phantastische Tierwesen"-Reihe als Grundsteine der Warner-Filmstrategie verankert. Er gab das Go für die sensationell erfolgreiche Verfilmung von "ES" und hatte im vergangenen Jahr zwei überwältigende Überraschungserfolge mit Crazy Rich" und "A Star Is Born".