Film

"Harrison Ford allein ist Event genug"

01.07.1998 00:00 • von
Blickpunkt:Film: Ihr Film sorgte bereits im Vorfeld für Schlagzeilen, weil es nach dem Outing von Anne Heche zu Uneinigkeit darüber gekommen sein soll, ob sie die richtige Schauspielerin für eine romantische Rolle an der Seite von Harrison Ford ist.

Ivan Reitman: Da wurde von den US-Medien eine Mücke zum Elefanten gemacht. Uns war bereits beim ersten Termin von Anne Heche bekannt, daß sie die Partnerin von Ellen DeGeneres ist. Wäre das ein Problem für uns gewesen, hätten wir sie von Anfang an nicht genommen. Anne hat uns die Entscheidung leichtgemacht: Sie war ganz einfach die Beste für die Rolle.

BF: Wie reagiert man als Regisseur, wenn das Interesse der Öffentlichkeit sich vom Film weg auf unkontrollierbare Elemente der Produktion konzentriert?

IR: Das machte mir keine Sorgen. Wie gesagt: Wir wußten, was Anne auf dem Kasten hat. Und wir hatten einen Vorsprung: Wir kannten die Dailies, die uns zeigten, daß wir auf dem richtigen Weg waren. Wenn ich unsere Ergebnisse am Startwochenende und die Tatsache, daß wir auch am zweiten Wochenende noch vorn mitmischen, ansehe, dann sehe ich mich bestätigt. Ich bin der Überzeugung, daß den meisten Kinogängern die sexuelle Orientierung der Darsteller egal ist, wenn sie sich nur gut unterhalten fühlen.

BF: Die Kinolandschaft hat sich seit Ihren ersten Erfolgen extrem verändert. Waren Sie besorgt, sich mit Ihrem Film Eventmovies wie "Godzilla" und "Armageddon" zu stellen?

IR: Nun, ich würde sagen, ein Harrison Ford allein ist Event genug. Wir waren überzeugt, daß wir mit unserem Film würden bestehen können, weil alle Elemente darauf hinwiesen, daß ein großes Publikum seinen Spaß haben würde. Hätten wir nicht an das Projekt geglaubt, wäre der Film nie gedreht worden. Die Gefahr der Blockbuster-Mentalität, am ersten Wochenende soviel Geld wie möglich einspielen zu müssen, sehe ich anders: Diese Einstellung treibt die Kosten für Filme in astronomische Höhen.

BF: Wie teuer war "Sechs Tage, sieben Nächte"?

IR: 75 Millionen Dollar.

BF: Eine ungeheure Summe für einen Stoff, den Produzent Roger Birnbaum vor drei Jahren noch als kleines, romantisches Projekt bezeichnete.

IR: Na ja, Harrison Ford spielt nunmal nicht für ein Taschengeld. Dafür bürgt sein Name dann auch für volle Kinos. Erschwerend kam hinzu, daß wir durch den Dreh auf Kauai mit ungeheuren logistischen Problemen zu kämpfen hatten. Was das "kleine, romantische Projekt" anbetrifft: Wir haben enorm viel Action aus dem Drehbuch entfernt, um die Beziehung zwischen Harrison und Anne mehr in den Mittelpunkt zu rücken.

BF: Es heißt, Harrison Ford nehme viel Einfluß auf die Produktion und die Entwicklung der Geschichte.

IR: Das ist das Vorrecht eines Superstars. Würde er das nicht machen, wäre er nicht da, wo er heute ist. Sein Instinkt für Dinge, die kommerziell funktionieren, ist absolut untrüglich. Er ist der beste Regieassistent, den ich jemals hatte - und überdies ein erschreckend unterschätzter Schauspieler: Niemand kann mit dem bloßen Zucken einer Augenbraue mehr sagen als er.

BF: Werden Sie weiterhin der Komödie treu bleiben?

IR: Ich habe gegenwärtig noch kein neues Projekt, kann mir aber gut vorstellen, einen ernsteren Stoff in Angriff zu nehmen, in dem dann aber sicherlich auch Humor eine gewisse Rolle spielen wird. Ich habe es nie darauf angelegt, ein Komödienregisseur zu sein. Aber seit meiner Jugend sind alle Geschichten, die ich erzähle, immer Komödien gewesen. Vielleicht liegt es mir einfach im Blut.

BF: Es heißt, Dan Akroyd habe Sie angesprochen, bei einem dritten und vierten Teil von "Ghostbusters" Regie zu führen, die hintereinander entstehen sollen.

IR: Er will gleich zwei Teile drehen? Das wußte ich nicht. Dan sprach mich vor etwa einem Jahr an, ob ich Interesse hätte. Ich war wenig begeistert, weil ich finde, daß ich schon den zweiten Teil nicht hätte drehen sollen. Wenn ich richtig informiert bin, soll Harold Ramis für mich einspringen.