Produktion

Nachgefragt bei Dreifilm

Dreifilm feiert am 15. Januar Premiere von Erec Brehmers "La Palma" im Wettbewerb des Max-Ophüls-Preis Festival. Blickpunkt:Film sprach mit Alexander Fritzemeyer, mit Martin Kosok Gründer der Münchner Produktion, über den Film und die Zukunft der jungen Firma.

09.01.2019 12:50 • von Heike Angermaier

Dreifilm feiert am 15. Januar Premiere von Erec Brehmers "La Palma" im Wettbewerb des Max-Ophüls-Preis Festival. Blickpunkt:Film sprach mit Alexander Fritzemeyer, mit Martin Kosok Gründer der Münchner Produktion, über den Film und die Zukunft der jungen Firma.

Was bedeutet die Teilnahme von "La Palma" im Wettbewerb des Max-Ophüls-Preis für Sie?

Nachdem wir mit "Terrier" von Ozan Mermer 2016 schon in Saarbrücken waren, freuen wir uns sehr, dass "La Palma" hier seine Weltpremiere feiert. "La Palma" ist Erec Brehmers Abschluss an der HFF München. Aufgrund seiner Bedeutung im Nachwuchsbereich ist das Festival eine super Plattform für den Film.

War es schwierig, den Film auf die Beine zu stellen, auf der Insel zu drehen?

Es war schon eine Herausforderung, laut Julian Anselmino, der das Projekt als federführender Produzent betreut hat. Sowohl organisatorisch, als auch finanziell. Der Kameramann Julian Krubasik kennt La Palma aber gut und sie hatten eine angemessene Vorbereitungszeit. Aber insbesondere der Dreh mit einem kleinen und sehr motivierten Team, das nur aus tollen Leuten bestand, und die hilfsbereiten Menschen vor Ort, die das Projekt trotz weitgehend fehlender filmischer Infrastruktur immer unterstützt haben, waren der Schlüssel zum Erfolg.

Mit Schau mich nicht so an" von Uisenma Borchu hatten Sie einen ersten Film mit regulären Kinostart. Für "La Palma" ist auch bereits einer vorgesehen. Wie sind Sie zu Four Guys gekommen?

Ein früherer HFF-Kommilitone arbeitet für die Four Guys in Frankfurt und wurde früh auf den Film aufmerksam. Nach dem Screening waren die Jungs begeistert und wollten den Film unbedingt herausbringen. Wir schätzen die Offenheit und Gespräche auf Augenhöhe und sind uns sicher, dass der Film bei ihnen in guten Händen ist.

Sie haben in der Vergangenheit vor allem Filme gemeinsam mit der Hochschule für Fernsehen und Film München, an der sie studierten, und Werbeclips produziert. Wie stellen Sie sich mit Dreifilm in der Zukunft auf?

Die HFF hat es uns ermöglicht, ganz verschiedene Formate auszuprobieren ohne dabei an kommerzielles Potential zu denken. Das musste sich danach natürlich ändern. Mit den Stoffen, die wir im letzten Jahr, zum großen Teil mit früheren Kommilitonen, entwickelt haben, sehen wir uns gut aufgestellt, auch weil diese ganz deutlich auf den Markt zugeschnitten sind. Die Werbung haben wir bewusst etwas in den Hintergrund gestellt, aber Kunden wie die Münchner Philharmoniker betreuen wir nach wie vor total gerne.

Sie realisieren fiktionale und dokumentarische Stoffe, lange und kurze Formen. Wie würden Sie Ihren Schwerpunkt beschreiben? Was zeichnet Dreifilm aus?

Da wollen wir uns nicht festlegen. Im gegenwärtigen Marktumfeld würde es uns etwas antiquiert erscheinen, wenn wir uns auf eine spezifische Art von Content konzentrieren. Wenn eine Idee wirklich gut ist, findet sich das passende Format und für das Format der entsprechende Kanal und die richtigen Partner. Als proof of concept kann auch ein Kurzfilm total Sinn machen: wir haben mit dem BR und Arte gerade "Jupiter" vonBenjamin Pfohl produziert, den wir jetzt als abendfüllenden Spielfilm realisieren wollen. Was uns auszeichnet? Uns ist schon die enge Zusammenarbeit mit den Autoren super wichtig, darüber wollen wir uns profilieren. Unsere Autoren und Regisseure haben bei uns immer einen Platz zum Arbeiten, was auch träge Arbeitsprozesse vermeidet, die wir uns gar nicht leisten können.

Was sind Ihre nächsten konkreten Projekte?

Mit Network Movie, ZDF und Arte wollen wir in diesem Jahr das Kino-Projekt "Der Passfälscher" von Maggie Peren realisieren, ein toller historischer, aber brandaktueller Stoff, modern erzählt, mit Louis Hofmann und Jonathan Berlin in den Hauptrollen. Außerdem ein Show-Format mit einem Streaming-Anbieter im Sport-Bereich und mit Chiara Grabmayr arbeiten wir an "A Hyper Love", bei dem Martin zusammen mit Kristina Magdalena Henn das Drehbuch geschrieben hat. Zudem haben wir einige Serienstoffe im Development, die wir jetzt beginnen zu packagen.

Sie arbeiten unter dem Dach der X Filme Holding. Wie sieht die Zusammenarbeit aus?

Wir sind jetzt seit gut einem Jahr in der Gruppe und schätzen die Zusammenarbeit sehr. Einerseits entlastet ihr Backoffice unseren Overhead, was gerade am Anfang sehr hilfreich war. Aber im Prinzip stellen wir auch alle Projekte in Berlin vor und überlegen gemeinsam, ob sich Synergien ergeben, wie im Fall vom "Passfälscher", den der X-Verleih herausbringen wird. Grundsätzlich sind wir aber frei in unserem Tun und genießen volles Vertrauen.

Wie teilen Sie sich die Arbeit untereinander auf?

Jedes Projekt hat einen hauptverantwortlichen Produzenten, aber wir informieren uns permanent und treffen strategische Entscheidungen nur gemeinsam. Grundsätzlich kann man sagen, dass Martin tiefer in der Stoffentwicklung steckt und ich mich mehr um die Kommunikation und wirtschaftliche Themen kümmere. Wir sind unterschiedliche Charaktere und ergänzen uns gut. Auch nach fünf Jahren gemeinsamer Arbeit haben wir noch viel Spaß zusammen.

Sie führen die Firma zu zweit. Wer ist die Nummer drei bei Dreifilm?

Wir haben die Firma zwar ursprünglich mit Julian Anselmino gegründet, aber grundsätzlich steht Dreifilm für die drei Arten von Content die wir herstellen: Fiction, Dokumentarfilm und Werbung.

Die Fragen stellte Heike Angermaier