Kino

FSK entwickelt Selbstklassifizierungssystem

Was im Onlinebereich schon Usus ist, könnte in absehbarer Zeit auch für Kinofilme und Inhalte auf physischen Trägermedien Realität werden: Rechteinhaber sollen die Möglichkeit erhalten, rechtssichere Altersklassifikationen über ein webbasiertes System zu erhalten. Die traditionelle Gremienprüfung würde dadurch (zumindest weitgehend) obsolet.

11.12.2018 14:55 • von Marc Mensch

"Bewährtes beizubehalten und neue Möglichkeiten zu nutzen", ist nach Angaben der SPIO erklärtes Ziel hinter einem Projekt, das sich derzeit in einer frühen Entwicklungsphase befindet. Demnach arbeitet die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) aktuell in enger Zusammenarbeit mit den Obersten Landesjugendschutzbehörden an einem Selbstklassifizierungssystem für filmische Inhalte. Dieses webbasierte System soll Rechteinhaber künftig auch hinsichtlich der Einstufung von Kinofilmen und Inhalten auf physischen Trägermedien in die Lage versetzen, rechtssichere Altersklassifikationen für filmischen Inhalte zu erhalten - und das laut einer Mitteilung der SPIO "sehr schnell sowie zeit- und ortsunabhängig".

"Die Jugend- und Familienministerkonferenz hat die Zeichen der Zeit erkannt und im Vorfeld der geplanten Novellierung des Jugendschutzgesetzes die Weiterentwicklung moderner technischer Schutzsysteme begrüßt", heißt es seitens der SPIO zum Hintergrund dieses Schrittes.

Konkret soll das Selbstklassifizierungssystem der FSK auf einem webbasierten dynamischen Formular mit Fragen zu den Risikodimensionen des Jugendschutzes wie Gewalt, Sexualität, Diskriminierung oder Drogenkonsum fußen. Ein definierter Algorithmus soll die Antworten entsprechend gewichten und auf dieser Basis automatisch Altersbewertungen generieren. Klare Vorgabe: "Die Ergebnisse werden den etablierten Jugendschutzstandards und der bewährten Spruchpraxis der FSK entsprechen", so die SPIO.

Wie SPIO-Geschäftsführerin Christiane von Wahlert auf Nachfrage von Blickpunkt: Film erklärte, befindet sich der Algorithmus trotz des frühen Stadiums (aktuell steht das mathematische Kernkonzept im Fokus) schon in einer ersten Testphase, in der Studenten bereits von der FSK geprüfte Titel anhand des Fragebogens bewerten. Die Ergebnisse dieses Vorgehens werden mit den FSK-Siegeln verglichen - angestrebt ist hier eine "Deckungsrate" von "weit über 90 Prozent". Tatsächlich würde der Algorithmus schon jetzt "erstaunlich gute Ergebnisse" liefern.

Selbstverständlich ist das Ziel eine Rechtssicherheit der automatisch generierten Freigaben, wobei es eventuell einen Sonderfall zu bedenken gilt, wie die SPIO-Geschäftsführerin schildert: Das Vorgehen bei einer "FSK 18" könnte womöglich so aussehen, dass zusätzlich ein Gutachten eingeholt werden muss, um den aktuell durch dieses Siegel gewährten Indizierungsschutz auszulösen. Gerade dies ist aber eine Frage, die sich erst in einem späteren Entwicklungsstadium des Algorithmus konkret stellen dürfte.

Überlegt werde laut Christiane von Wahlert auch, den jeweiligen Beauftragten für das Ausfüllen des Online-Fragebogens ein vorheriges Training aufzuerlegen. Ohnehin würden dem Test entsprechende Selbstverpflichtungen zur wahrheitsgemäßen Beantwortung der Fragen vorgeschaltet. In der Praxis würde das bisherige Gremienverfahren dann perspektivisch auf Stichproben reduziert. In jedem Fall soll das neue System natürlich Compliance mit gesetzlichen Jugendschutzbestimmungen garantieren.

"Altersklassifizierungen sind und bleiben die Basis für einen funktionierenden Jugendmedienschutz - ob im Kino, bei der Veröffentlichung von Bildträgern, im Rundfunk und Online. Auch moderne technische Schutzsysteme, wie sie zum Beispiel von Video-on-Demand-Plattformen eingesetzt werden, setzen auf Altersklassifizierungen. Für Eltern, Kinder und Jugendliche bieten Altersklassifizierungen auch künftig eine valide Entscheidungsgrundlage bei der Auswahl von Inhalten", heißt es abschließend seitens der SPIO.