TV

Update: Aus für die "Lindenstraße"

Die ARD verabschiedet sich von seinem Serien-Dino. Nach 34 Jahren wird die von Hans W. Geißendörfer erschaffene Weekly nicht mehr fortgesetzt. Bei Geißendörfer Film reagiert man mit Unverständnis und Bestürzung auf die Entscheidung.

16.11.2018 12:43 • von Jochen Müller
Ein Bild aus glücklichen Tage als Mutter Beimers Lebensgefährte Erich (Bill Mockridge) noch lebte. (Bild: ARD, WDR)

Das Ende kommt überraschend. Im Gespräch mit Blickpunkt:Film vor knapp zwei Wochen wirkte Hans W Geißendörfer, der Schöpfer des ARD-Dauerbrenners Lindenstraße" noch zuversichtlich, dass die Serie fortgesetzt wird. Es gebe keine Anzeichen, dass der Sender sein Engagement beenden wolle, sagte Geißendörfer. Nun teilt die ARD mit, dass sich ihre Fernsehprogrammkonferenz mehrheitlich gegen eine Verlängerung des Produktionsvertrages mit der Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion ausgesprochen habe. Schluss nach über 34 Jahren. Die letzte Folge wird im März 2020 im Ersten ausgestrahlt.

Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, teilte Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen, mit und sprach von einer "Ikone im deutschen Fernsehen" und von einem "Spiegelbild der Geschichte und Entwicklung unserer Republik". Doch man müsse "nüchtern und mit Bedauern feststellen: Das Zuschauerinteresse und unsere unvermeidbaren Sparzwänge sind nicht vereinbar mit den Produktionskosten für eine solch hochwertige Serie." Hans W. Geißendörfer und seiner Tochter und Nachfolgerin Hana Geißendörfer sowie allen Mitwirkenden sprachen Herres und WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn Respekt und Dank aus. "Wir sind der Gemeinschaft der ARD dankbar, dass sie die 'Lindenstraße' über Jahrzehnte mitgetragen hat und bedauern, dass sie keine Möglichkeit mehr sieht, die Serie fortzuführen. Gleichzeitig verstehen wir, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der ARD geändert haben und Produktionen neu bewertet werden müssen", so Schönenborn.

Hans W. Geißendörfer und Hana Geißendörfer machten in einem gemeinsamen Statement deutlich, dass sie die Entscheidung nicht nachvollziehen können: "Lindenstraße steht für politisches und soziales Engagement, für Meinungsfreiheit, Demokratie, gleiche Rechte für alle und Integration, was in Zeiten von Rechtsruck und Ausländerfeindlichkeit wichtiger ist denn je. Wir sind bestürzt und können nur unser Unverständnis zum Ausdruck bringen, dass die ARD es offenbar nicht mehr als ihren Auftrag sieht, die Serie fortzusetzen, zu deren Kern es gehört, diese Haltung zu vertreten."