Produktion

Sönke Wortmann: "'Der Vorname' passt sehr gut in die Zeit"

Sönke Wortmanns neue Komödie "Der Vorname" läuft heute in den Kinos an. Blickpunkt:Film sprach mit dem erfolgreichen Filmemacher u.a. über das Besondere einer Salonkomödie und die Entwicklung seiner Produktionsfirma Little Shark.

18.10.2018 12:38 • von Jochen Müller
Sönke Wortmann (Bild: Mathias Bothor)

Sönke Wortmanns neue Komödie "Der Vorname" läuft heute in den Kinos an. Blickpunkt:Film sprach mit dem erfolgreichen Filmemacher u.a. über das Besondere einer Salonkomödie und die Entwicklung seiner Produktionsfirma Little Shark.

Blickpunkt:Film: "Der Vorname" basiert auf einem französischen Theaterstück und Kinofilm. Wie haben Sie den Stoff "eingedeutscht"?

Sönke Wortmann: Zunächst stellte sich die Frage, ob ein Remake überhaupt sinnvoll ist. Für mich unbedingt. Das Original ging 2012 im deutschen Kino ziemlich unter, und was viel wichtiger ist, sein Thema passt viel besser nach Deutschland als nach Frankreich. Wir haben den Stoff aktualisiert und speziell für Deutschland justiert. So webten wir aktuelle politische Debatten mit ein und Dinge, die nur in Deutschland verstanden werden

BF: Haben Sie sich den Film bzw. das Stück im Theater als Vorbereitung angesehen?

SW: Ich wollte vor ein paar Jahren, das Theaterstück inszenieren. So bin ich überhaupt mit dem Stoff in Berührung gekommen. Das klappte zeitlich nicht. "Le Prénom" habe ich 2012 gesehen, aber als es mit meiner Filmadaption ernst wurde, habe ich ihn mir bewusst nicht noch einmal angesehen. Ich fand es wichtig, sich nicht von einer Vorlage beeinflussen zu lassen, sondern seinem eigenen Gefühl zu folgen.

BF: Dem Film sieht man den Ursprung als Theaterstück an. Fast die gesamte Handlung spielt sich in einem Raum ab.

SW: Der Film schildert ein Abendessen, ist ein Kammerspiel, eine Salonkomödie. Wir gehen selten nach draußen. Aber das ist keine Schwäche des Films, sondern durch die räumliche Begrenzung entsteht eine intensive Atmosphäre. Genau das hat mich gereizt.

BF: Sie haben ein tolles Ensemble. War es schon frühzeitig festgelegt?

SW: Ja. Das liegt auch daran, dass unsere Schauspieler sehr begehrt sind, sie volle Terminkalender haben und man sich sehr früh anmelden muss, um sie zu bekommen. Ziel war, den Film möglichst hochkarätig zu besetzen.

BF: Haben Sie viel geprobt?

SW: Mir war sehr wichtig, zumindest zwei Leseproben mit allen gemeinsam zu haben, die wir dann größtenteils am Wochenende absolviert haben. Die Dialoge sind sehr wesentlich bei diesem Film und die haben wir entsprechend bis in die kleinsten Nebensätze genau durchgearbeitet. Bei einem Film wie diesem muss man sehr präzise sein. Improvisiert haben wir also nicht, auch wenn es den Anschein haben mag, da die Dialoge so locker daherkommen. Das, was man auf der Leinwand sieht, stand genauso im Drehbuch.

BF: Würden Sie gerne wieder mit den sechs zusammenarbeiten?

SW: Das kann ich mir sehr gut vorstellen, auch wenn es nicht mit allen gleichzeitig sein wird. Sie waren klasse!

BF: Sie haben mit zwei Kameras gedreht.

SW: In der Komödie ist das Timing besonders wichtig, da kann es auf eine Zehntelsekunde ankommen. Hat man mehr Material, über zwei Kameras zum Beispiel, hat man auch mehr Möglichkeiten zu schneiden. Und man spart fast doppelt so viel Zeit, wenn man die Kamera nicht umstellen muss. Ich mache das seit vielen Jahren so. Bei US-Produktionen sind zum Teil noch mehr Kameras gleichzeitig im Einsatz.

BF: Sie haben dabei erstmals mit Jo Heim gearbeitet?

SW: Ja, obwohl wir uns schon ewig kennen. Wir waren zusammen auf der Münchner Filmhochschule. Er ist einer der erfolgreichsten und besten Kameramänner und wir wollten schon immer einmal zusammenarbeiten. Jetzt war es dann an der Zeit.

BF: Was war das Schwierigste, die größte Herausforderung bei "Der Vorname"?

SW: Besonders schwierig war nichts, weil wir gut vorbereitet waren und erstklassige Schauspieler hatten. Die Herausforderung bestand höchstens darin, keinen Lagerkoller zu bekommen. Wenn man drei, vier Wochen in einem Haus aufeinander hockt, kann das schon mal passieren. Aber wir haben gemeinsam dafür gesorgt, dass die Stimmung gut blieb. Was ja nicht das Schlechteste bei einer Komödie ist.

BF: Was denken Sie, kann man in der filmischen Adaption besser machen als im Theater?

SW: Film bietet mehr Möglichkeiten: Man kann nach draußen gehen, man kann Rückblicke einbauen, Totalen und Großaufnahmen machen, während man im Theater quasi nur eine Plansequenz hat. Im Film kann man besser akzentuieren. Ein Live-Erlebnis wie im Theater kann der Film dafür nicht bieten. Ich finde nicht, dass ein Medium besser als das andere ist und ich schätze mich glücklich, dass ich beides machen darf! Nach "Frau Müller muss weg" am Grips Theater Berlin habe ich zwei weitere Inszenierungen am Düsseldorfer Schauspielhaus machen dürfen: "Willkommen" von Lutz Hübner und Sarah Nemetz und "Menschen im Hotel" nach dem Roman von Vicki Baum, das erst Mitte September Premiere hatte. Ich lerne sehr viel über Schauspielarbeit dazu, weil es am Theater zu 95 Prozent genau darum geht. Für mich ist das Theater wie ein Trainingslager für Schauspielarbeit.

BF: "Willkommen" ist auch eines der Projekte in Entwicklung bei Ihrer Firma Little Shark.

SW: Wir haben die Filmrechte erworben, aber es gibt noch keine konkreten Pläne und auch kein Drehbuch. Denn es ist ähnlich wie "Der Vorname" und "Frau Müller muss weg" ein Kammerspiel bzw. eine Salonkomödie und ich möchte als nächstes wieder etwas Anderes machen. Mittelfristig ist es eine Option.

BF: "Frau Müller muss weg" war mit 1,2 Mio. Zuschauern ein großer Erfolg. Womit rechnen Sie bei "Der Vorname"? Wie sind die Reaktionen?

SW: Ich bin sehr oft auf den Trailer angesprochen worden. Das sehe ich als ein sehr positives Zeichen. Ich glaube, dass der Film sehr gut in die Zeit passt und einen Nerv treffen kann.

BF: Haben Sie viel mit Testscreenings gearbeitet?

SW: Constantin Film macht immer ein Testscreening mit der ersten Schnittfassung, das vor allem für das Marketing wichtig ist. Uns sind auch ein, zwei kleine Dinge aufgefallen, die wir noch korrigiert haben.

BF: Wie läuft es bei Little Shark seit dem Weggang von Tom Spieß zu Constantin?

SW: Wir haben unsere Aktivitäten etwas zurückgefahren. Wir standen vor zwei Jahren vor der Frage, ob wir das große Rad drehen wollen. Dann hätten wir Leute einstellen und vielleicht auch Projekte übernehmen müssen, hinter denen wir nicht 100 prozentig stehen. Das wollten Meike Savarin und ich nicht. Mit Tom Spieß können wir ja auch so jederzeit zusammenarbeiten - wie "Der Vorname" wunderbar zeigt. Er agierte hier wie gehabt als Produzent nur eben mit Constantin Film. Wir wollten es beide auch mal solo probieren, er bei der Constantin und ich mit Charité" bei UFA Fiction.

BF: Verfolgen Sie ein weiteres Serienprojekt?

SW: "Charité" hat mir sehr viel Spaß gemacht und war auch höchst erfolgreich. Bei der zweiten Staffel hatte ich leider keine Zeit mehr, die hat Anno Saul ganz hervorragend hingekriegt. Aber sollte es eine dritte Staffel geben, würde ich meinen Handschuh wieder in den Ring werfen.

Das Gespräch führte Heike Angermaier