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Vertrauensstelle nimmt Arbeit auf

Unter dem Namen Themis bietet eine überbetriebliche Vertrauensstelle seit heute jenen einen geschützten Raum, die als Beschäftigte aus der Film-, Fernseh- und Theaterbranche sexuelle Belästigung und Gewalt erfahren haben.

01.10.2018 15:41 • von Marc Mensch
"Die Zeit des Schweigens hat viel zu lange gedauert", erklärt Kulturstaatsministerin Monika Grütters anlässlich des Starts der Themis-Vertrauensstelle (Bild: Christof Rieken)

Mitte Februar wurde sie beschlossen, am 31. Mai offiziell gegründet - und am 1. Oktober hat sie nun ihre Arbeit aufgenommen. Die Themis-Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt e.V. berät Betroffene, vermittelt zwischen ihnen und dem jeweiligen Arbeitgeber und setzt sich für Prävention und Aufklärung in den Branchen Film, Fernsehen, Theater und Orchester ein. Beschäftigten dieser Branchen, die im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit sexuelle Belästigung und Gewalt erfahren haben, bietet Themis einen geschützten Raum, in dem sie sich einer Juristin und einer Psychologin anvertrauen können. Die Hilfe soll schnell, professionell und unkompliziert ausfallen. Strikte Vertraulichkeit und auf Wunsch auch Anonymität werden zugesichert.

"Die Zeit des Schweigens hat viel zu lange gedauert. Ich würde mir wünschen, dass Betroffene dieses Angebot intensiv nutzen und damit dazu beitragen, dass inakzeptable Vorfälle offengelegt, Konsequenzen gezogen und begünstigende Strukturen verändert werden können", so Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

"In der Kultur- und Medienbranche besteht aufgrund der besonderen Beschäftigungsrahmenbedingungen die Notwendigkeit, Betroffenen von sexueller Belästigung und Gewalt die Möglichkeit zu bieten, sich außerhalb des Betriebes Hilfe holen zu können. Betriebliche Beschwerdestellen, wie sie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz für herkömmliche Betriebe vorsieht, sind in unserer Branche nicht ausreichend", erklärt Bernhard F. Störkmann, Mitvorstand bei Themis und geschäftsführender Justiziar des BFFS. Man freue sich, dass die Initiative des BFFS nun so große Unterstützung erfahre.

Barbara Rohm, ebenfalls Vorstand bei Themis und bei Pro Quote Film, betont, wie wichtig eine überbetriebliche Vertrauensstelle gerade im Kontext vergleichsweise kleiner Branchen ist, in denen schnell Abhängigkeiten und Näheverhältnisse entstehen würden. "Diese Strukturen befeuern übergriffiges, grenzüberschreitendes Verhalten", so Rohm. Die Angst vor beruflichen Nachteilen im Falle einer Beschwerde müsse man mit einer überbetrieblichen Vertrauensstelle nehmen.

Die Themis-Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt e.V. wurde von siebzehn Brancheneinrichtungen der Film-, Fernseh- und Theaterbranche gegründet. Dazu gehören ARD, ZDF, Bundesverband Casting, Bundesverband Regie, Bundesverband Schauspiel, Bundesvereinigung Maskenbild, Deutsche Akademie für Fernsehen, Deutsche Filmakademie, Deutscher Bühnenverein, Interessenverband Synchronschauspieler (mittlerweile Teil des BFFS), Pro Quote Film, Verband der Agenturen, Verband Deutscher Nachwuchsagenturen, Verband Deutscher Filmproduzenten, Allianz Deutscher Produzenten - Film & Fernsehen, Verband Privater Medien und Ver.di.

Finanziert wird die Vertrauensstelle durch Beiträge öffentlich-rechtlicher und privater Fernsehsender, der Allianz Deutscher Produzenten, der Verwertungsgesellschaft der Auftragsproduzenten und des Deutschen Bühnenvereins. Zudem wird sie von der BKM gefördert.