Produktion

Mathias Schwerbrock zu "The Cakemaker": "Ein Film, der den Zuschauer respektiert"

Die israelisch-deutsche Koproduktion "The Cakemaker" wurde von Israel ins Oscar-Rennen geschickt. Blickpunkt:Film sprach mit Produzent Mathias Schwerbrock von Film Base Berlin vor dem Deutschlandstart.

20.09.2018 12:05 • von Heike Angermaier
Mathias Schwerbrock (Bild: Marcus Phillipp Sauer)

Die israelisch-deutsche Koproduktion The Cakemaker" wurde von Israel ins Oscar-Rennen geschickt. Blickpunkt:Film sprach mit Produzent Mathias Schwerbrock von Film Base Berlin vor dem Deutschlandstart.

Wie sind Sie zu dem Projekt gekommen?

Mathias Schwerbrock: Regisseur Ofir Raul Graizer - er gehört zur großen israelischen Community in Berlin - hat für mich die israelischen Koproduktionen "The Interrogation" von Erez Pery und "The Recognition" von Sharon Ryba-Khan geschnitten. Er zeigte mir seine Kurzfilme und fragte, ob ich sein Langfilmdebüt mitproduzieren wolle.Itai Tamir von Laila Productions und er haben das Projekt bereits einige Jahre entwickelt bevor ich mit eigenen Kapital eingestiegen bin. "The Cakemaker" ist ein Low-Budget-Film, der in nur 15 Tagen Dreh in Jerusalem und fünf Tagen in Berlin entstand.

Wie wurde "The Cakemaker" zur israelischen Oscar-Einreichung?

MS: Der Film wurde beim israelischen Filmpreis, den Ophir Awards, gleich sieben Mal ausgezeichnet, u.a. als Bester Film. Damit qualifizierte er sich als Einreichung für eine Nominierung für den Oscar für den besten fremdsprachigen Film.

Der Film lief auch bereits einige Wochen in den nordamerikanischen Kinos. Wie lief er anderswo?

MS: Strand startete ihn Ende Juni. Der kleine Verleih hat nicht unbedingt das Budget für eine große Oscar-Kampagne. Mit Son of Saul" hat bereits ein kleiner Film den Oscar gewinnen können. Aber jetzt muss man erst einmal abwarten, ob "The Cakemaker" nominiert wird. In Israel kam er auf bemerkenswerte 130.000 Zuschauer. In Südkorea lief er in 80 Kinos. Ich freue mich sehr über den Erfolg und dass es ein US-Remake geben wird.

Wie erklären Sie sich den Erfolg?

MS: Der Film berührt die Zuschauer. Überraschenderweise wird er vor allem von einem weiblichen Publikum gesehen und nicht nur von der Gay Community wie man hätte vermuten können. Diese Reise eines jungen Deutschen von Berlin nach Jerusalem spricht einen viel weiteren Kreis an. Außer eine Liebesgeschichte zu erzählen wird im Film ja auch das Kulinarische, deutsche und israelische Geschichte, Religiosität usw. thematisiert. "The Cakemaker" ist ein sehr vielschichtiger Stoff und ein Film, der den Zuschauer respektiert und zum Mitdenken auffordert.

Was erwarten Sie vom Start in Deutschland?

MS: In Deutschland kommt er im 1. November über Missing Films in die Kinos. Ich bin sehr gespannt, wie das deutsche Publikum den Film aufnehmen wird, aber zuversichtlich, dass es sich auch ohne großes Marketingbudget über Mundpropaganda herumspricht, dass es sich bei "The Cakemaker" um einen tollen Film handelt. Missing Films ist ein kleines Label, das starke Independentfilme im Programm hat und mit dessen Arbeit ich sehr zufrieden bin.

Der Film ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich, u.a. wird hebräisch, englisch und deutsch gesprochen.

MS: Der Film läuft nirgends in einer synchronisierten Version. Die verschiedenen Sprachen sorgen mit für die Authentizität, die die große Qualität des Films ist.

Was planen Sie als nächstes?

MS: Ich überlegte mir bereits bei "The Cakemaker", ob ich mir ein Debüt zumuten sollte, das oft schwieriger zu realisieren ist, aber Ofir Raul Grazier ist einfach ein toller Regisseur. Ähnlich dachte ich über Mahtab Ebrahimzadeh, als ich ihre Kurzfilme sah. Wir wollen "Harir", ein Roadmovie, im nächsten Jahr im Iran drehen. Trotz oder gerade wegen der schwierigen Situation dort, ist es für mich eine reizvolle Herausforderung nach Filmen in Israel, Indien oder Südkorea im Iran zu drehen, das eine beeindruckende Filmtradition hat. Shahab Hosseini, Asghar Farhadis "Salesman" und ein Star im Iran, übernimmt die Hauptrolle und wird auch koproduzieren. Wir planen mit einem vorwiegend deutschen Team zu drehen und die Postproduktion in Deutschland zu machen. Wie "The Cakemaker" ist auch "Harir" ein Low-Budget-Projekt mit einer originellen Geschichte, die erzählt werden muss.

Wie sieht es mit deutschen Projekten aus?

MS: Ich bereite mit dem Autor Arion Ahrens bereits seit Jahren einen Spielfilm über die Ereignisse in Rostock-Lichtenhagen 1992 vor, bei dem Andres Veiel die Regie führen soll und wir entwickeln eine Serie mit einem russischen Partner, die vorwiegend in Deutschland und Russland um 1989 spielen wird.

Das Gespräch führte Heike Angermaier