Kino

Jochen Laube: "Man muss sich engagieren"

Sommerhaus-Produzent Jochen Laube will mit der "Ludwigsburger Lichtspielliebe" das Kino in all seinen Facetten feiern und die Menschen wieder mehr für Film im Kino begeistern.

14.09.2018 09:17 • von Barbara Schuster

Sommerhaus-Produzent Jochen Laube will mit der "Ludwigsburger Lichtspielliebe" das Kino in all seinen Facetten feiern und die Menschen wieder mehr für Film im Kino begeistern.

Wie wurde die Idee zur "Ludwigsburger Lichtspielliebe" geboren?

Jochen Laube: Meine Wurzeln liegen ja im Kino, ich habe in meiner Jugend hier im Ludwigsburger Scala als Kartenabreißer angefangen und war dann Vorführer. Heute als Filmproduzent realisiere ich am liebsten Kinofilme und bin immer bemüht, im regen Dialog mit den Kinobetreibern zu bleiben. Seit Jahren wird lamentiert, es gebe zu viele deutsche Filme oder die Filme seien nicht gut genug. Da fasse ich mir dann schon an die eigene Nase und versuche, mein Bestes zu geben. Gleichzeitig muss man aber auch sehen, dass es als Kino einfach nicht mehr reicht, nur Plakate aufzuhängen. Man muss auf seine potenziellen Besucher zugehen, Ideen haben, besser kuratieren, Specials anbieten. Ich weiß selbst, dass das Kino mit immer neuer Konkurrenz wie z.B. den Streamingdiensten zu kämpfen hat. Ich bin aber felsenfest überzeugt, dass das Kino noch lange nicht tot ist. Man muss sich engagieren und versuchen, sein Publikum, aber auch sein zukünftiges Publikum fürs Kino zu begeistern und die Freude, den Spaß im Kino wieder zurückbringen.

Jetzt legen Sie also los...

Jochen Laube: Ich wollte nicht länger "herumtheoretisieren", sondern habe nun mit dem Scala mein Heimatkino ausgewählt, um dort zu versuchen, das Erlebnis von Kinofilmen im Kino zu ermöglichen und zu fördern. Das Scala ist ein wunderschönes altes Kino, ein ehemaliger Tanzsaal mit 400 Plätzen und sehr viel Charme. Die erste "Lichtspielliebe" läuft mit einem abwechslungsreichen Programm vom 4. bis 7. Oktober. Das Foyer werden wir umgestalten und etwa mit gemütlichen Sofas zum Verweilen ausstatten. Unterstützung erhalten wir von der Stadt Ludwigsburg und lokalen Sponsoren. Und ich hoffe natürlich, dass es der Startschuss für ein jährliches Event werden wird.

Welche Filme und Themen liegen Ihnen besonders am Herzen?

Jochen Laube: Wir starten mit der Vorführung der restaurierten Fassung von "Himmel über Berlin". Für mich ist der Film das ideale Beispiel audiovisueller Kraft. Wim Wenders wird anwesend sein und mit den Gästen anschließend über den Status quo des Kinos diskutieren. Am Freitag zeigen wir sowohl einen Kinderfilm, "Amelie rennt", als auch mit "Das schönste Mädchen der Welt" einen Film für die Jugend. Das ist mir besonders wichtig, und mit Aron Lehmann versuche ich so viele Mitarbeiter aus den Gewerken wie möglich nach Ludwigsburg zu holen, damit sich die Jugendlichen wie in einer Art Jobbörse erkundigen können, wie man z.B Kameramann/-frau, Cutter/in oder Kostümbildner/in wird. Da das Scala auch filmverwandte Events bietet, haben wir für abends eine Art Kleinkunstveranstaltung geplant mit dem Festival des nacherzählten Filmes, das seit 1999 existiert und bei dem jeder eingeladen ist, auf der Bühne zehn Minuten seinen Lieblingsfilm oder schlimmsten Film seines Lebens nachzuerzählen. Das ist wahnsinnig lustig und unterhaltsam. Eingerahmt wird das Ganze von Kurzstummfilmen, die von Dietrich Brüggemann live am Klavier begleitet werden. Am Samstag wird es mit "Styx" und "Wackersdorf" politisch, weil unser Anliegen auch ist, verschiedene Zielgruppen anzusprechen, verschiedene Themen zu beleuchten. Zudem hält Urs Spörri, Kurator des Filmmuseums Frankfurt, den sehr kurzweiligen Vortrag "Donald Trump im Film". Das abschließende Thema am Sonntag ist Musik mit u.a. dem Dokumentarfilm "Shut Up and Play the Piano" oder "Gundermann", zu dessen Vorführung Andreas Dresen mit seiner Band kommt.

Im Idealfall, was wollen Sie erreichen?

Jochen Laube: Unser Traum wäre, dass wir mit diesem Event sukzessive erreichen, dass die Ludwigsburger und Stuttgarter nicht wie der Bundesdurchschnitt nur ca. 1,7 Mal pro Jahr ins Kino gehen, sondern vielleicht drei, vier oder acht Mal! Die Idee wurde wahnsinnig positiv aufgenommen und mir war es ein Anliegen, den Ludwigsburgern etwas anzubieten. Wenn unsere Veranstaltung darüber hinaus Symbolcharakter bekommt und vielleicht andere Kinos inspiriert, ist das natürlich wunderschön.

Das Gespräch führte Barbara Schuster