Kino

Entertainment One erzählt große Geschichten

Gerade aus deutscher Sicht war die Tradeshow von Entertainment One hochinteressant - hat der Konzern doch hierzulande gerade erst seine Dependance gegründet. Und vor allem inhaltlich konnte die Staffel voll überzeugen.

15.06.2018 17:27 • von Marc Mensch

Über 2,6 Milliarden weltweites Boxoffice, unter anderem 62 Oscar-Nominierungen und darunter zwei Gewinner in der Königkategorie. Die Bilanz von Entertainment One (kurz eOne) für vergangenen zehn Jahre kann sich sehen lassen. Und auch für die nächsten Monate hat man einiges im Köcher, wie man in Barcelona unter Beweis stellte. Interessant war die Präsentation nicht zuletzt aus deutscher Sicht, schließlich hat der Konzern hierzulande erst vor Kurzem eine eigene Dependance unter Leitung von Benjamina Mirnik-Voges und Christian Fritzsche eröffnet.

Los ging es mit einem Film, bezüglich dessen wir auch auf den Bericht zur Universal-Tradeshow verweisen können: Das Haus der geheimnisvollen Uhren". Selbstverständlich wurde darauf geachtet, die Clips nicht einfach zu wiederholen, bei eOne wurde die mehrminütige Anfangssequenz gezeigt. Nur kurz angekündigt wurde der Thriller "Official Secrets". Gavin Hood inszeniert die wahre Geschichte der im britischen Staatsdienst beschäftigten Übersetzerin Katherine Gun (Keira Knightley), die zur Whistleblowerin wurde, als die NSA um Amtshilfe bei der Bearbeitung von Material aus illegaler Überwachung der Vereinten Nationen bat. Ebenfalls mit an Bord sind u.a. Ralph Fiennes und Matthew Goode.

Einen ausführlichen bildlichen Eindruck konnte man sich in Barcelona hingegen schon von City of Lies" von Brad Furman machen. In dem Thriller um die (gescheiterte) Untersuchung der Morde an Tupac Shakur und Notorious B.I.G. spielen u.a. Johnny Depp und Forest Whitaker. Weiter ging es mit einer weiteren Ankündigung: If Beale Street Could Talk" (in Deutschland bei DCM) von "Moonlight"-Regisseur Barry Jenkins. Die Bestselleradaption erzählt die Geschichte eines jungen Paares, das ein Kind erwartet - und durch falsche Beschuldigungen eines rassistischen Polizisten auseinandergerissen wird.

Auf ganz andere Weise nähert sich die herzerwärmende Komödie "Green Book" von Peter Farrelly dem Thema Rasse. In der Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft spielt Viggo Mortensen einen Türsteher, der von einem schwarzen Pianisten (Mahershala Ali aus "Moonlight") engagiert wird, um ihn durch den Süden der USA zu fahren. Auch wenn die Story vor mehreren Jahrzehnten angesiedelt ist, wirkte sie doch (leider, darf man sagen) nach wie vor überaus zeitgemäß. "Late Night" mit Emma Thompson wiederum verspricht eine Art Der Teufel trägt Prada" vor dem Setting einer großen Talkshow zu werden. Während es hier noch keine Bewegtbild zu sehen gab, stimmte eine längere Promo auf Where'd You Go, Bernadette" von Richard Linklater (Boyhood") ein, in dem sich Cate Blanchett auf einen Selbstfindungtrip begibt. Zum Cast zählen auch Billy Crudup und Kristen Wiig.

Vom SciFi-Thriller Captive State", der auf der Erde nach einer (erfolgreichen) Alien-Invasion spielt, gab es schon im vergangenen Jahr erste Eindrücke zu sehen - allerdings noch keine, die so intensiv waren wie der Clip, in dem eine Familie den Invasoren und ihren menschlichen Helfern zu entkommen versucht. Rupert Wyatt inszeniert, es spielen u.a. John Godman und Vera Farmiga. Ein großartiges On-Screen-Couple gaben Felicity Jones und Eddie Redmayne bereits in Die Entdeckung der Unendlichkeit". In "the Aeronauts" mimen sie die (realen) Ballon-Pioniere Amelia Wren und James Glaisher, deren waghalsigster Flug zum Überlebenskampf wird. Produziert wird der Film von den Amazon Studios - und bei eOne zeigt man sich begeistert über die Zusammenarbeit. Schließlich respektiere Amazon das Kinofenster.

Und noch einmal Felicity Jones, diesmal in der Rolle von Ruth Bader Ginsburg, einer Juristin und Frauenrechtlerin, die erfolgreich gegen Geschlechterdiskriminierung in der Arbeitswelt kämpfte und 1993 (damals als erst zweite Frau) an das US Supreme Court berufen wurde. Mimi Leder führt Regie bei diesem Film, aus dem es erste vielversprechende Ausschnitte zu sehen gab. Noch ohne Titel ist der neue Film von Adam Mckay - und wir würden zumindest für englischsprachige Territorien schlicht "Dick" vorschlagen... Denn die Politkomödie dreht sich um den Aufstieg von Dick Cheney (Christian Bale, der einmal mehr in einer Rolle kaum wiederzuerkennen ist) zum vermutlich mächtigsten und einflussreichsten Vizepräsident der US-Geschichte. Zur Starbesetzung zählen Sam Rockwell, Amy Adams, Steve Carrell und Tyler Perry.

Den Schlusspunkt der Tradeshow setzte ein Biopic über die zwei wohl berühmtesten Komiker aller Zeiten: Stan Laurel und Oliver Hardy. "Stan and Olli" von John S. Baird begleitet die beiden Hollywood-Ikonen auf einer Tour durch Großbritannien, zu einer Zeit, in der sie den Zenit ihrer Karrieren überschritten hatten und bereits an gesundheitlichen Problemen litten. Ein bewegendes Stück Kino, perfekt besetzt mit Steve Coogan und John C. Reilly.

Marc Mensch