Festival

43 Weltpremieren auf dem Filmfest München

Festivalleiterin Diana Iljine hat heute das Programm für die von 28. Juni bis 7. Juli stattfindende 36. Ausgabe des Filmfest München bekannt gegeben. Das Festival zelebriert sich als "Ort der Begegnung".

11.06.2018 13:14 • von Jochen Müller
Diana Iljine, Leiterin des Filmfest München (Bild: Sonja Calvert)

185 Filme aus 43 Ländern, darunter 133 Deutschland- und 43 Weltpremieren, werden in diesem Jahr auf dem Filmfest München (28. Juni bis 7. Juli) zu sehen sein.

Festivalleiterin sieht das Filmfest München als einen "Ort der Begegnung". So wolle man in einer Zeit, in der sich das Leben für viele Menschen im Internet abspielt, wo die substanziellen Fragen des Lebens behandelt würden, genau diese Themen auf die große Leinwand holen. Die großen Filmmomente der eigenen Erinnerung seien sicherlich nicht vor dem aufgeklappten Laptop, sondern im dunklen Kinosaal passiert, betonte die Festivalleiterin.

Iljine: "Die Kinolandschaft hat es heute nicht leicht. Streaming-Plattformen versorgen den Zuschauer mit hochwertigen Produktionen zu Hause im eigenen Wohnzimmer. Das kollektive Filmerlebnis droht verloren zu gehen. Deshalb werden Festivals als Ort der Begegnung und Plattform für Diskurse immer wichtiger. Wir finden Festivals nicht deshalb wichtig, weil wir eines machen, sondern wir machen ein Festival, weil sie - vielleicht mehr denn je - gebraucht werden. Denn das Kino als zentrales, bildmächtiges Medium richtet das Scheinwerferlicht auf schwelende Konflikte und gibt wichtige Denkanstöße."

Eröffnet wird das Filmfest München von Joachim A Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm", der in der Reihe Neues Deutsches Kino auf dem Filmfest München zu sehen sein wird (wir berichteten). Mit dem CineMerit Award werden in diesem Jahr in München Terry Gilliam und Emma Thompson ausgezeichnet. Gilliam wird in München seinen neuen Film The Man Who Killed Don Quixote" in der Wettbewerbsreihe CineMasters vorstellen. Außerdem widmet ihm das Festival eine Hommage mit Filmen wie "Die Ritter der Kokosnuss", Brazil", "Der König der Fischer" und dem Dokumentarfilm Lost in La Mancha". Eine zweite Hommage widmet das Filmfest München Philip Gröning, der dort seinen neuen Film Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot" sowie Filme seines frühen Schaffens präsentieren wird. Die Retrospektive des Filmfest München ist der argentinischen Filmemacherin Lucrecia Martel gewidmet. Ihr Programm reicht von Martels Debütfilm "Der Morast" bis zu ihrem jüngsten Werk Zama", das in der Reihe CineMasters zu sehen sein wird. Besondere Aufmerksamkeit widmet das Filmfest München Ingmar Bergman, der im Juli 100 Jahre geworden wäre. So werden dort sein Film Aus dem Leben der Marionetten" sowie Jane Magnussons "Bergman - A Year in a Life" und Auf der Suche nach Ingmar Bergman" von Margarethe von Trotta zu sehen sein.

Iljine betonte, dass die Beziehungen zwischen Männern und Frauen im diesjährigen Filmjahrgang viel thematisiert würden. Dabei gebe es einen Fokus auf den weiblichen Blick. So werden neben Martels "Zama" in der Reihe CineMasters u.a. Jennifer Fox' The Tale" und Alice Rohrwachers Glücklich wie Lazzaro" zu sehen sein. In der Reihe Neues Deutsches Kino präsentieren außerdem die Regisseurinnen Crystal Moselle ("Skate Kitchen"), Anahi Berneri ("Alanis") und Eva Trobisch (Alles ist gut") ihre neuen Filme. Die Festivalleiterin sagte zur MeToo-Bewegung, dass das Filmfest keine aufgesetzten Themen mache. Die Thematisierung müsse aus den Filmen selbst kommen. Aber das Festival setze sich schon lange für die Förderung weiblicher Filmschaffender ein. Das zeige auch die Besetzung der verschiedenen Jurys in diesem Jahr: sieben Frauen bei 15 Jurymitgliedern stünden für einen Perspektivwechsel.

Auch das Thema Überwachung in seinen verschiedensten Darstellungsformen spielt auf dem Filmfest München eine zentrale Rolle. So spielt sich Aneesh Chagantys Entführungssthriller Searching" komplett auf Computerbildschirmen ab und lässt zugleich in menschliche Abgründe blicken, während der chinesische Found-Footage-Film "Dragonfly Eyes" von Bing Xu ausschließlich mit Bildmaterial von Überwachungskameras arbeitet. Indes wirft die schwarze Komödie "Wobble Palace" von Eugene Kotlyarenko einen eher satirischen Blick auf die Welt des Online Dating. Auch im deutschen Beitrag Safari - Match Me If You Can" von Rudi Gaul geht es ums digitale Dating. "Birds without Feathers" von Wendy McColm zeigt hingegen wie Isolation und Entfremdung durch Social Media noch intensiviert werden. Die Gefahren der Anonymität im Netz werden auch Linus de Paolis Thriller A Young Man with High Potential" thematisiert. Eye on Juliet" von Kim Nguyen illustriert die Absurdität von entmenschlichter Überwachung und verweist zugleich hoffnungsvoll auf menschliche Empathie. Der Abschlussfilm des Filmfests, die Deutschlandpremiere von Andrew Niccols Anon", greift das Thema Überwachung schließlich ebenfalls auf und untersucht das Leben in einer zunehmend virtuellen Welt.

Stark vertreten auf dem Filmfest München sind auch Genre-Filme aus Skandinavien wie Border" (Regie: Ali Abbasi), "The Guilty" (Regie: Gustav Möller) und "Lake Over Fire" (Regie: Joern Utkilen) die im Wettbewerb CineVision zu sehen sein werden.

Last but not least bildet auch das Thema Musik noch einen Schwerpunkt auf dem Filmfest München. So werden dort Jesse Peretz' Juliet, Naked", die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Nick Hornby, die Dokumentarfilme "It Must Schwing - The Blue Note Story" von Eric Friedler und Peter Azens sowie "Black Wave", Ari Golds "The Song of Sway Lake", Das schönste Mädchen der Welt" sowie Musicals wie "My Name Is Myeisha" und "Ammore e malavita" zu sehen sein.

Weitere Informationen zum Programm des Filmfest München unter www.filmfest-muenchen.de.