Kino

John Lasseter verlässt Disney/Pixar

Mehr als ein halbes Jahr nach seiner Beurlaubung aufgrund der Anschuldigungen, er habe sich weiblichen Mitarbeitern auf ungehörige Weise genähert, hat Pixar-Mitgründer und Pixar- und Disney-Animation-Chef John Lasseter angekündigt, das Unternehmen zu verlassen. Seine Nachfolge wird bereits geklärt.

09.06.2018 08:05 • von Thomas Schultze
Ende einer Ära: John Lasseter verlässt Disney (Bild: Kurt Krieger)

Mehr als ein halbes Jahr nach seiner Beurlaubung hat Pixar-Mitgründer und Pixar- und Disney-Animation-Chef John Lasseter angekündigt, das Unternehmen Ende des Jahres komplett zu verlassen. Im November des vergangenen Jahres, zu Beginn der #metoo-Bewegung, war Lasseter von einer Reihe weiblicher Angestellter beschuldigt worden, er habe sich ihnen ungehörig genähert. Von unerwünschten Umarmungen war da die Rede, von kleinen Küsschen aber auch Betatschen. Lasseter selbst hatte in einem offenen Brief an seine Mitarbeiter von "Verfehlungen" gesprochen, war aber nicht näher auf die eigentlichen Anschuldigungen eingegangen, und hatte sich eine unbefristete Auszeit genommen, die ihm Disney gewährte: Lasseter ist der erfolgreichste Filmemacher aller Zeiten, unter seiner Ägide hatten weder Pixar noch Disney Animation auch nur einen Flop zu verzeichnen.

Vorausgegangen waren Wochen, in denen spekuliert wurde, wie eine Rückkehr Lasseters in den Betrieb aussehen könnte. Darauf hatten viele Angestellte angekündigt, in diesem Fall ihre Arbeit niederzulegen. Es wurden sogar Petitionen gestartet, um Disney-Chef Bob Iger zu überzeugen, dass eine Rückkehr Lasseters ein großer Fehler sei und seine Integrität untergraben würde. Die Nachfolge von John Lasseter wird bereits geklärt. Bei Pixar, die in den USA in einer Woche den mit Spannung erwarteten "The Incredibles 2" starten werden, dem man ein Startwochenende von 150 Mio. Dollar zutraut, soll künftig Alles steht Kopf"-Regisseur Peter Docter eine größere Rolle spielen; bei Disney Animation plant man, "Die Eiskönigin"-Regisseurin Jennifer Lee eine zentralere Position zukommen zu lassen.