Kino

Megadeal: Disney schluckt Fox

Jetzt ist es offiziell: Disney wird weite Teile von 21st Century Fox für über 52 Milliarden Dollar kaufen. Zu den Assets gehören das Filmstudio, 20th Century Fox Television, die Kabelsender FX und National Geographic sowie die Anteile der internationalen Sender Star TV und Sky. Zudem wird Disney auch die 30-prozentigen Hulu-Anteile von Fox übernehmen, was das Maushaus damit zum majoritären Eigentümer der Plattform macht.

14.12.2017 14:01 • von Marc Mensch
Megadeal: Robert Iger (li.) wurde sich mit Rupert Murdoch einig (Bild: Disney)

Jetzt ist es offiziell: Disney wird - vorbehaltlich kartellrechtlicher Genehmigung - weite Teile von 21st Century Fox für über 52 Milliarden Dollar kaufen. Zu den Assets gehören das Filmstudio, 20th Century Fox Television, die Kabelsender FX und National Geographic sowie die Anteile der internationalen Sender Star TV und Sky. Zudem wird Disney auch die 30-prozentigen Hulu-Anteile von Fox übernehmen, was das Maus-Haus damit zum majoritären Eigentümer der Plattform macht.

In die Verhandlungen eingeflossen ist auch die Vertragsverlängerung von Disney-CEO Robert Iger bis 2021. Über seine anschließende Nachfolge wurde noch nicht entschieden.

Der komplette Wert der Transaktion beläuft sich laut Disney auf 66,1 Mrd. Dollar, hier sind allerdings 13,7 Mrd. Dollar Schulden der 21st Century Fox eingeschossen, die Disney übernehmen wird. Die Unternehmen rechnen durch den Deal insgesamt mit Kostenersparnissen von mindestens zwei Milliarden Dollar.

"Die Akquise dieser brillanten Sammlungen an Unternehmen der 21st Century Fox reflektiert das steigende Bedürfnis der Konsumenten nach einem reichhaltigen Angebot an Unterhaltungsformaten, die unwiderstehlich, leicht zugänglich und zweckmäßig wie nie zuvor sein müssen", so Iger nach der Bekanntgabe. "Wir fühlen uns sehr geehrt, dass uns Rupert Murdoch seine jahrelang aufgebauten Unternehmensbereiche anvertraut."

102 Jahre existiert die von William Fox 1915 gegründete Fox Film Corporation, die seit 1935, nach dem Zusammenschluss mit der 20th Century Pictures, unter dem heute noch gültigen Namen 20th Century Fox weitergeführt wurde, bereits. Jetzt steht also das Ende eines der sechs Filmstudios in Hollywood bevor, denn Rupert Murdoch, der Fox seit Mitte der Achtzigerjahre mit seiner News Corp besitzt und bisher immer auf Expansion gesetzt hatte, will sein Imperium auflösen und hat angekündigt, große Teile von Fox abzustoßen. Seit einigen Tagen haben sich die Anzeichen verdichtet, dass ein Abschluss mit Disney kurz bevorsteht. Comcast, der zweite heiße Anwärter auf eine Übernahme der zum Verkauf stehenden Assets, ist offiziell aus den Verhandlungen ausgestiegen (wir berichteten). Es ist ein Megadeal, milliardenschwer, der nicht nur Hollywood durchschütteln und eine neue Hackordnung hervorrufen wird und als größte Umwälzung innerhalb eines traditionellen Medienunternehmens in die Annalen eingehen dürfte.

Den Stein ins Rollen brachte die vom Murdoch-Clan angestrebte Entschlackung und Konzentration seines Konzerns auf das Kernelement Sport und News um Fox Broadcasting Co., Fox News und die Sport-Kabelsender FS1 und FS2. Die Branche reagierte überrascht: Bislang war 21st Century Fox immer nur als Käufer aufgetreten, erst im Sommer hatte Murdoch einen weiteren Anlauf übernommen, um Time Warner zu übernehmen. Nun folgte die Kehrtwendung. Ende Oktober sorgten die Berichte, dass Disney an Murdochs Verhandlungstisch Platz genommen habe, für Aufsehen. Disney-Chef Robert Iger liebäugele mit dem Zukauf der in seinen Augen zum Disney-Imperium passenden und gleichzeitig bereichernden Teile um Fox-TV-Studios, Fox-Filmstudio, aber auch den 30-prozentigen Anteil an Hulu, die beiden Kabelfernsehgruppen FX und National Geographic sowie regionale Sportkanäle.

Der Deal fand hinter verschlossenen Türen statt. Die am Verhandlungstisch sitzende oberste Führungsriege ließ bis heute offiziell nichts nach außen dringen und schürte so, laut Insider-Berichten auf Deadline.com, Spekulationen und Ängste bei den Mitarbeitern beider Firmen. Als Robert Iger am Thanksgiving-Wochenende eine Führung über das Fox-Studiogelände erhalten haben soll, war das Anlass genug, die Gerüchteküche sofort wieder anzuheizen.

Wie es nach dem heute bekannt gewordenen Deal nun weiter geht, steht en detail nicht fest: Analysten gehen davon aus, dass selbst nach der verkündeten Vereinbarung und der behördlichen Genehmigung mindestens ein Jahr ins Land ziehen wird, um die Akquise abzuschließen.

Der über 50 Mrd. Dollar schwere Deal soll letzten Endes zum Großteil über Aktien geregelt werden, genauer gesagt: Fox-Aktionäre erhalten pro Fox-Aktien 0,2745 Disney-Aktien, was Rupert Murdoch und seine Söhne mit einem Schlag zu Disney-Großaktionären macht, die bei wichtigen Entscheidungen ein Wörtchen mitzureden haben.

Das Maus-Haus ist mit dem heutigen Tag das mächtigste Studio in der Geschichte Hollywoods. Die Lukrativität des Fox-Universums, das vor allem - im Filmbereich - durch das Kronjuwel "Avatar" und "X-Men" erstrahlt, liegt auf der Hand. Zwischen Marvel, Lucasfilm, Pixar und den Realverfilmungen seiner klassischen Animationsfilme würde Disney damit seine Machtposition endgültig zementieren - zumal "Avatar" wie auch "X-Men" extrem großen Wert auch für die Disney-Themenparks hätten. Insgesamt würden die Fox-Assets, sowohl Film als auch Fernsehen, Disney dabei helfen, den großen Bedarf an Content noch besser stillen zu können, zumal Disney bald einen eigenen Streamingdienst zu füttern hat, mit dem man Netflix und Amazon Prime die Stirn bieten will. Überhaupt ist Disneys Bemühen um Fox Ausdruck dafür, in einer neuen Weltordnung im Unterhaltungsgeschäft, als Überbleibsel des alten Hollywood den eigentlichen Konkurrenten Google, Apple, Amazon, YouTube und Netflix die Stirn bieten zu können.