Kino

"The Square" großer Gewinner beim Europäischen Filmpreis

Bei der Verleihung des Europäischen Filmpreises 2017 war "The Square" der große Abräumer. Die Kategorien bester Film, beste Komödie, Regie, Drehbuch, Hauptdarsteller und Szenenbild gingen an Östlunds gefeiertes Werk. Die als beste Darstellerin nominierte Paula Beer ging leer aus.

09.12.2017 22:01 • von Barbara Schuster
"The Square" war der große Gewinner (Bild: Alamode (Filmagentinnen))

"The Square" ging nicht nur mit den meisten Nominierungen ins Rennen um die Europäischen Filmpreise 2017 - die gefeierte Produktion von Ruben Östlund räumte bei der heutigen Verleihung in Berlin auch die meisten Preise ab.

Der Abend gehörte eindeutig Ruben Östlund. Sein "The Square" wurde nicht nur zum besten Film gewählt, sondern auch zur besten Komödie auserkoren und zog damit u.a. an Simon Verhoevens Willkommen bei den Hartmanns" vorbei. Östlund räumte für sein Meisterwerk auch den Preis für die beste Regie ab und setzte sich hier gegen Aki Kaurismäki (Die andere Seite der Hoffnung") oder Robin Campillo (120 BPM") durch, und holte sich zudem die Auszeichnung für das beste Drehbuch, wo er gegen Kollegen wie François Ozon (Frantz") oder Ildiko Enyedi ("Körper und Seele") antrat. Als bester Schauspieler machte sein Hauptdarsteller Claes Bang das Rennen; zudem wurde seine Mitstreiterin Josefin Asberg für das beste Szenenbild geehrt.

Zur besten europäischen Schauspielerin 2017 wurde Alexandra Borbély für ihre schauspielerische Leistung im Berlinale-Gewinner "Körper und Seele" ausgezeichnet. Die ebenfalls nominierte Paula Beer ("Frantz") ging leer aus.

Zum besten europäischen Dokumentarfilm wurde die polnische Produktion "Communion" von Anna Zamecka gekürt, die bereits mit dem polnischen Filmpreis belohnt worden war und die ebenfalls nominierte deutsche Produktion "Austerlitz" hinter sich ließ.

Der Preis für den besten europäischen Animationsfilm ging an die polnisch-britische Koproduktion über den berühmten Maler Vincent van Gogh, "Loving Vincent" von Dorota Kobiela und Hugh Welchman, der der erste komplett gemalte Animations-Langfilm überhaupt ist.

"Lady Macbeth" von William Oldroyd wurde mit dem European Discovery - Prix Fipresci Award gefeiert.

Der European Excellence Award in den Kategorien beste Kamera und beste Musik gingen an die russische Produktion "", an Kameramann Mikhail Krichman und das Komponistenduo Evgueni und Sacha Galperine. Beste Kostümbildnerin wurde Katarzyna Lewinska für "Spoor", für den besten Schnitt wurde Robin Campillo für seinen bereits in Cannes hochgelobten "120 BPM" ausgezeichnet und in den Kategorien Hair & Make-up sowie Sound Design räumten Leendert van Nimwegen ("Brimstone") bzw. Oriol Tarragó ("Sieben Minuten nach Mitternacht") ab.

Zum besten Kurzfilm wählte die Mitglieder der EFA den spanischen Beitrag "Timecode" von Juanjo Giménez Peña.

Der Publikumspreis ging an Maria Schraders "Vor der Morgenröte" (X Filme).

Im Vorfeld bekannt waren die diversen Ehrenpreisträger:

Als europäischer Koproduzent des Jahres wurde der kroatische Produzent Cedomir Kolar ("No Man's Land") geehrt. Der Ehrenpreis der Europäischen Filmakademie ging an die französische Schauspielerin Julie Delpy als Würdigung ihrer langen und abwechslungsreichen Karriere vor und hinter der Kamera. Den Preis fürs Lebenswerk nahm der russische Filmemacher Alexander Sokurow entgegen.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hob in ihrer Begrüßungsrede die künstlerische Vielfalt des europäischen Filmschaffens hervor, die nun, zum 30. Jubiläum der European Film Awards, besonders gefeiert werden dürfe. Sie benannte den Stellenwert der Kultur als wichtigsten Brückenbauer im Miteinander und sagte, dass ihre Bedeutung in Zeiten wie diesen, da Europa großen politischen Herausforderungen gegenüberstehe, noch größer und wichtiger werde. Als besonders positiv und als Zeichen der Unterstützung zur Wahrung der künstlerischen Vielfalt, lobte Grütters die jüngst getroffene Entscheidung der EU hinsichtlich der Sicherung des so wichtigen Territorialprinzips im Urheberrecht. "Dies ist ein klares 'Ja' für die Künstler. Diese Entscheidung ist gleichzusetzen mit einer Garantie für den Erhalt der künstlerischen Vielfalt der europäischen Kultur."

Politisch geprägt war der Abend auch mit dem Committment der EFA zur #metoo-Bewegung, die sich gegen sexuelle Belästigung und Grenzüberschreitungen in der Filmbranche stark macht.