Kino

Kino mit Meerblick

Kinobetreiber Ralf Thomsen stehen geschäftige Monate bevor: In Heide baut er sein bestehendes Kino aus, in Büsum übernimmt er ein völlig neu entstehendes Haus.

22.11.2017 11:39 • von Marc Mensch
Ab kommendem Jahr wird das Büsumer Gäste- und Veranstaltungszentrum ein Kino beherbergen (Bild: Tchoban Voss Architekten)

Büsum ist für Ralf Thomsen bestens bekanntes Terrain: Seit Jahren unterhält er dort mit einem Open-Air-Kino Einheimische wie Touristen gleichermaßen - und als Mitglied der Vereinigten Lichtspiele pflegte er mit den Betreibern eines mittlerweile geschlossenen Hauses regen kollegialen Austausch. Ab 2018 wird es nun wieder eine dauerhafte Kino-Präsenz im Nordseebad geben. Nach jahrelanger Planung wurde beschlossen, das dortige Gäste- und Veranstaltungszentrum umzubauen, um dort Raum für ein Filmtheater zu schaffen. Das Besondere an dem Konzept, das von der FFA mit gut 78.000 Euro gefördert wird: Einerseits entsteht ein Saal mit 55 Plätzen, der spätestens ab dem Sommer - Wunschtermin von Thomsen wäre schon Ostern - durchgängig als Kino bespielt werden wird. Daneben wird auch der über 400 Plätze fassende Veranstaltungsraum des Zentrums mit moderner Technik ausstaffiert, um abseits der großen Bühnenevents ebenfalls als Kinosaal genutzt zu werden. Thomsen, der zu diesem Zweck rund 60 der Plätze durch hochwertige Kinosessel ersetzen will, rechnet damit, dort etwa 50 bis 75 Prozent der Spielzeit belegen zu können. Wichtig dabei: Auch die Kinosessel sollen jederzeit entfernbar sein, um den Raum weiterhin für Veranstaltungen aller Art nutzen zu können. Für Thomsen ein "hervorragender Kompromiss".

Dass er sich bei einer Ausschreibung der Kulturbetriebe durchsetzen konnte, verdankt er indes nicht nur seinem Open-Air-Engagement vor Ort, sondern auch der enormen Erfahrung, die er mit einem vor allem in den Sommermonaten sehr touristisch geprägten Publikum auf Amrum sammeln konnte, wo er in Norddorf seit 1986 das 2014 komplett erneuerte LichtBlick Inselkino betreibt. Mit einer ähnlichen Besucherstruktur sei auch in Büsum zu rechnen, was bedeute: "Es kommen vor allem Leute, die im Urlaub gerne nachholen, was sie in den letzten Monaten verpasst haben." Ergo gilt der Fokus einerseits dem Nachspiel (wobei Hits wie "Fack Ju Göhte 3" durchaus auch zum Bundesstart eingesetzt werden) und hier insbesondere dem Kinder- und Familienprogramm, andererseits einem raschen Programmwechsel. "Auf Amrum liegt die durchschnittliche Verweildauer von Touristen bei etwa zehn Tagen - und mehrfache Kinobesuche sind in dieser Zeit keine Seltenheit." Kein Wunder also, dass man auf der Insel mindestens zwölf Filme pro Woche anbietet, teils vorgehalten auf einem "wahnsinnig großen Server".

Während Thomsen sich nun schon auf die neue Wirkungsstätte freut, von deren Foyer aus man direkt auf das Meer blicken kann, steht im rund 25 Kilometer entfernten Heide ein weiteres Projekt an. Dort wird das LichtBlick Filmtheater, ebenfalls voraussichtlich bis zum Frühsommer, um zwei Leinwände erweitert. Unter dem Strich soll mit rund 200 zusätzlichen Plätzen die Kapazität um nahezu die Hälfte ausgebaut werden. Damit stärkt Thomsen ein Haus, von dem aus der Spielbetrieb in Amrum und Büsum zentral gesteuert (werden) wird.