Kino

München unterstützt seine Arthousekinos

Bereits zum zehnten Mal wurde der Starter-Filmpreis mit den Kinoprogrammpreisen der Landeshauptstadt München vergeben. Für die Kinos gab es gute Nachrichten, nicht nur was die Dotierung der Preise betrifft.

19.10.2017 13:47 • von Jochen Müller

Bei der zehnten Verleihung des Starter-Filmpreises und der Kinoprogrammpreise 2017 der Landeshauptstadt München übernahm wieder Kulturreferent Hans-Georg Küppers die ehrenvolle Aufgabe, den Ausgezeichneten die Urkunden im Schwabinger Arri-Kino zu überreichen. "Der spannende Teil des Abends, das bin ich", lautete sein launiges Intro, aber als noch spannender erwies sich seine Ankündigung, dass der Kulturausschuss der Stadt München in seiner nächsten Sitzung eine Erhöhung der Dotierung der Programmpreise für die Vergabe 2018 beschließen werde. Statt 5.000 Euro werden die Kinobetreiber dann 7.000 Euro erhalten. Da die engagierten Münchner Kinos ja immer mal wieder ausgezeichnet würden, sollten die aktuellen Preisträger nicht zu traurig sein, dass sie "nur" die bisherige Summe erhalten würden.

Küppers wartete dafür mit einer weiteren guten Nachricht auf: Ab 2018 können Betreiber Zuschüsse zu Infrastrukturmassnahmen in den Erhalt oder die Modernisierung ihrer Kinos aus einem städtischen Investitionstopf beantragen, der mit 20.000 Euro gefüllt sein wird. "Die Stadt schätzt die Arbeit der Arthousekinos," so Küppers. Sie seien ein unverzichtbarer Bestandteil der städtischen Filmkultur, gerade auch in den Stadtteilen. Es sei vor allem ein großer kultureller Anspruch, den die Betreiber jeden Tag in ihren Kinos verwirklichen würden. Sprach's und verteilte die Programmpreise 2017 an Thomas Kuchenreuther für das ABC, Fritz und Christoph Preßmar für das Filmtheater Sendlinger Tor, Matthias Stolz für die Museum-Lichtspiele, Angelika Reich in Vertretung ihrer Tochter Elisabeth für den Rio Filmpalast, Doris Kuhn und Erich Wagner für das Werkstattkino und an die "Grande Dame" der Filmkunst in München, Marlies Kirchner, die gerade erst vom Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter mit der Medaille "München leuchtet" für ihre besonderen Verdienste ausgezeichnet worden ist, für das Theatiner Film. Thomas Kuchenreuther bedankte sich im Namen seiner Kollegen und unterstrich mit einem Exzerpt aus einem Text von Hans Magnus Enzensberger, wie sehr die Kinos zum Stadtbild und zum Gesicht einer Stadt beitragen würden.

Den jungen Filmemachern im Publikum, die im Anschluss mit dem Starter-Filmpreis ausgezeichnet werden sollten, gab er den Rat, einfach mehr ins Kino zu gehen und sich viele, viele Filme anzusehen. Der mit jeweils 6.000 Euro dotierte Starter-Filmpreis 2017 ging an Moritz S. Binder für den Spielfilm "Thumb", ein Road-Movie um einen persischen Vater und seinen Sohn, Annelie Boros für den Dokumentarfilm "Fuck White Tears" über die Wut schwarzer Studenten in Südafrika über viel zu hohe Studiengebühren, den es bereits auf Vimeo zu sehen gibt, und Michael Ciesielski für den Kurzspielfilm "Kleinheim". Den von Arri Media gestifteten Starter Filmpreis Produktion, der Postproduktionsleistungen in Höhe von 6.000 Euro umfasst, überreichte Angela Reedwisch an die Regisseurin Yulia Lokchina und ihre Produzenten Isabelle Bertholden und Marius Ehlayil für den Dokumentarfilm "Tage der Jugend" über ein paramilitärisches Jugendlager auf der russischen Insel Sachalin.

Alle Filmemacher studieren in München, ihre Geschichten finden sie fernab in der weiten Welt. Geschichten aus oder über Deutschland scheinen an der HFF keine Konjunktur zu haben.