Festival

San Sebastián: Geheimnis

Mit "Marrowbone" bzw. "El secreto de Marrowbone" feierte ein kommerziell vielversprechender spanischer Titel Premiere beim Festival de San Sebastian. Es ist das Regiedebüt von Sergio G. Sanchez, Autor des spanischen Hits "Das Waisenhaus".

28.09.2017 13:36 • von Heike Angermaier
"Marrowbone" feierte Premiere in San Sebastián (Bild: Quiz Vives)

Mit "Marrowbone" bzw. "El secreto de Marrowbone" feierte ein vielversprechender spanischer Titel Premiere beim außer Konkurrenz. Das Regiedebüt von Sergio G. Sanchez steht ganz in der Tradition von Juan Antonio Bayona, der als executive producer fungiert, konkret in der seines Das Waisenhaus", eines der größten spanischen Kinohits aller Zeiten, und ein bisschen seines Sieben Minuten nach Mitternacht". Sanchez lieferte das mit dem Goya prämierte Originaldrehbuch zu Waisenhaus". Auch "Marrowbone", so der Name des titelgebende Haunted House, erzählt eine klassische Gothic bzw. Ghost Story. Im verlassenen, abgelegenen Farmhaus an der nordamerikanischen Ostküste hoffen eine Mutter und ihre vier Kinder in den 1960er Jahren Schutz zu finden - vor einer düsteren Vergangenheit, die nur angerissen und erst später in all ihrer Tragik offenbar wird. Zuvor stellt Sanchez seine Figuren und seinen Hauptschauplatz vor in einem märchenhaften, nostalgischen Tonfall - ähnlich auch dem von Todd Haynes'Wonderstruck", der seinen Film in der Sektion Perlas vorstellte. Beide Filme nutzen liebevoll kreierte Modelle ihres Setting und ein Buch, das die Geschichte zusammenhält. In "Marrowbone" heißt es" Our Story". Im Vorspann sieht man den ältesten Sohn James (George MacKay) darin schreiben. Ohne Hektik und mit viel Gespür für Atmosphäre baut Sanchez ein Bedrohungsszenario auf, dem nach dem Tod der Mutter die Kinder bzw. Jugendlichen allein ausgesetzt sind, die einander schwören, zusammen zu bleiben. Einziger Kontakt zur Außenwelt ist die nächste Nachbarin in Jacks Alter. Sie wird gespielt von Anya Taylor-Joy aus WItch" und Split". Sanchez nutzt versiert das Handwerkszeug des Horrors, setzt effektive Schockeffekte, ohne es zu übertreiben. Der Debütfilm, der außer Konkurrenz läuft und zuvor in Toronto präsentiert wurde, hat das Zeug zum Hit und startet Ende Oktober in den spanischen Kinos.

Am gestrigen Abend übergab Jury-Vorsitzender John Malkovich den letzten Donostia Award der 65. Ausgabe an den italienischen Schauspielstar Monica Bellucci. Außerdem wurden die Industrie-Preise für noch nicht fertiggestellte Projekte vergeben Aus der Reihe Films in Progress ging er an "Ferrugem" des Brasilianers Ali Muritibia. Im Vorjahr hatte ihn Santiago Esteves für "La educacion del rey" erhalten, der in diesem Jahr im Rahmen der Horizontes Latinos läuft. Bei Glocal in Progress wurde die baskische Einreichung "Dantza" prämiert.