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Simon Verhoeven erhält Friedenspreis des Deutschen Films

Seit 16 Jahren wird im Rahmen des Filmfest München der Friedenspreis des Deutschen Films - Die Brücke vergeben. Die diesjährigen Preisträger stehen nun fest.

14.06.2017 14:39 • von Jochen Müller
Seit 16 Jahren wird auf dem Filmfest München der Friedenspreis des deutschen Films - Die Brücke vergeben (Bild: Bernhard Wicki Gedächtnis Fonds e.V./Oliver Bodmer)

Simon Verhoeven wird am 29. Juni im Münchner Cuvilliés-Theater mit dem Friedenspreis des Deutschen Films - Die Brücke ausgezeichnet.

Die Auszeichnung wird seit 16 Jahren vom Bernhard Wicki Gedächtnis Fonds e.V., dem Freistaat Bayern und der SPIO im Rahmen des Filmfests München vergeben.

Verhoeven erhält den Preis in der Kategorie Regie national für seine Flüchtlingskomödie Willkommen bei den Hartmanns". "Simon Verhoeven zeichnet ein Portrait, wie unterschiedlich die Gesellschaft mit der Flüchtlingskrise umgeht. Mit den Mitteln der Komödie schildert er mit einer Leichtigkeit alle Seiten dieser politischen Auseinandersetzung, die inzwischen Alltag geworden ist, und schont dabei keinen. Nicht die, die sich für die Integration einsetzen nicht die Flüchtlinge, schon gar nicht die Rechtsradikalen. Eine Satire mit witzigen, intelligenten Dialogen und zuweilen schrillen Tönen, die ernst genommen werden muss, weil wir deren Menschen ernst nehmen müssen. Dass es Simon Verhoeven mit dem Film gelungen ist, rund vier Millionen Zuschauer im Kino zu erreichen, ist über die hohe Qualität und den Anspruch des Films hinaus ein großes Verdienst", so die Begründung der Jury.

In der Kategorie Regie international wird Aki Kaurismäki für seinen Film Die andere Seite der Hoffnung" ausgezeichnet. "Kaurismäki erzählt die Geschichten der zwei grundverschiedenen Protagonisten, von deren Scheitern, ihrer Einsamkeit aber auch Hoffnung in seinem ganz typischen Stil - lakonisch, minimalistisch und mit der besonderen Art von Humor und tiefer Liebe. Und was am Ende des Films letztlich bleibt, sind Wärme, Traurigkeit und Hoffnung", so die Jury.

Der Schauspielerpreis geht in diesem Jahr an Julia Vysotskaya für ihre Rolle in "Paradies". Ihre Darstellung der Olga ist nach Ansicht der Jury "von einer packenden Intensität sei, die keinen Zuschauer wieder los lasse. Ihre ausdrucksvolle Kraft - jeder Gedanke und jeder Impuls wird zu einem Ereignis - habe die Jury zutiefst bewegt."

Der Regisseur des Films, Andrei Konchalovsky erhält hierfür und für sein Lebenswerk den Ehrenpreis des Friedenspreis des deutschen Films - Die Brücke. Dazu sagt die Jury: "'Paradies' ist ein großartiges Kunstwerk, das versucht, das Unfassbare zu fassen und ohne Verkünstelung alles zu einem Gesamtbild zu verweben: korrupt-bequemen Opportunismus, die Absurdität und Grausamkeit der Opferwahl und einen idealistischen, kultivierten Überzeugungstäter. Am Ende müssen sie alle eine Lebensbeichte in die Kamera abliefern: vor uns Zuschauern und - wie bei einer Dostojewsky-Erzählung - vor Gott. Geschichte, Filmkunst und intellektuelle Durchdringung des Menschseins in einem! Gefilmt in sehr klaren Schwarz-Weiß-Bildern entwirft der 79-jährige Regisseur so ein Abbild des Grauens und kreiert einen nachhallenden Appell für Menschlichkeit",