Kino

Sony: Large and Loud

"Netflix my ass!", sagte Sony-Studiochef Tom Rothman launig und zeigte der CinemaCon allererste Ausschnite aus "Blade Runner 2049" (obwohl der Film in den USA bei Warner Bros.) läuft. Der andere große Höhepunkt der Sony-Präsentation: die ersten sechs Minuten aus "Baby Driver", dessen Starttermin jetzt vorgezogen wurde.

28.03.2017 08:06 • von Jochen Müller
Auf der CinemaCon wurden erste Ausschnitte von "Blade Runner 2049" gezeigt (Bild: Sony Pictures)

Schon jetzt ist es das Zitat, an das man sich erinnern wird, wenn man an die zurückdenken wird: "Netflix my ass!" (sinngemäß: "Hast du das drauf, Netflix?"), rief Sony-Studiochef Tom Rothman aus, nachdem er den anwesenden Kinobetreibern im bis auf den letzten Platz gefüllten Auditorium des Colisseum im Caesars Palace erstmals Ausschnitte aus Blade Runner 2049" von Denis Villeneuve gezeigt hatte - obwohl der Film in den USA bei Warner Bros laufen wird (und er wohl auch auf der Präsentation des Studios am Mittwoch eine Rolle spielen soll). Davor hatte Rothman unter dem Beifall er Anwesenden den Star des Films auf die Bühne geholt: Ryan Gosling erwies sich dabei als nicht minder schlagfertig als der für seinen giftigen Humor bekannte Rothman, die sich gegenseitig die Bälle zuspielten. Diese ersten Bilder des Sequels des legendären Blade Runner" aus dem Jahr 1982 waren auch zweifellos der Höhepunkt der Sony-Veranstaltung, die prima auf die CinemaCon einstimmte, aber auch ein wenig von technischen Problemen geplagt war.

Gleich zum Einstieg hatte es den anderen großen Höhepunkt gegeben: die ersten sechs Minuten aus Baby Driver", dem neuen Film von Shaun of the Dead"-Regisseur Edgar Wright, der vor wenigen Wochen seine umjubelte Weltpremiere beim SXSW-Festival gefeiert hatte und seither im Ruf steht, auf der Kritikerplattform Rotten Tomatoes bei 100 Prozent zu stehen. Der Anfang des Films zeigt einen kompletten Banküberfall inklusive folgender Verfolgungsjagd komplett aus der Sicht des Fahrers des Fluchtautos, Baby, gespielt von Ansel Elgort, und geschnitten zum furiosen Sound von "Bellbottoms" von der Jon Spencer Blues Explosion. Ein großartiger Einstieg, der für zusätzliche Begeisterung sorgte, als Wright auf der Bühne nicht nur Elgort, sondern auch Ko-Star Jon Hamm aus Mad Men" vorstellte. Sony ist so heiß auf den Film, dass der ursprünglich vorgesehene Starttermin im späten Sommer nunmehr auf Juni vorgezogen wurde, damit "Baby Driver" von der kompletten Saison profitieren kann. Kinobetreiber sollten die Anlage etwas weiter aufdrehen, empfahl Edgar Wright, denn sein Film sei, wie Rory Bruer sagte, "large and loud".

Die beiden anderen Schwergewichte im Sony-Programm waren Spider-Man: Homecoming", für den die Produzenten Kevin Feige und Amy Pascal, Regisseur Jon Watts und Hauptdarsteller Tom Holland auf die Bühne kamen, sowie die Stephen-King-Verfilmung "Der dunkle Turm" von Nikolaj Arcel mit Idris Elba und Matthew McConaughey, aus dem erst längere Sequenzen zu sehen waren. Die "neue Sony" sollte präsentiert werden, sagte Vertriebschef Rory Bruer, und dazu gehört auch ein massierteres Auftreten der Animationsabteilung, die, beginnend mit "Die Schlümpfe 3", in den nächsten zwölf Monaten vier Filme starten wird. Dazu gehören auch "Emoji - Der Film", der wie eine Art Alles steht Kopf" mit den allgegenwärtigen Emojis aussieht, die aus Sicht der Tiere erzählte Bibelgeschichte "The Star" und der sehr vielversprechend aussehende Realfilm/Animationsmix "Peter Rabbit" von Will Gluck, der zu Ostern 2018 kommen soll.

Zudem zeigte Sony ein kleines Showreel mit kommenden Filmen wie "Cadaver" oder "Proud Mary", von denen das Remake von Flatliners" mit Ellen Page den besten Eindruck machte. Zum Abschluss gab es dann noch einen ersten Vorgeschmack auf das Reboot von "Jumanji", das an Weihnachten das komplette Familienpublikum begeistern soll. Die CinemaCon war angetan, nicht zuletzt weil die Stars des Films, Dwayne Johnson, Jack Black, Nick Jonas und Karen Gillan für gute Laune im Auditorium sorgten. "Netflix my ass"? In der Tat: Keine Gelegenheit wurde von den Executives und Stars auf der Bühne ausgelassen, um den Kinobetreibern zu versichern, dass große Filme unbedingt eine große Leinwand brauchen.

Thomas Schultze