Kino

Asghar Farhadi bleibt Oscars fern

Der bereits Oscar-prämierte Regisseur Asghar Farhadi wird trotz einer neuerlichen Nominierung der diesjährigen Vergabe der Academy Awards fern bleiben. Grund sind die von US-Präsident Trump verhängten Einreisestopps. Als Boykott der Oscars will er seine Entscheidung indes nicht verstanden wissen.

30.01.2017 13:29 • von Marc Mensch
Der iranische Filmemacher Asghar Farhadi (Bild: Kurt Krieger)

"Nader und Simin - Eine Trennung" war 2012 die erste iranische Produktion, die mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Neben dem Triumph in der Kategorie Bester nicht-englischsprachiger Film war "Nader und Simin" zudem für einen Drehbuch-Oscar nominiert gewesen. Der iranische Filmemacher Asghar Farhadi hatte das international vielfach preisgekrönte Werk in Personalunion als Produzent, Drehbuchautor und Regisseur verwirklicht. Mit dem Beziehungsdrama "The Salesman" ist Farhadi einmal mehr für den sogenannten Auslands-Oscar nominiert. Der Zeremonie werde er jedoch fernbleiben, wie er nun gegenüber der "New York Times" erklärte.

Eine Entscheidung, die er sich nicht leicht gemacht habe: Ursprünglich sei sein Entschluss gewesen, trotz der aktuellen politischen Lage in den USA gemeinsam mit seinem Kamermann zur Oscar-Verleihung zu reisen und in deren Umfeld mit der Presse über jene "ungerechten Umstände" zu sprechen, denen Einwanderer oder Besuchswillige aus bestimmten Ländern in den USA begegnen. Er habe nicht vorgehabt, der Verleihung fernzubleiben oder sie gar im Sinne einer politischen Botschaft zu boykottieren. Denn er wisse, dass viele Mitglieder der amerikanischen Filmindustrie und der Academy of Motion Picture Arts and Sciences jenen "Fanatismus und Extremismus" ablehnten, der heute stärker als jemals zuvor zu beobachten sei. Bis zuletzt habe er daran geglaubt an diesem "großartigen kulturellen Event" teilnehmen zu können.

Mit dem von US-Präsident Trump verhängten Einreisestopp für Bürger bestimmter Länder sei seine Reise in die USA allerdings selbst für den Fall, dass er eine Ausnahmegenehmigung erhalte, mit derart vielen Unwägbarkeiten verbunden, dass es für ihn schlicht nicht mehr akzeptabel sei. Gegenüber der "New York Times" habe er somit ein Statement abgegeben, das zusammenfasse, worüber er ursprünglich mit der Presse vor Ort in den USA sprechen wollte. Er wendet sich darin gegen Hardliner jeglicher Couleur und Herkunft und nennt dabei neben den USA auch ausdrücklich sein eigenes Land. Diese Hardliner könnten nicht anders, als die Welt über eine abgrenzende Mentalität von "wir" und "die anderen" zu begreifen - und auf dieser Basis Ängste zu schüren, die dann wiederum als Rechtfertigung für fanatische Taten engstirniger Individuen herhalten müssten.

Das ausführliche Statement können Sie in englischer Sprache auf der Website der "New York Times" lesen.

In Deutschland meldete sich unter anderem die im Iran geborene Schauspielerin Jasmin Tabatabai zu Trumps neuestem Streich zu Wort. In einem Gastkommentar für die "Bild" sprach sie von einem "unmenschlichen und ungerechten" Dekret, das Familien auseinanderreiße und einen Affront gegenüber der "bestens integrierten und sehr erfolgreichen" iranischen Community in den USA darstelle.

"The Salesman" startet in Deutschland am 2. Februar im Verleih von Prokino (24 Bilder).