Kino

Deutscher Regiepreis für Steinbichler und Riedhof

Im Rahmen einer Galaveranstaltung in der HFF München wurde gestern zum sechsten Mal der Deutsche Regiepreis Metropolis verliehen. Zu den Gewinnern des Abends zählten Hans Steinbichler und Kilian Riedhof, einen Ehrenpreis erhielt Edgar Reitz.

07.11.2016 09:24 • von Marc Mensch
Gewinner des Abends: Stefan Eberlein, Friedrich Mücke, Gabriela Sperl, Hans Steinbichler, Edgar Reitz, Stefan Bühling, Kielian Riedhof, Viviane Andereggen, Jens Müller, Carolin Haasis (Bild: Christof Arnold / BVR)

Im Rahmen einer Galaveranstaltung in der HFF München wurde gestern zum sechsten Mal der Deutsche Regiepreis Metropolis verliehen. Eine nicht nur in den Augen der Prämierten ganz besondere Auszeichnung - werden die Preisträger doch von denjenigen bestimmt, die ihre Arbeit am besten einzuschätzen und zu würdigen wissen: den Kollegen aus dem Bundesverband Regie. So hatte die Nominierungsjury unter dem Vorsitz von Regisseurin Frauke Thielecke pro Kategorie maximal vier Vorschläge ausgewählt, über die die mittlerweile rund 800 Verbandsmitglieder anschließend mittels eines Online-Votings abstimmten. Allzu leicht dürfte es in etlichen Fällen nicht gefallen sein, aus der Riege äußerst hochkarätiger Regiearbeiten den oder die eine(n) Gewinner(in) auszuwählen. So stand den meisten Ausgezeichneten des Abends neben großer Dankbarkeit vor allem auch die Überraschung ins Gesicht geschrieben, sich in den Augen der Kollegen gegen starke Mitbewerber durchgesetzt zu haben.

Die Gewinner des Deutschen Regiepreises Metropolis 2016 sind:

Beste Regie Kinofilm

Hans Steinbichler für "Das Tagebuch der Anne Frank"

Beste Regie Kinder-/Jugendfilm

Stefan Bühling für "Die weiße Schlange"

Beste Regie Dokumentarfilm

Stefan Eberlein für "Parchim International"

Beste Regie Fernsehfilm

Kilian Riedhof für "Der Fall Barschel"

Beste Regie TV-Serie/Serienfolge

Sabine Derflinger für die "Vorstadtweiber, Staffel 2/Folge 6"

Beste Regie Nachwuchs

Viviane Andereggen für "Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut"

Beste schöpferische Mitwirkung (Schnitt)

Jens Müller für "Das Programm"

Bester Schauspieler

Friedrich Mücke für seine Darstellung in "Unter der Haut", "Mordkommission 1" und "Weinberg"

Beste Schauspielerin

Jördis Triebel für ihre Darstellung in "Ein Atem" und "Operation Zucker: Jagdgesellschaft"

Beste produzentische Leistung

Gabriela Sperl für die Produktion der "NSU-Trilogie" für die ARD

Beste redaktionelle Leistung

Sascha Schwingel für die Redaktion von "Der Fall Barschel" (ARD/Degeto)

Sämtliche Regiepreise sind mit 5000 Euro dotiert.

Abschluss und Höhepunkt des Abends war die Vergabe des mit 20.000 Euro dotierten Ehrenpreises der VG Bild-Kunst an Edgar Reitz, der im voll besetzten Audimax der HFF mit stehenden Ovationen gefeiert wurde und sich auch angesichts der Laudatorin äußerst gerührt zeigte: Ula Stöckl, einst seine erste Studentin am Ulmer Institut für Filmgestaltung und spätere Mitstreiterin bei der Realisierung der "Geschichten vom Kübelkind", einem aufrüttelnden Werk, dem Ende der 1960er Jahre nicht nur der Segen der FSK verwehrt blieb. Stöckl, die mittlerweile als Professorin in Orlando lehrt, war extra für diesen Abend aus den USA angereist. Reitz selbst betonte, er nehme den Preis nicht für "sein", sondern für "ein" Lebenswerk entgegen. Ein feiner sprachlicher Unterschied, der signalisiere, dass die Auszeichnung für ihn kein Ende seines Schaffens markiere.

Ordentlich Raum war an diesem Abend naturgemäß auch für (film)politische Zwischentöne - und dies nicht zuletzt wegen einer wunderbaren Tradition, die den Metropolis in besonderer Weise prägt: Die Nominierten werden nicht etwa nur anhand von Trailern ihrer Werke vorgestellt - sondern jede(r) Einzelne erhält die Gelegenheit, auf der Leinwand über sich, seine Projekte und seine Arbeitsweise zu berichten. Dabei zogen sich Klagen über immer härter werdende Arbeitsbedingungen aufgrund stetig wachsenden Zeitdrucks wie ein roter Faden durch die Veranstaltung.

Schon zu deren Beginn hatte BVR-Vorstand Stephan Wagner den Finger in die eine oder andere Wunde gelegt. So würden Vergütungsverhandlungen mit der ARD nach mittlerweile drei Jahren eher feststecken. Allerdings, so Wagner augenzwinkernd, gebe die Einigung zwischen YouTube und der GEMA Hoffnung, dass man auch in schwierigen Verhandlungen noch zu einem "aus heutiger Sicht überraschenden Ergebnis" finden könne. Kein gutes Haar ließ Wagner hingegen am Entwurf für ein neues Urhebervertragsrecht - ein "glatter Rohrkrepierer" aus seiner Sicht. Denn mangels einer im Gesetz niedergelegten Verbindlichkeit von Einigungen mache das darin vorgesehene Verbandsklagerecht schlicht keinen Sinn. Tatsächlich, so Wagner, müsse man hoffen, dass der Reformstau in Berlin so groß sei, dass das Gesetz innerhalb dieser Legislaturperiode nicht mehr beschlossen werde.

Es war allerdings längst nicht nur derartige Kritik, mit der Wagner den feierlichen Abend einleitete. Der BVR-Vorstand hatte auch gute Nachrichten im Gepäck: So sei man als Verband schon "verdammt stolz" auf die mit ProSiebenSat.1 und dem ZDF erzielten Vergütungsvereinbarungen. Zudem hob Wagner nicht nur die wachsende Mitgliederzahl des BVR hervor, sondern auch eine im Rahmen der "Tage der Regie" (deren Abschluss die Metropolis-Verleihung bildete) vertiefte Zusammenarbeit mit der Deutschen Filmkomponistenunion Defkom.