Kino

MPA weist Gerüchte über DCP-Crack zurück

Sollte es Filmpiraten tatsächlich gelungen sein, die massiven Sicherheitsvorkehrungen eines DCP auszuhebeln? Eine Gruppe, die eine illegale 4K-Fassung von "The Hateful 8" ins Netz stellte, wollte sich diese Leistung auf die Fahnen schreiben - war aber schon in der Raubkopiererszene auf Skepsis gestoßen.

14.09.2016 13:14 • von Marc Mensch
Sorgt erneut mit einer Raubkopie für Schlagzeilen: "The Hateful 8" (Bild: Universum Film (Walt Disney))

Für Filmpiraten käme diese Leistung wohl dem Auffinden des Heiligen Grals gleich: die immensen Sicherheitsvorkehrungen eines Digital Cinema Package (DCP) auszuhebeln und so an die darauf hinterlegten Filmdaten zu gelangen. Tatsächlich schrieb sich eine Gruppe laut Berichten auf einschlägigen Websites wie torrentfreak.com diese Leistung unlängst auf die Fahnen - und zwar im Zuge der illegalen Online-Verbreitung einer 4K-Fassung von Quentin Tarantinos "The Hateful 8".

Doch schon in der Community stieß diese Behauptung auf Skepsis. Vermutet wird dort, dass es sich bei der Quelle der hochwertigen digitalen Kopie um einen russischen Streaming-Dienst namens Okko handelt. Indes wäre wohl auch eine Umgehung der dortigen Schutzmechanismen eine Leistung für sich - rühmt sich das 2014 in Kooperation mit LG Electronics an den Start gebrachte Portal doch dafür, strikteste Vorgaben aus Hollywood zu erfüllen, was den Schutz des dortigen Contents anbelangt. Aus gutem Grund: Okko bietet Filme auch zeitgleich zur Kinoauswertung an.

Auf Nachfrage von Blickpunkt: Film erklärte die Motion Picture Association jedenfalls, dass dort keinerlei Erkenntnisse vorliegen, wonach DCP kompromittiert sei. Vielmehr scheine die Quelle der 4K-Raubkopie in der Tat Okko zu sein.

Lehren könnte die Filmindustrie aus diesem Fall möglicherweise durchaus ziehen. So befragte torrentfreak.com unter anderem Sebastian Haselbeck, den Gründer der Fansite www.tarantino.info. Dieser verurteilte Piraterie zwar grundsätzlich - gab aber zu bedenken, dass gerade in diesem Fall ein Bedürfnis erfüllt werde, welches das Studio bislang ignoriert habe. Denn eine Ultra-HD-Fassung von "The Hateful 8" sei bislang nicht für das breite Home-Entertainment-Publikum verfügbar gemacht worden. Insofern sei der an sich bedauernswerte Vorgang ein "Symptom für das Versagen des Markts".